Dienstag, 22. Mai 2012

Diskussion um Flächennutzungsplan


Hier soll Enzweihingen wachsen. Im Hintergrund Vaihingen. Foto: Arning
Hier soll Enzweihingen wachsen. Im Hintergrund Vaihingen. Foto: Arning

Vaihingen (aa) – Die Fortschreibung des Flächennutzungsplanes (FNP) beschert den kommunalen Gremien in diesen Tagen viel Arbeit – und sorgt für überraschende Abstimmungsergebnisse. So gab es am Dienstag bei einer gemeinsamen Sitzung des Vaihinger Stadtteilausschusses und der Ortschaftsräte Enzweihingen und Kleinglattbach keine Zustimmung für die Vaihinger Planungen.
Albert Arning
Eine 4:5-Ablehnung musste da nach langen Diskussionen protokolliert werden. Zahlreiche Mitglieder des Ausschusses konnten nämlich wegen Befangenheit nicht an der Diskussion und der Abstimmung teilnehmen. Die Planungen für Enzweihingen und Kleinglattbach fanden jeweils Mehrheiten.
Der FNP ist auf das Zieljahr 2020 ausgerichtet. Bis dahin soll Vaihingen – so die Prognosen – rund 30100 Einwohner haben. Das Statistische Landesamt geht in seinen neuen Trendprognosen von einer leicht rückläufigen natürlichen Bevölkerungsentwicklung und reduzierten Wanderungsgewinnen aus. War es bisher von 220 Einwohnern/Jahr ausgegangen, sollen es jetzt nur noch 70 Einwohner/Jahr sein. „Wir haben bisher mit 160 Personen pro Jahr gerechnet und kalkulieren künftig mit 120“, erklärte Ernst Loos, Leiter des Stadtplanungsamtes. Der Zuwachs liege vor allem in Vaihingen, Kleinglattbach und Enzweihingen. Insgesamt wurde in der Verwaltungsgemeinschaft ein Flächenpool von rund 280 Hektar einer Umweltprüfung unterzogen, daraus sind insgesamt 140,6 Hektar herausgefiltert worden.
Für Vaihingen ist nach den Vorstellungen der Verwaltung (denen der Stadtteilausschuss nicht folgen wollte) eine zwei Hektar große Wohngebietsausweisung am Leinfelder Weg (zwischen der ehemaligen WEG-Bahnlinie und Unter den Weingärten) sowie am südlichen Ortsrand (Auweingärten, Galgenfeld, rund 14 Hektar) vorgesehen. Als Puffer zur Stuttgarter Straße soll es eine gewerbliche Fläche geben (5,8 ha). Der Bereich zwischen Nebenweg und Nebensteigle soll zurückgestellt werden, ebenso zwischen Gerok- und Kehlstraße sowie südlich Baresel. Fuchsloch III (Bereich zwischen Bahnlinie und Neuer Bahnhofstraße) scheidet für eine Wohnbebauung aufgrund hoher Vorbelastungen aus (unter anderem, weil ein Betrieb, der in die Störfallverordnung fällt, angrenzend angesiedelt ist). Der erst nach der Abstimmung gestellte Antrag von Uwe Schwarz zur Aufnahme des Bereichs zwischen Gerok- und Kehlstraße („Hier könnte eine gute Straßenverbindung zum Kehlweg geschaffen werden“) wird im Technischen Ausschuss behandelt.
Der dringende Appell von Ulrike Schmidt-Hitschler war, sparsam mit der Fläche umzugehen, auch den demographischen Wandel im Auge zu haben und sich auf die Zahlen der Statistiker zurückzuziehen. Dazu Oberbürgermeister Gerd Maisch: „Im Plan wird aufgezeigt, was gehen kann. Es muss aber nicht alles umgesetzt werden. Das hat man zum Beispiel in Kleinglattbach gesehen.“ Jürgen Rapp plädierte für einen Zuzug, „sonst müssen wir uns in ein paar Jahren überlegen, was wir schließen“. Der Vorschlag von Armin Zeeb, sich nur auf Kleinglattbach zu konzentrieren, fand in der Verwaltung keine Befürworter. Ernst Loos: „Die Kernstadt muss gestärkt werden; sie ist zu klein für eine Stadt mit fast 30 000 Einwohnern. Und viele wollen halt in Vaihingen wohnen.“
Für Enzweihingen soll die neue Wohnbaufläche gegenüber dem ursprünglichen Ansatz deutlich zurückgefahren werden. 3,9 Hektar werden es neu sein (vor allem im Bereich Unteres Kreuz, Brunnenhalde), 2,0 Hektar sind noch aus dem alten Plan drin. Die Breite (1 ha) soll weiter als gemischte Baufläche erhalten bleiben, die Kleingärten an der B10 (0,5 ha) in gewerbliche und gemischte Flächen umgewandelt werden. „Das sei schon ein Stück weit enttäuschend“, fand Ortsvorsteher Eduard Aldinger. Von einer Entwicklungsachse Kleinglattbach – Vaihingen – Enzweihingen könne man sich verabschieden. Ohne weitere Wohnentwicklung müsse man um Schule, Kindergärten und Läden fürchten. Die Bevölkerungszahl von Enzweihingen werde sich wohl bis 2020 die Waage halten. Nicht kommen wird nach Lage der Dinge eine Abrundung des Gebiets Hörnle (Frage Franz Hrdina). Stadtplaner Loos: „Wenn Gewerbebrachen umgewandelt werden, haben wir aber nichts dagegen.“ Und auch eine zusätzliche Verbindung zur B10 (Strudelbachtrasse) bzw. ein „Ostabstieg“ zur B10 von der Brunnenhalde her werden als nicht realisierbar angesehen. Der Enzweihinger Ortschaftsrat stimmte den Planungen zu (sechs Ja-Stimmen).
Auch die Kleinglattbacher Vorstellungen wurden bei der gemeinsamen Sitzung akzeptiert (6:2 Stimmen). Hier soll – so der Wunsch der Ortsvorsteherin Sieglinde Kühnle – „behutsam“ aufgesiedelt werden. Die Stadtverwaltung hatte den Vorschlag gemacht, auf den Bereich Stöcklesbrunnen zu verzichten. Kühnle: „Aber nicht jeder will in einem Mammutgebiet wohnen.“ Der Antrag von Ortschaftsrat Carsten Scholz, den Stöcklesbrunnen (1,8 ha) wenigstens teilweise in der Planung zu lassen, fand eine 6:2-Mehrheit. Die Fläche soll dann bei Kleinglattbach Süd abgezogen werden. Hier sind 20 Hektar vorgesehen (wie bisher schon im FNP). Der Bereich Bahnschranke wird als gemischte Baufläche ausgewiesen.
Die Ortschaftsräte von Aurich, Riet und Roßwag beraten übrigens heute über den Plan, am 3. März befassen sich die Gremien von Ensingen, Gündelbach und Horrheim ebenfalls gemeinsam mit dem FNP. Der Gemeinderat diskutiert am 16. April.


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