Die Stadt ist wieder sauber, wie lange?
Vaihingen (aa) – So! Die Stadt ist wieder sauber. Fragt sich nur, wie lange? Am Samstag konnten die Putzgrenzen zum Beispiel an der Bundesstraße 10 am Vaihinger Eck genau ausgemacht werden. Blitzeblank die Vaihinger Seite, vermüllt die Enzweihinger Markung. Über 400 Helfer in 40 Gruppen beteiligten sich am achten Stadtputz unterm Kaltenstein.
Um 9 Uhr haben sich fast alle Gruppen schon in der Kelter angemeldet und ihre Pläne, Säcke, Greifer und Warnwesten bekommen. Bald anfangen und schnell fertig werden ist wohl die Devise. Lutz Magino, Elisabeth Kachler und Susanne Schwarz-Thyen sind zufrieden. Die Aktion läuft, auch wenn Chefkoordinator Manfred Auch diesmal beim Skifahren ist. Er hat aber für den Fall der Fälle sein Handy dagelassen, das ja als Kontakttelefon publiziert worden war.
Rund 40 Gruppen sind bei nahezu idealem Wetter dabei. Es waren schon mehr, aber man will nicht unzufrieden sein. Immerhin sind wieder über 400 Personen aktiviert worden. Es sind sogar am Morgen noch freiwillige Helfer vorbeigekommen und haben ihre Arbeitskraft angeboten. Für den Vater und seinen Sohn wurde natürlich ein Team gefunden. Zwei, drei Gruppen haben abgesagt, doch versprochen, ihre Reviere bei anderer Gelegenheit zu säubern. Die Fraktionen im Vaihinger Gemeinderat sind vertreten, Vereine (auch der türkische und der italienische Verein), natürlich Schulen. Eine Erzieherin vom Martha-Beitter-Kindergarten hat sich die Buttons aller Putzaktionen auf den Jacke gesteckt. Für sie ist es ganz klar, immer dabei zu sein.
An der Ferdinand-Steinbeis-Realschule läuft die Stadtputzete in den achten Klassen als Projekt. Wer sich abseilen will, muss eine Entschuldigung der Eltern vorlegen. Lehrerin Gudrun Breitinger holt die Utensilien ab und hofft, dass sich die drei Klassen im „Verfügungsraum“ auf dem Hela-Parkplatz eingefunden haben. Beim VfB Vaihingen wird die Putzete als Aktion für die Gesamtjugend angesehen. „Eine Woche nach der Altpapiersammlung war es zwar nicht ganz einfach, aber ich habe eine Mannschaft zusammenbekommen“, freut sich Jugendleiter Wolfgang Knoll. Die Ortsgruppe der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) nutzt den Putz wieder für eine Übung. Vier Taucher (auch aus Bönnigheim und Ludwigsburg) gehen der Enz auf den Grund, bergen unter anderem Reifen und Fahrräder.
Realschüler im
Projekteinsatz
Die Jungen und Mädchen der Realschule haben tatsächlich den Weg in die Flosch gefunden und machen sich etwas lustlos und mit viel Palaver an die Arbeit. Freiwillig wären wohl viele nicht dabei gewesen. Aber ein Lerneffekt kann durch das Müllsammeln sicher nicht verleugnet werden. Da draußen sieht es rund um Lidl, Hela, Burger King zum Teil verheerend aus. Die jungen Leute müssen da durch. Vor der Polizei wird sogar mit Handfegern gekehrt; die Martha-Beitter-Kinder kratzen jede Zigarettenkippe aus dem Kandel-Pflaster. „Wenn schon, denn schon“, sagen die Eltern, die die Mülleimer teilweise in den Kinderwagen transportieren. Am Bahnhof streichen Musikvereins-Jugendliche durch die Böschungen. „Wir haben Kondome, Fahrradreifen und Spritzen gefunden“, meldet ein Mädchen. Ein Junge verstaut gerade einen Kanister mit Verdünnungsresten in einen Sack. Der Müll wird am Straßenrand deponiert und dann von den Einsammelfahrzeugen abgeholt. Fünf private Gespanne sind im Einsatz. Der Bauhof der Stadt hat zwei Fahrzeuge abgestellt.
Die Organisatoren kümmern sich derweil schon ums Essen. Die Bäckerei Katz hat wieder die Brötchen gestiftet, von Ensinger kommen die alkoholfreien Getränke. „Das läuft wie selbstverständlich“, freut sich Elisabeth Kachler. Im Jugenddorf haben die Azubis den Eintopf vorbereitet. In der Aula wird wie gehabt ein Mittagessen angeboten. Auch das gehört zum Standard bei der Aktion. Und nach den Terminen im Jugenddorf richtet sich inzwischen im Prinzip auch der Putztermin. Schon jetzt ist der 27. Februar 2010 gebucht.
Oberbürgermeister Gerd Maisch lässt es sich ganz in der Tradition seines Vorgängers Heinz Kälberer nicht nehmen, allen Helfern und Organisatoren zu danken. „Normalerweise lässt ja die Begeisterung an sich wiederholenden Terminen nach, hier ist das offensichtlich nicht der Fall.“ Der Müll werde zwar Gott sei Dank weniger, doch der Einsatz für die Stadt lohne sich in jedem Jahr. Maisch wirbt für den Agenda-Prozess. „Jeder ist eingeladen, Ideen einzubringen und selbst aktiv zu werden.“ Der Oberbürgermeister war zwar am Samstag beim Müllsammeln nicht dabei, doch als ihn Georgie Hocker mit in sein spontan zusammengestelltes Müllsammler-Rhythmus-Orchester einbaut, kann er natürlich nicht absagen. Den Takt will er dabei ausnahmsweise mal nicht vorgeben: „Das würde was werden…“

