Vaihingen (ub) – Die vier Stunden Öffnungszeit sind fast zu kurz, um alle Interessenten mit Informationen zu versorgen. Großer Andrang herrschte am Samstag wieder beim Vaihinger Ausbildungstag in der Stadthalle. Bei der fünften Auflage präsentierten sich 35 Betriebe.
Immer wieder passieren Jugendliche die Eingangstüren der Stadthalle, um das „ganze Spektrum der Ausbildungsmöglichkeiten in der Stadt und der Umgebung zu erforschen“, wie es Oberbürgermeister Gerd Maisch formulierte. Ob Bundeswehr oder Bundespolizei, Banken oder Bezirksärzte, Kliniken oder Krankenkassen, Steuerberater oder Systemtechniker, Discounter oder Dachdecker – es gab am Samstag jede Menge Branchen, die junge Leute für die Ausbildung suchen. Veranstaltet wurde der Ausbildungstag wieder von der Stadtverwaltung Vaihingen, der Ludwigsburger Agentur für Arbeit, der Lokalen Agenda und den Vaihinger Schulen.
„Der Ausbildungstag ist eine Win-win-Situation für Betriebe und Ausbildungsplatzsuchende“, so OB Maisch. Den künftigen Auszubildenden falle es leichter, sich in den Betrieben vorzustellen, wenn man sich schon einmal gesehen, wenn man sich beschnuppert habe. Und für die Unternehmen werde die Ausbildung sowieso immer wichtiger. „Gute Mitarbeiter sind das Kapital für die Firmen“, so Maisch. „Wir brauchen eine gute Qualität für unsere Produkte und die bekommen wir nur, wenn wir auch gut ausgebildete Mitarbeiter haben.“
Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei es ratsam, in die Ausbildung zu investieren. Das machte der Vaihinger Verwaltungschef an Zahlen deutlich: 400 Jugendliche im Alter von 16 Jahren gebe es derzeit in der Flächenstadt Vaihingen. In wenigen Jahren gehe aber diese Zahl spürbar auf rund 300 zurück. Die Folge: „Es wird ein Kampf um Auszubildende stattfinden.“ Die Statistik sage, dass ab dem Jahr 2012 mehr Ältere in den Ruhestand gehen, als dass Jüngere in den Arbeitsmarkt nachdrängen.
Allerdings erkannte Jörg Schabram von der Agentur für Arbeit in der aktuellen Wirtschaftskrise bei den Firmenchefs die Tendenz zum Abwarten bei den Ausbildungsstellen. „Viele sagen, sie wollen erst einmal die nächsten ein, zwei Monate die Lage beobachten.“ Wenn es aber nach der Wirtschaftskrise wieder aufwärts gehe, habe man mit der nötigen Ausbildung dem eigenen Fachkräftemangel vorgebeugt.
„Beim heutigen Ausbildungstag geht es um den Übertritt von der Schule in die Arbeitswelt“, so Paul Rodach, geschäftsführender Schulleiter der Vaihinger Schulen. Im Bezug auf das Internet konnte sich Rodach einen Seitenhieb nicht verkneifen: „Hier haben wir es nicht mit virtuellen Gesprächspartnern zu tun.“
Niemand kann mehr über einen Ausbildungsberuf sagen und erzählen als ein Lehrling selbst. Deshalb waren an vielen Infoständen der Unternehmen die jungen Leute vertreten, die derzeit die Ausbildung durchlaufen. „Auf Augenhöhe“ gab es deshalb „ehrliche“ Gespräche über die Vor- und Nachteile der jeweiligen Ausbildung. Eine Mutter im Foyer der Stadthalle: „Mit dem Sohn war ich vor zwei Jahren da, jetzt geht es mit der Tochter auf den Rundgang.“
