Dienstag, 22. Mai 2012

Schulbericht für die Stadträte




Andrang im Stromberg-Gymnasium. Foto: VKZ-Archiv
Andrang im Stromberg-Gymnasium. Foto: VKZ-Archiv

Vaihingen (aa) – Lockere Einstimmung. Paul Rodach, Rektor der Kleinglattbacher Realschule und geschäftsführender Leiter der Vaihinger Schulen, bat mit Hilfe des Beamers zum Schulhausquiz. Die Mitglieder des Sozial- und Kulturausschusses machten am Mittwochabend brav mit. Doch später war es weniger lustig: Es ging um Wanderklassen, fehlende Sportstätten, ungenügende PC-Ausstattung, Mobbing, schlechtes Mensa-Essen…
Es war eine Premiere. Paul Rodach und Hans-Günter Peisch (Leiter des Stromberg-Gymnasiums) informierten stellvertretend für die Kollegen der anderen Vaihinger Schulen – sie waren zahlreich auf den Zuhörersitzen vertreten – über den Stand der Dinge. Die Fraktion der Grünen hatte den Bericht angeregt.
Wer eine Diskussion über die Zukunft der Vaihinger Hauptschule erwartet hatte, wurde enttäuscht. Paul Rodach wies lediglich dezent auf das besondere Brennpunkt-Profil der Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule (Schlossbergsschule) hin.
Grundschulen: Es gab Lob für die Betreuungsangebote der Familien-Bildung und das Engagement der Fördervereine. Alle Grundschulen haben sich ein Profil gegeben. Es existieren zum Teil Bläserklassen und Patenschaften mit Vereinen. Kritikpunkte: die Multimediaausstattung ist verbesserungsbedürftig, es fehlt an Schwimmzeiten, die Hausbetreuung ist zum Teil ein Problem, ebenso die Verfügbarkeit der Sekretärinnen. Von den Eltern wird die Hauptschulempfehlung oft nicht akzeptiert. Wünsche: Erhalt der kleinen Grundschulen (Rodach: „Die Schule soll im Dorf bleiben“), bessere Schulhofgestaltung, Zuweisung von Sozialpädagogen.
Grund- und Hauptschulen mit Werkrealschule: Die Schulsozialarbeit hat sich bewährt, es gibt standort- und schülerbezogene Profile, Ganztagesangebote mit Mittagessen, Förderangebote, vertiefte Berufsvorbereitung. In der Förderschule gibt es die individuelle Lern- und Entwicklungsbegleitung, die Lernstanddiagnose, Handlungskompetenzen werden vermittelt, eine Beratungsstelle für entwicklungsverzögerte Kinder ist eingerichtet.
Realschulen: Die nachhaltige Umwelterziehung ist in beiden Schulen verankert. Ganztagesangebote sind vorhanden, ebenso die Schulmensa, themenorientierte Projekte werden mit Erfolg durchgeführt. Die Gewaltprävention ist eingeführt (Streitschlichter, Schulsozialarbeit). An der Vaihinger Realschule wird die Teilnahme am Jugendbegleiterprogramm gewünscht. Die Schulhofproblematik ist hier ein Dauerthema. Notwendig ist die Schaffung von mehr Nebenräumen. Rodach: „Wir haben zum Beispiel keine geeigneten Krankenzimmer.“
Allgemeine Anmerkungen: Die Sportstunden können nur mit Mühe untergebracht werden. Die Schulbussituation ist besser geworden („Es klappt ganz gut, natürlich auch mal mit einer Panne“).
Wie sieht es an den Gymnasien aus? Am FAG wird die Raumsituation erneut als unbefriedigend bezeichnet. Schulleiter Hans-Joachim Sinnl berichtet von insgesamt 15 Wanderklassen. Am Stromberg-Gymnasium hat derzeit jede Klasse ein eigenes Zimmer. Die Erweiterung werde aber den Anforderungen einer sich abzeichnenden Ganztagesschulentwicklung nicht gerecht (Nebenräume, Sozialräume, Computerräume…). Wenn man ein naturwissenschaftliches Profil mit Naturwissenschaft und Technik als Kernfach habe und wie das FAG keinen Technik-Raum anbieten könne, so sei das alles andere als optimal. Als „ganz schwierig“ stuft Hans-Günter Peisch die Lehrerversorgung ein: „Vor allem im naturwissenschaftlichen Bereich fehlen Lehrer.“
Die Ganztagesangebote werden am FAG in offener Form geführt (Hausaufgabenbetreuung durch Familien-Bildung, Lernbegleitung durch Schüler für Schüler, Vertiefungsklasse, Mittagessen im benachbarten Schloss Kaltenstein). Am SG gibt es an drei Schultagen für sieben Zeitstunden Pflichtunterricht bzw. ein Betreuungsangebot (auch mit der Familien-Bildung) für rund 300 Schüler (ohne zusätzliche Lehrer-Wochenstunden).
Offen angesprochen wurden von Hans-Günter Peisch die Probleme mit dem Mensa-Essen. Der noch bis Schuljahresende laufene Vertrag mit dem Caterer sei gekündigt worden. Das Essen werde praktisch nicht mehr in Anspruch genommen: „Jetzt ist wieder Pizza angesagt.“
Die Wünsche der Gymnasien: Man braucht unbedingt weitere Sporthallenzeiten, die naturwissenschaftlichen Räume müssen umgebaut werden (ansteigendes Gestühl raus), PC-Fachräume sind nötig, das Hauptgebäude am FAG braucht eine Datenleitung, Lehrerarbeitsplätze sollten mit PCs ausgestattet werden. Am SG wird dringend die Schulsozialarbeit gewünscht (Peisch: „Auch bei uns ist die Welt nicht mehr in Ordnung. Gewalt muss sich nicht immer in Schlägerei zeigen“), im Sekretariat ist mindestens noch eine halbe Kraft notwendig, es fehlen Aufenthaltsräume und über die Verkehrsführung am Nebenweg sollte nachgedacht werden.

