Wasserklau? Landwirt nichts vorzuwerfen
Sachsenheim (elf) – Landwirt Martin Schmid aus Kleinsachsenheim kommt nicht zur Ruhe. Im Mai 2008 sorgte ein bis heute Unbekannter dafür, dass rund 100000 Liter Endsubstrat aus einem Lagerbehälter seiner Biogasanlage ausliefen. Jetzt sah er sich seitens seines Nachbarn dem Vorwurf des Wasserdiebstahls ausgesetzt. Eine Anzeige der Stadt Sachsenheim erfolgte. Doch die Staatsanwaltschaft Heilbronn hat die Ermittlungen inzwischen eingestellt.
Sie wollten Rehabilitation: die Stadt Sachsenheim und vor allem Landwirt Martin Schmid. Zu heftig waren offenbar die Nachwehen der Vorwürfe, denen sich Verwaltung und Landwirt ausgesetzt sahen. Also versammelten sie die gesamte regionale Presse um sich, um per Berichterstattung öffentliche Absolution zu bekommen.
Das Ergebnis des Gesprächs: Es war im Mai vergangenen Jahres. Weil die Erdbeerernte im Gange und das Wetter trocken war, beregnete Landwirt Martin Schmid nach eigenem Bekunden rund 150 Ar seiner Obstplantage mit Trinkwasser aus dem Wassernetz der Stadt Sachsenheim. Die Bewässerung erfolgte aus Rohren an verschiedenen Stellen, die allesamt mit verplombten Wasserzählern versehen waren. Nun war einer der Zähler defekt, weswegen sich Schmid mit dem städtischen Wasserwerk in Verbindung setzte. Den defekten Zähler zu ersetzen hätte einige Zeit in Anspruch genommen, da ein neuer erst bestellt werden musste. Da Schmid allerdings weiter bewässern musste, traf er mit den Mitarbeitern des Wasserwerks die Vereinbarung, dass die Menge des entnommenen Wassers per Auslaufmessung direkt am Hochbehälter bestimmt werden sollte. Die Abrechnung sollte übergangsweise über Stundenprotokolle erfolgen, was am Ende auch so geschah, wie Kämmerer Jan Trost bestätigte. Für die in dem Zeitraum entnommenen 500 Kubikmeter Wasser musste Schmid 1000 Euro bezahlen – als Landwirt zahlt er keine Abwassergebühr.
Doch Schmids Nachbar K. P.-F., mit dem der Landwirt schon seit längerem im Clinch liegt, witterte wohl Mauschelei zwischen Martin Schmid und den Bediensteten des Wasserwerks. Die Stadt dulde den Zustand, dass Schmid Wasser ohne Zähler entnehme. Schlimmer noch: K. P.-F. behauptete offenbar, dass eine unkontrollierte Wasserentnahme bereits seit mehr als zehn Jahren erfolge und schaltete die Kommunalaufsichtsbehörde ein. Die Stadt Sachsenheim selbst wollte es nun auch genau wissen, erinnert sich Bürgermeister Horst Fiedler und erstattete am 16. Oktober 2008 Anzeige – gegen Martin Schmid und gegen sich selbst. „Wir wollten eine Untersuchung von außen bekommen“, begründete Fiedler den Schritt. Am 2. Februar flatterte der Brief von der Staatsanwaltschaft Heilbronn ins Sachsenheimer Rathaus. Ergebnis: „In dem Ermittlungsverfahren gegen Martin Schmid wegen Verdachts der Unterschlagung werden die Ermittlungen eingestellt“, heißt es in dem Schreiben. Ein strafbares Verhalten sei Schmid nicht vorzuwerfen. „Auch wir haben damit die Bestätigung, sorgfältig gehandelt zu haben“, hob Bürgermeister Fiedler hervor.
Hintergrund der Geschichte ist ein offenbar seit längerem schwelender Nachbarschaftsstreit zwischen K. B.-F. und Martin Schmid. Der Mann bekämpfe mit allen rechtlichen Mitteln die Biogasanlage auf dem Hof von Martin Schmid, die Ende Mai/Anfang Juni 2007 in Betrieb genommen wurde, sagte Schmids Rechtsbeistand Jürgen Knippenberg vom Rechtsanwaltsbüro Dr. Hartmann & Kollegen in Stuttgart. „Wir können es nicht hinnehmen, dass ständig solche falschen Verdächtigungen ausgesprochen werden – das ist rufschädigend“, machte Knippenberg deutlich. Er prüfe derzeit, rechtliche Schritte gegen Schmids Nachbarn einzuleiten. Hinter jeder Anzeige gegen seinen Mandanten stehe der Verdacht übler Nachrede, was mittlerweile auch eine psychische Belastung für den Betroffenen bedeute.
Schmid betreibt seine Landwirtschaft seit 1989 am Heinzenberger Weg in Kleinsachsenheim. Sein Nachbar, der nur rund 40 Meter entfernt wohnt, zog wenige Jahre später hin. Habe die nachbarschaftliche Beziehung früher noch „auf Distanz funktioniert“, wie es Martin Schmid ausdrückt, so rede man mittlerweile kein Wort mehr miteinander. Übrigens: Die neue Wasseruhr wurde bereits am 10. Juni vergangenen Jahres angebracht.
