Vaihingen (rkü) – „Handle immer so, als ob du von den anderen Verkehrsteilnehmern Dummheiten zu erwarten hast.“ Mit diesem Leitsatz wollen Polizei und Verkehrswacht die Schülerlotsen zu höchster Wachsamkeit anhalten. In Vaihingen sichern 24 Jungen und Mädchen den Weg der Grundschüler, wenn diese mittags um zwölf von der Schule nach Hause drängen.
Zwei Schülerlotsen in ihrer auffälligen Kleidung halten die Grundschüler auf dem Gehweg an der Friedrichstraße an und geben den Weg erst frei, wenn zwei ihrer Kollegen den Zebrastreifen abgesichert haben, der beim Polizeirevier über die Heilbronner Straße führt. Insbesondere für die Erst- und Zweitklässler ist das eine wichtige Hilfe. Das Merkblatt „Zehn Gebote für Schülerlotsen“ weist die Helfer darum auf ihre besondere Verantwortung hin. „Du hast dich freiwillig gemeldet, dir wird vertraut, gehe mit gutem Beispiel voran“, heißt es an erster Stelle. Wenn die Grundschüler nach einem langen Schultag endlich nach Hause dürfen, denken sie an alles Mögliche, aber kaum an den Straßenverkehr. Wird ihnen dann auch noch signalisiert, dass sie die Fahrbahn überqueren sollen, sinkt das Interesse für heranrollende Autos gegen Null. Diethelm Beier, der bei der Vaihinger Polizei für die Ausbildung der Schülerlotsen zuständig ist, legt darum einen Schwerpunkt auf die Gefahren, die an Fußgängerüberwegen drohen. „Wir nehmen die Verkehrsregeln in Theorie und Praxis durch und berechnen auch den Brems- und Anhalteweg von Autos“, sagt Beier. Die Schülerlotsen sollen ein Gefühl für den Straßenverkehr bekommen und dadurch möglichst jede Gefahr für sich vermeiden – und für die Grundschüler, die sich auf ihre Hilfe verlassen.
Schülerlotsen heißen an sich gar nicht mehr so, sondern werden mittlerweile offiziell als Verkehrshelfer bezeichnet. Auch das entsprechende Verkehrszeichen trägt die veränderte Aufschrift. Die auffälligen Warnwesten, Mützen und Kellen stellt die Verkehrswacht zur Verfügung. In Zusammenarbeit zwischen Schule und Polizei erfolgt die Ausbildung. Vaihingen ist neben Ludwigsburg die einzige Stadt im Kreis, in der es den Schülerlotsendienst gibt. Hier wird nur der Zebrastreifen beim Polizeirevier gesichert und auch nur dann, wenn der Großteil der Grundschüler kurz vor 12 Uhr Schulende hat. „Morgens wäre das viel schwieriger, weil der Schülerstrom viel weniger kompakt ist und viele Kinder direkt zur Schule gebracht werden“, sagt Diethelm Beier. Er ist bei der Polizei Ansprechpartner in allen Dingen, die mit den Schülerlotsen zu tun haben. „Die gibt es in Vaihingen seit mehr als 40 Jahren und es ist noch nie eine gefährliche Situation aufgetreten.“ Entsprechende Angaben macht auch die Deutsche Verkehrswacht, die bundesweit für Schülerlotsen zuständig ist. An den Stellen, die von auffällig gekennzeichneten und gut ausgebildeten Jugendlichen gesichert werden, sei es noch nie zu einem tödlichen Unfall gekommen. Ansonsten vermittle aber gerade der Zebrastreifen Fußgängern eine trügerische Sicherheit – insbesondere den Schülern, die noch wenig Erfahrung im Straßenverkehr haben.
Kathrin Lang, die Leiterin der Grund-, Haupt- und Werkrealschule in Vaihingen, freut sich über die große Zahl der Schülerlotsen, die sich in diesem Schuljahr gemeldet haben. 24 Achtklässler absolvierten die Ausbildung zu Schuljahresbeginn und werden so lange tätig sein, bis sie im Herbst von den neuen Achtern abgelöst werden. Im vergangenen Schuljahr waren es nur acht Schülerlotsen, üblicherweise sind es etwa zwölf. Für jeden Dienst werden vier Schülerlotsen benötigt. Lehrer und Mitschüler haben sich längst daran gewöhnt, dass kurz vor Ende der fünften Stunde ein paar Achtklässler ihre Warnwesten holen und zum Zebrastreifen gehen.
Eine kleine Belohnung für diesen Dienst gibt es auch. „In Zusammenarbeit mit der Verkehrswacht wird die Kleidung gestellt und es gibt ein kleines Geschenk bei einer Weihnachtsfeier. Außerdem werden die Schüler auf einen eintägigen Ausflug eingeladen.“ Als Zugabe bekommen sie ins Schulzeugnis einen Vermerk, der auf das Engagement für die Mitschüler hinweist.