 

Diskussion zum Schulbericht

Vaihingen (aa) – Wie wurde der Bericht der Schulleiter im Sozial- und Kulturausschuss aufgenommen? Wenn der Eindruck nicht täuscht, waren die Stadträte durchaus erfreut, einen kompakten Überblick bekommen zu haben. Eindrücke aus der Fragerunde.
Matthias Siehler (FW, Enzweihingen) will wissen, ob denn die hohen Übergangsquoten von der Grundschule auf Realschule und Gymnasien realistisch seien, welche Aussagekraft die Grundschulempfehlungen hätten. Hans-Günter Peisch: „Wir würden ungern auf die Empfehlungen verzichten. Sie sagen uns schon was.“ Wechsler habe es immer schon gegeben. Paul Rodach dazu: „Ich habe jetzt in Kleinglattbach sechs neue Schüler von drei verschiedenen Gymnasien bekommen. Das ist sehr wenig.“ Den Weg des dreigliederigen Systems findet Peisch im Prinzip in Ordnung. Wenn man 80 Prozent Abiturienten wolle wie in Frankreich („Dort gibt es A-, B- und C-Abis“), müsse man das System ändern.
Sieglinde Kühnle (FW, Kleinglattbach) freut sich, dass durch die Schulsozialarbeit eine „Grundberuhigung“ eingetreten ist (die Stadt beschäftigt drei Schulsozialarbeiter). Die Schulsozialarbeit will Hans-Günter Peisch so schnell wie möglich auch am Stromberg-Gymnasium umgesetzt wissen. „Wir haben keine Schlägereien und keine Schmierereien, aber Mobbinggeschichten. Die aufzuarbeiten kostet enorm viel Zeit.“ Der einmal pro Woche aus Bietigheim-Bissingen anreisende Beratungslehrer sei „ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Paul Rodach: „Richtig rohe Gewalt steht nicht im Vordergrund, es sind eher subtile Geschichten. Auch heute ist wieder ein weinendes Mädchen vor mir gestanden. Sie wird in der Klasse gemobbt.“ Oberbürgermeister Gerd Maisch ist erfreut, dass die Sozialarbeit insgesamt so gut angelaufen ist.
Thema Sucht. Peisch sieht das Drogenproblem weitestgehend im privaten Bereich angesiedelt. Rodach betrachtet Vaihingen nicht als weißen Punkt auf der Landkarte. Alkohol sei in der Schule kein Thema, „aber manche Schüler sind montags in der ersten Stunde durchaus noch angenehm, weil sie einfach müde sind“.
Arbeitsüberlastung im Sekretariat. OB Maisch wertet das als landesweites Problem. Viele Aufgaben seien schleichend von den Schulämtern auf die Schulen verlagert worden. Der finanzielle Ausgleich müsse vom Land übernommen werden.
Mensa-Essen. „Der Mittagstisch im Stromberg-Gymnasium ist ein Fraß.“ Sieglinde Kühnle sagt es wie immer frei heraus. Das könne man doch nicht das ganze Schuljahr so laufen lassen. Nach den Informationen von Kämmerer Jürgen Liegmann haben Gespräche mit einem Froster stattgefunden (Eberhard Zucker, FW, Vaihingen: „Damit habe ich als Landwirt Probleme“), das jetzige System habe sich als unbefriedigend herausgestellt. Folge einer Umstellung: Die Ausrüstung in der Schule muss erweitert werden. Man braucht Kühlschränke und muss Herde installieren. Vor September werde man die Sache wohl kaum regeln können, meint Liegmann.
Wanderklassen. „Bei einer Wanderklasse bricht die Schule nicht zusammen“, ist die Auffassung von Paul Rodach. Am FAG läuft es offenbar mit 15 noch, auch wenn die Herausforderungen groß sind.
Zum Schluss die Bitte, dass der Bericht Tradition werden möge (Susanne Schwarz-Zeeb, Grüne, Vaihingen) und der Antrag von Susanne Schneider (CDU, Vaihingen): „Der vierte Schulsozialarbeiter muss möglichst schnell kommen.“ Doch darüber wird in der Sitzung natürlich noch nicht entschieden. So schnell geht es nicht.




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