Abwrackprämie: Gewinner und Verlierer
Vaihingen (phs) – Der Segen des Konjunkturpakets der Bundesregierung ist auch in Vaihingen und der Umgebung angekommen: Die Abwrackprämie hat einen Ansturm auf Neu- und Jahreswagen ausgelöst. Bei vielen Autohändlern steht die Kundschaft sogar Schlange. Der Schrottpreis hingegen ist im Keller.
Wenn ein Autohaus an einem normalen Samstag in drei Stunden knapp 20 Autos verkauft, dann ist irgendetwas anders als sonst. In diesen Tagen rennen die Kunden auch in Vaihingen und der Umgebung den Autohändlern schier die Türen ein. Der Grund: Die Abwrackprämie, die Autobesitzern für die Verschrottung ihrer alten Fahrzeuge winkt, ist für viele verlockend.
„In beinahe 30 Jahren habe ich einen solchen Run auf Neufahrzeuge noch nicht erlebt“, sagt Hans Herrmann, Geschäftsführer des Autozentrums Dobler in Mühlacker. „Was am vergangenen Samstag verkauft wurde, ist unglaublich.“ Beim Autozentrum Dobler sind momentan alle elf Verkäufer im Dauereinsatz. Sogar eine Urlaubssperre wurde verfügt, um dem Ansturm Herr zu werden. „Im Vergleich zum Januar 2008 haben wir 35 Prozent mehr Autos verkauft“, versichert Herrmann. In Mühlacker werden derzeit vor allem die Marken Skoda und Volkswagen nachgefragt.
In den Zeiten der Abwrackprämie ist die Nachfrage auch beim Ford-Händler Heinz Seiz in die Höhe geschossen. „Es kam sogar schon vor, dass wir Kunden darum bitten mussten, später nochmal zu kommen“, berichtet Seiz. Die Auftragseingänge hätten sich bei ihm verdreifacht. Besonders beliebt seien seit ein paar Wochen der neue Ford Fiesta und der neue Ford Ka. „Von diesen Kleinwagen haben wir nur noch ganz wenige auf dem Hof stehen.“ Außerdem bietet Seiz, wie die meisten anderen Händler auch, den Service an, die Abwicklung der Abwrackprämie zu übernehmen.
Auch Marco Wolf von der Vaihinger Autogaleria Wolf ist zufrieden. „Insgesamt haben wir unseren Absatz verdoppeln können“, sagt er und bezeichnet die Abwrackprämie als „tolle Geschichte“. Inzwischen stehen bei dem Fiat-Händler nur noch zwei Kleinwagen auf dem Hof. „Die restlichen Autos sind verkauft“, sagt Wolf.
Ähnlich gut läuft es beim Ford-Händler in Schützingen. „Wir haben alle Lager- und Vorführwagen verkauft“, sagt Fritz Glaser. Die Kunden seien regelrecht Schlange gestanden. Neuwagen verkauft Glaser zwar nach wie vor, seine Empfehlung lautet jedoch, sich einen Jahreswagen zu kaufen. „Das hat einen ganz einfachen Grund“, sagt er. „Ich glaube, dass der Prämientopf bald erschöpft ist.“ Jahreswagen seien sofort verfügbar und somit könne die Abwrackprämie auch sicher abgegriffen werden. Bei neuen Autos betrage die Lieferzeit hingegen mindestens acht Wochen. „Und ob dann bei Lieferung noch Geld im Topf ist, kann nicht garantiert werden.“
Heinz Seiz sieht das anders. Er ist der Meinung, dass die Umweltprämie noch bis in die zweite Jahreshälfte verfügbar ist. „Wir bekommen immer eine Mitteilung darüber, wie viel noch im Topf ist“, sagt Seiz. Bisher gebe es keinen Grund zur Panik, es seien noch nicht wirklich viele Anträge eingegangen. Auch beim Autozentrum Dobler ist man guter Dinge. Auf manche Modelle wird dort sogar die Prämie garantiert – auch für den Fall, dass der Topf leer ist: „Wir übernehmen praktisch das Risiko“, verspricht Hans Herrmann.
In Sachen Abwrackprämie gibt es aber nicht nur Gewinner. Der Preis für eine Tonne Schrott befindet sich seit einiger Zeit im Sturzflug. „Im vergangenen Jahr gab es für die Tonne noch 155 Euro. Jetzt sind es noch 35 Euro“, sagt Jürgen Bernhardt vom gleichnamigen Schrottverwerter in Kleinglattbach. Und das, obwohl sich das Geschäft zu alten Preisen jetzt richtig lohnen würde: Im Jahr 2008 verschrotteten die Kleinglattbacher 170 Autos, in diesem Jahr waren es schon 60.
