Dienstag, 22. Mai 2012

Zukunft der WEG-Trasse




Was passiert mit der alten WEG-Trasse - hier beim 1991 eingerichteten Haltepunkt Vaihingen. Foto: Bögel
Was passiert mit der alten WEG-Trasse - hier beim 1991 eingerichteten Haltepunkt Vaihingen. Foto: Bögel

Vaihingen (ub) – Gestern Abend trafen sich in einer Vaihinger Gaststätte die Nebenbahnfreunde, eine lose Interessengemeinschaft, die eine Zukunft für die ehemalige WEG-Strecke sehen. Doch wie sieht die Zukunft aus? „Es geht nicht vorwärts und nicht rückwärts“, beklagt beispielsweise Thomas Hitschler. Und die heruntergekommenen Gebäude – wie beispielsweise der Vaihinger Stadtbahnhof – machen schon ein „bisschen unfroh“.
„Es geht schon vorwärts“, sagt dagegen Thorsten Leupold, Wirtschaftsförderer der Stadt Vaihingen und zuständiger Mann für den Öffentlichen Personennahverkehr. So soll im Mai der Vaihinger Gemeinderat über die weitere Nutzung der Vaihinger Stadtbahn zwischen Enzweihingen und Kleinglattbach entscheiden. Dabei ist die Tendenz für den Beschlussvorschlag bereits jetzt klar: Die Bahnstrecke soll nicht entwidmet werden und parallel dazu sollen die Flurstücke und Immobilien so vermarktet werden, dass eine mögliche Bahnnutzung nicht eingeschränkt würde.
Nach einem Beschluss des Gemeinderats befasst sich seit dem 18. März letzten Jahres die Arbeitsgemeinschaft WEG-Trasse mit den möglichen Optionen. Mitglieder der Ortschaftsräte Kleinglattbach und Enzweihingen (plus die Ortsvorsteher), drei Vertreter des Stadtteilausschusses, Abgesandte der Fraktionen und die Verwaltungsspitze debattierten bei nicht öffentlichen Sitzungen über die Verwendung der sieben Kilometer langen Strecke. Im nächsten Monat will die Arbeitsgemeinschaft eine Beschlussempfehlung an den Gemeinderat formulieren.
Bis dahin soll auch die dringend erwartete Expertise der Albtal-Verkehrsgesellschaft Karlsruhe (AVG) auf dem Tisch liegen. „Wir wollten mit Absicht Verkehrsexperten ins Boot holen“, so Leupold in einem Gespräch mit der Vaihinger Kreiszeitung. Die AVG soll so aufzeigen, wie die Verkehrssicherungspflicht gelöst werden kann und wie die Immobilien vermarktet werden können, ohne dass eine mögliche Bahnnutzung behindert wäre.
Hier steht im Mittelpunkt vor allem der Vaihinger Stadtbahnhof in der Hans-Krieg-Straße und das Gelände rund um den Enzweihinger Bahnhof (hier die frühere Busgarage). Die Strecke bleibt weiterhin stillgelegt, die Gleise werden aber nicht herausgerissen. Die Option eines Radwegs wurde von der Arbeitsgemeinschaft verworfen.
Die Württembergische Eisenbahn-Gesellschaft (WEG) stellte am 13. Dezember 2002 den Verkehr auf der Nebenbahn ein. Am 18. März 2005 kaufte die Stadt Vaihingen die Strecke für einen symbolischen Euro und 400000 Euro für die dazugehörenden Immobilien. Ursprünglich verlangte die WEG 1,6 Millionen Euro. Bei der Stadt pochte man aber auf einen Vertrag von 1900, wo mit der Stadt und der Gemeinde Enzweihingen die Kostenbeteiligung mit der WEG geregelt wurde. Leupold: „So konnten wir letztendlich den Preis auf 400000 Euro drücken. Ein schöner Erfolg.“
Lange diskutiert wurde dann über eine Museumsbahn, bis im September 2007 der Gemeinderat sein Veto einlegte. Interesse meldete auch die Eisenbahn-Service-Gesellschaft mit Sitz in Horrheim an: Sie wollte die Strecke für den Gütertransport nutzen. Hier winkte aber die Verwaltung schnell ab: Für Güterverkehr sei kein Potenzial da, die Firmen wollen die Schiene nicht nutzen.
So sollen die stillgelegten Gleisanlagen unangetastet bleiben. Leupold: „Wenn jemals wieder eine Bahn fahren sollte, brauchen wir kein Planfeststellungsverfahren.“ Mit Hilfe der AVG muss die Stadt Vaihingen als Eigentümern dabei aber der Verkehrssicherungspflicht nachkommen. Kein Problem dürfte dabei der Abriss der maroden Brücke im Fuchsloch sein. „Damit würde die Strecke nicht entwidmet. Das ist abgeklärt.“ Bei dem Bau eines Radwegs auf der Nebenbahn – auch nur auf einem Teilabschnitt zwischen Enzweihingen und Vaihingen – wäre die Bahnstrecke aber entwidmet.
Wenn die Überprüfung der Karlsruher Verkehrsexperten, die schon viele Nebenstrecken untersucht haben, abgeschlossen ist, kann man bei der Stadt an die Vermarktung der Immobilien herangehen. So gab es für den Stadtbahnhof in Vaihingen, in dem am Sonntag drei Jugendliche wüteten, bereits einmal Interesse für eine gastronomische Nutzung.




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