Dienstag, 22. Mai 2012

Besuch beim Ensinger Bauerntheater




Auf der Bühne des Ensinger Bauerntheaters geht es wieder turbulent zu. Foto: Elsässer
Auf der Bühne des Ensinger Bauerntheaters geht es wieder turbulent zu. Foto: Elsässer

Schwiegermütter aufgepasst! Wenn Sie zu den Glücklichen gehören, die eine Karte für die diesjährige Spielzeit des Ensinger Bauerntheaters ergattert haben, dann machen Sie sich auf Folgendes gefasst: Sie bekommen ihr Fett weg, es wird laut und Sie werden sich dennoch vor Lachen biegen. „Urlaub, Urlaub, schönen Urlaub“, heißt das neue Stück der Ensinger Laienschauspieler, das am vergangenen Freitag in der Forchenwaldstube seine Premiere feierte und einmal mehr aus der Feder von Bernd Gombold stammt.
Der lässt in seinem neuesten Lustspiel – Regie führte Erwin Rudloff – laute und derbe Töne anschlagen, bei denen vor allem die Schwiegermütter eine dicke Haut zeigen müssen. „Jeder Mensch hat eine Schwiegermutter und kann sich sofort in die Thematik reinversetzen“, sagte Gombold im Gespräch mit der VKZ.
In dem Theaterstück lässt der Autor, der im normalen Leben Bürgermeister der Gemeinde Inzigkofen im Kreis Sigmaringen ist, einmal mehr die Gegensätze aufeinander prallen, die für verworrene Situationen und köstliche Situationskomik sorgen. Da ist zum einen das vermögende Ehepaar Gisela und Gottfried Hansemann, das seit Jahren seinen Urlaub auf einem Campingplatz verbringt und dort seine gemütliche und zugleich komfortable Ruhe genießt. Daneben die neuen Platznachbarn Klaus und Erika Muffel samt Schwiegermutter Martha, die dafür garantieren, dass es fortan vorbei ist mit der Ruhe. Klaus Muffel säuft, stänkert und proletet – gegen seine Schwiegermutter, gegen die Hansemanns und gegen den Rest der Welt. Doch auch bei steigendem Alkoholspiegel behält Muffel meist den Überblick – sogar gegen die affektierte Erziehungsberaterin Frauke mit ihren sechs Kindern.
Klaus Muffel, wunderbar dargestellt – beinahe schon gelebt – von Eckhard Wahl, schöpft aus dem Vollen und präsentiert einen Proleten wie aus dem Lehrbuch. Er ist die dominierende Figur und drückt dem Lustspiel seinen äußerst derben Stempel auf. Eine Gratwanderung, denn mit seinem lauten Stimmorgan scheint Wahl seine Sätze in die Ohren der Zuschauer hämmern zu wollen, was anfangs gewöhnungsbedürftig ist. Doch er schafft es perfekt, aus dem bissigen Charakter eine Identifikationsfigur zu machen. Mit Mimik, Witz und überzeichneter Darstellung des Proleten zieht er alle Register und das Publikum auf seine Seite.
Dazu tragen selbstverständlich seine trockenen Zoten bei, meist gegen seine Schwiegermutter gerichtet. Kostprobe gefällig? „Die g’hert ins Museum, und zwar zu de Dracha ond sonschtige frühzeitliche Monschter.“ „Wenn die amol en Schwimmingpool neihopfa will, lass i vorher ’s Wasser ab.“ „Woisch du, warom dr Adam im Paradies glebt hat? – Weil er koi Schwiegermutter g’het hat.“ Und beim Zeltaufbau: „Do, halt d’Stanga fescht. Am beschda mit dei’m Mund, dass du net so an Scheißdreck rausschwätza koschd.“
Eckhard Wahl spielt seine Schauspielkollegen beinahe an die Wand – aber eben nur beinahe. So verdient sich Publikumsliebling Marita Elser als Erika Muffel ebenso ihren Beifall wie Lene Jess, die als Schwiegermutter Martha ihrem stänkernden Schwiegersohn keine Antwort schuldig bleibt und über den Dingen steht. Gudrun Dörr und Dietmar Bildmann als Gisela und Gottfried Hansemann schaffen es auch noch nach einem Rollentausch in T-Shirt und versiffter Trainingshose, vornehm zu erscheinen. Herrlich affektiert kommt Christine Hartmann als Frauke daher, die sich mit feuchter Aussprache so manchen Disput mit Klaus Muffel liefert. Ihre Wandlungsfähigkeit bringt Kerstin Wahl alias Jenny zum Ausdruck, die zuerst als Fotomodell die Blicke auf sich zieht, dann ihr Fähnchen nach dem Wind hängt, um anschließend als Punkerin für Wirbel zu sorgen. In kleineren Rollen sind Werner Schmid als kauziger Peter – vor seinen Händen ist nichts sicher – und Oliver Volkmer als arroganter Fotograf Tom Hansemann zu sehen, der es auf das Geld seiner Eltern abgesehen hat.
„Das war der beste Gombold, den wir je gesehen hatten“, waren sich einige Zuschauer nach der Premierenvorstellung sicher. Vielleicht hatte bei dieser Einschätzung der aktuelle Eindruck mitgewirkt. Ob’s stimmt oder nicht, ist egal. Fakt ist: Das neue Stück des Ensinger Bauerntheaters ist wieder einmal von Bernd Gombold – und das ist gut so. Weitere (ausverkaufte) Aufführungstermine: 13., 14., 15., 20., 21., 22., 27. und 28. Februar.                                Frank Elsässer




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