Politiker und Verwaltungsmitarbeiter bei Schweinen
Illingen (elf) – Erst die Kür und dann das Schaulaufen: Bevor sich am 13. Februar die Bauern des Enzkreises offiziell versammeln, diskutierten sie gestern mit Vertretern von Politik und Verwaltung aktuelle agrarpolitische Themen. Schauplatz der Veranstaltung, der neben Landtagsabgeordneten auch der Fraktionsvorsitzende der Landes-CDU, Stefan Mappus, beiwohnten, war der landwirtschaftliche Betrieb Jörg Creyaufmüller in Illingen.
Der Termin hatte buchstäblich ein „G’schmäckle“. Denn bevor die Bauernvertreter mit Politikern und Verwaltungsbeamten in Klausur gingen, besichtigten sie den Abferkelbetrieb Creyaufmüller an der Roßwager Straße – strenge Gerüche inklusive. Die ertrugen Stefan Mappus, die Landtagsabgeordneten Thomas Knapp (SPD) und Hans-Ulrich Rülke (FDP) sowie Landrat Karl Röckinger samt Mitarbeitern tapfer. Lediglich Winfried Scheuermann (CDU) verzichtete auf die Führung. Als Illinger Kommunalpolitiker hatte er schon genügend Gelegenheit hineinzuspickeln.
Was es zu sehen gab, war für die Besucher interessant. Creyaufmüller erklärte. dass sein Abferkelbetrieb „eine Entbindungsstation für Schweine“ sei. 12000 Ferkel würden auf seinem Hof pro Jahr das Tageslicht erblicken. Fünf Wochen dauere dabei ein Durchgang vom Aufkauf der trächtigen Sauen über die Pflege bis zur „Entbindung“, die Geburt und das Aufpäppeln von Sauen und Ferkeln bis zum Weiterverkauf. Pro Durchgang habe er sich um 120 Sauen zu kümmern, die bis zu zwölf lebende Ferkel werfen. Sind die Schweine nach insgesamt 23 Tagen wieder weg, wird der Stall zwei bis drei Tage lang gereinigt, ehe die nächste Fuhre kommt.
Ulrich Hauser, seit drei Jahren Vorsitzender des Bauernverbands Enzkreis, warf unterdessen einen Blick auf das vergangene Geschäftsjahr der Landwirte zurück, das er als einen „Ausrutscher nach oben“ bezeichnete. Durch gestiegene Erzeugerpreise hätten alle Landwirtschaften – außer Viehbetriebe – einen Einkommenszuwachs von 25 bis 30 Prozent zu verzeichnen gehabt. Im Veredelungsbereich (Beispiel Schweinemast) habe es allerdings Einbrüche von bis zu 60 Prozent gegeben. Insgesamt 25000 Euro habe der Schnitt bei den Betriebseinnahmen betragen. Zum Vergleich: der gewerbliche Lohn habe im Schnitt bei 39000 Euro gelegen. Hausers Folgerung: „Unsere Einkommenssituation ist trotz einer Verbesserung nicht so, wie sie sein sollte.“ Für das Jahr 2009/2010 erwarte er bei Milchvieh- und Ackerbaubetrieben einen Einkommensrückgang von zehn bis 15 Prozent. Bei der Schweinewirtschaft sei dagegen eine Erholung zu erwarten.
Im anschließenden Gespräch mit den Vertretern aus Politik und Verwaltung legten die Bauern – im Enzkreis gibt es rund 1000 landwirtschaftliche Betriebe, davon 200 hauptberufliche – ihre Positionen zu diversen agrarpolitischen Themen dar. Zur Sprache kam neben dem Dauerbrennerthema Flächenverbrauch auch die Wildschäden, die Umsetzung der Abwasserrichtlinie für landwirtschaftliche Betriebe im Außenbereich, der Teilregionalplan Nordschwarzwald sowie das Agrar-Investitionsförderprogramm.
