Vier Entwürfe für Kleinglattbach-Süd II
Vaihingen (aa) – An guten Vorsätzen mangelt es nicht: Das Baugebiet Kleinglattbach-Süd II soll zu einem Aushängeschild für die Stadt Vaihingen werden. Vier Planungsbüros haben städtebauliche Entwürfe erstellt, mit denen eine frühzeitige Träger- und Bürgerbeteiligung durchgeführt wird.
Auch für Kleinglattbach-Süd I gab es hehre Ansätze. Mancher Stadtrat hat da noch die Aussagen der damaligen Stadtplanerin vom „Musterbaugebiet“ im Hinterkopf. Fehler, die da gemacht wurden, dürfen sich jetzt nicht wiederholen, war im Gemeinderat der allgemeine Tenor. Die Straßen sollen breiter werden, die Zahl der öffentlichen Stellplätze größer, man dürfe sich auch nicht von Investoren die Pistole auf die Brust setzen lassen… Die vier Entwürfe für Kleinglattbach-Süd II wurden am Mittwochabend von Stadtplaner Ernst Loos kurz vorgestellt.
Da gibt es das Konzept ARP mit einer Gesamtfläche von 27,6 Hektar (Baufläche 63 Prozent, Verkehrsfläche 15 Prozent, Grünfläche 22 Prozent). Es könnten 958 Wohneinheiten entstehen (45/Hektar). Fünf Bauabschnitte wären möglich. Ein zentraler Bereich mit Bäckerei, Café und Bushaltestelle ist am künftigen Baugebietseingang angedacht.
Der Entwurf Lehnhoff + Partner sieht klar strukturiert 580 Wohneinheiten auf einer Fläche von 30,7 Hektar vor (Baufläche 50 Prozent, Verkehrsfläche 20 Prozent, Grünfläche 30 Prozent). Die Wohneinheiten pro Hektar liegen bei 26. Vier Abschnitte sind möglich. Für betreutes Wohnen wird Geschosswohnungsbau vorgeschlagen.
25,8 Hektar ist der Flächenbedarf beim Entwurf Nölle (Baufläche 63 Prozent, Verkehrsfläche 14 Prozent, Grünfläche 23 Prozent). Die Zahl der Wohneinheiten pro Hektar liegt bei 38, insgesamt bei 754. Die Abschnitte könnten parallel an die jetzige Siedlungsgrenze angehängt werden. Vorgesehen ist ein zentraler Platz. Beim Stadtplanungsamt wird hier von einem homogenen und dennoch variablen Vorschlag gesprochen, der sich in Landschaft und Topographie einfüge.
Das Büro Wick und Partner hat auf einer Fläche von 25 Hektar geplant (Baufläche 47 Prozent, Verkehrsfläche 14 Prozent, Grünfläche 39 Prozent). 511 Wohneinheiten (35/ha) sind möglich, vier bis fünf Bauabschnitte denkbar. Die Wohnquartiere liegen an einem grünen Band. Die Quartiere werden durch kleine grüne Plätze und „Finger“ verknüpft. Auch eine Versorgungseinheit ist vorgesehen.
Die vier Entwürfe werden im Rahmen einer Informationsveranstaltung den Bürgern vorgestellt (angedacht im April). Parallel läuft die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange an. Erst im Anschluss daran wird eine Entscheidung zugunsten eines Entwurfs bzw. einer Siedlungsstruktur getroffen. Mit dieser Verfahrensweise will man allen Beteiligten und den Gremien die nötige Zeit geben, die bei der Planung eines solch großen Gebietes notwendig ist.
„Fast jeder Entwurf hat seine Reize“, konstatierte Kleinglattbachs Ortsvorsteherin Sieglinde Kühnle (FW). Lediglich einer sei abschreckend: „Wir wollen doch keine Kaserne bauen.“ Kühnles eindringliche Mahnung: „Wir brauchen auch Sportstätten und einen Bolzplatz.“ Susanne Häuser-Essig (Grüne, Ensingen) wertete die Vorgehensweise als „genau richtig“. Man müsse aber darauf achten, dass hier keine Satellitenstadt entstehe, dass sich die Altersstrukturen vermischen können (durch abschnittsweise Realisierung).
„Die negativen Erfahrungen von Kleinglattbach-Süd I berücksichtigen“, war der Hinweis von Friedrich Wahl (FDP, Vaihingen). Und auch die zunehmende Verkehrsbelastung sei nicht zu unterschätzen. Eberhard Berg (SPD, Kleinglattbach) und Professor Gustl Lachenmann (FDP, Vaihingen) hätten am liebsten einen Entwurf rausgenommen. Berg: „Man muss die Leute nicht der Lächerlichkeit preisgeben.“ Berg wünschte sich zudem eine frühzeitige Diskussion über Planungsvorgaben. „Keinen Geschosswohnungsbau in großem Stil durchführen“, war die Bitte von Walter Sämann (FW, Vaihingen). Die Wohnungen seien hier nur schwer zu verkaufen.
Thomas Fritz (CDU, Ensingen) sah in Kleinglattbach-Süd II ein Aushängeschild für Vaihingen, ein halbes Lebenswerk für einen Baudezernenten. Die eigenen Erwartungen müssten aber anstelle von Hochglanzplanungen auf ein realistisches Maß gebracht werden. Die Zustimmung zum geplanten Prozedere erfolgte einstimmig. Das Stadtplanungsamt wird nach der Bürgerinformation und der Anhörung der Träger öffentlicher Belange einen Vorschlag für die Umsetzung erarbeiten.
