Ein Ausbildungsplatz, aber kein Bewerber
Oberriexingen/Vaihingen – An Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz suchen, mangelt es in unseren Breiten eigentlich nicht. Und dennoch gibt es Berufe, für die sich kaum noch Auszubildende finden lassen: Ein solche Problemberuf ist zum Beispiel der des Metzgers.
Metzger Bernd Langhans aus Oberriexingen ist ratlos. Er hat Stellenanzeigen aufgegeben, mit der Agentur für Arbeit Kontakt aufgenommen und einen Eintrag in die Online-Stellenbörse der Industrie- und Handelskammer (IHK) gemacht. Auf diesem Weg wollte er einen neuen Auszubildenden finden. Das Ergebnis der Anstrengungen aber war ernüchternd: „Kein einziger Jugendlicher hat sich auf die Anzeigen hin beworben“, sagt Bernd Langhans. Nicht einmal Interessenten hätten sich bei der Oberriexinger Metzgerei gemeldet.
Und das in Zeiten, in denen viele Jugendliche händeringend nach einer Lehrstelle suchen. Langhans vermutet, dass das Image des Berufs an der Misere Schuld ist. „Es denken immer alle, dass ein Metzger grobmotorisch und brutal ist und Blut liebt“, sagt er und bezeichnet diese Vorurteile als „puren Schwachsinn“. Metzger seien weder böse noch schwerfällig und schon gar nicht aufs Töten fixiert.
In der Vergangenheit hat die Anzahl der Metzger-Azubis im Kreis Ludwigsburg immer mehr abgenommen. Bernhard Langhans’ aktueller Lehrling Steffen Striegel aus Ensingen zum Beispiel hat seine Lehre vor knapp drei Jahren begonnen. „Damals waren mehr als 30 Kollegen mit mir in der Berufschule“, erzählt er. Heute seien davon noch sieben übrig. Und man könne davon ausgehen, dass mindestens drei weitere nach der Abschlussprüfung dem Beruf den Rücken kehren, sagt Langhans.
Der Metzger spricht sogar davon, dass sein Beruf ein Problemberuf sei. Damit steht Bernd Langhans jedoch nicht alleine da. Jörg Schabram von der Berufsberatung der Agentur für Arbeit in Ludwigsburg nennt weitere Problemberufe: Gebäudereiniger, Bäcker, Konditor, Koch und Tätigkeiten in Hotels gehören dazu. „Schuld daran sind zum Beispiel schlechte Arbeitszeiten“, sagt Schabram. In all diesen Berufsfeldern gibt es mehr angebotene Stellen als Bewerber. „Auf die sieben Metzgerstellen, die bei uns im Moment registriert sind, kommen vier Bewerber“, erläutert der Berufsberater.
Bernd Langhans macht für den Misserfolg seiner Stellenausschreibung zum Teil auch die Berufsberatung mitverantwortlich. „Dort werden oft die genannten Vorurteile transportiert“, sagt er. Manchen Bewerbern werde dabei sogar von einer Tätigkeit abgeraten. Das weist die Agentur für Arbeit jedoch entschieden zurück: „Wir raten keinem Jugendlichen von einem Beruf ab“, sagt Schabram. Und wenn es einen Interessenten für den Metzgerberuf gebe, dann werde dem nicht unbedingt gesagt, dass man in diesem Beruf nur im Blut stehe und Tiere töten müsse. „Wir reden nichts schlecht.“
Es sei aber klar, dass es eben Berufe gebe, die nicht sehr beliebt sind. „Früher war das vielleicht anders“, sagt Schabram. Neben den Verlierern in Sachen neue Auszubildende, gibt es aber auch Gewinner. Berufe wie der des Kraftfahrzeug-Mechatronikers oder der des Industriemechanikers seien im Moment beliebt. Aber auch die Ausbildung zum Friseur oder eine Lehre im Einzelhandel stehen hoch im Kurs. Scheinbar haben diese eine positivere Wirkung auf die Bewerber. Denn hier gibt es regelmäßig mehr Interessenten als Stellen.
Metzger schlachten kaum mehr selbst
Aber auch der Metzgerberuf hat positive Seiten. Die fasst Langhans so zusammen: „Man hat viel Verantwortung, weil man Lebensmittel produziert, man hat Kontakt zur Kundschaft und man kann Planungsaufgaben übernehmen.“ Der Beruf sei sehr vielfältig, er beschränke sich nicht nur auf die Arbeit in der Wurstküche. „Und Tiere töten muss heute kaum mehr ein Metzger, das macht der Schlachter.“ So ist es auch bei Langhans. Sein Betrieb bezieht das Fleisch aus der Schlachterei.
Im Übrigen sei die Ausbildung zum Metzger oder Fleischer keine Sackgasse. „Man kann viel machen, wenn man den Beruf gelernt hat“, sagt Langhans und nennt Weiterbildungsmöglichkeiten zum Fleischermeister, Fleischtechniker und Fleischingenieur. Letztere arbeiten zum Beispiel in großen Industriebetrieben oder als Lebensmittelkontrolleure. „Mit so einer Weiterbildung steht einem die Welt offen.“
Man könne aber auch noch eine zusätzliche Lehre zum Koch machen. Das hat Bernd Langhans getan. Deshalb wird heute in seiner Metzgerei nicht mehr nur Wurst hergestellt, sondern auch gekocht. „Es gibt so viele Möglichkeiten, sich zu entwickeln“, sagt Langhans, der hofft, dass er doch noch einen Azubi findet. Und das könnte tatsächlich bald klappen. Denn von den vier beim der Agentur für Arbeit registrierten Bewerbern, kommt einer aus der Nähe von Oberriexingen.
Philipp-Marc Schmid
