Dienstag, 22. Mai 2012

Kein Tempo 30 in Illinger Ortsdurchfahrt


Keine Tempo-30-Zone: Die Illinger Bahnhofstraße.  Foto: Elsässer
Keine Tempo-30-Zone: Die Illinger Bahnhofstraße. Foto: Elsässer

Illingen (elf) – So richtig überraschend kam die Absage aus dem Landratsamt Enzkreis nicht: Tempo 30 wird es auch künftig nicht in der Illinger Bahnhofstraße geben. Doch die Verkehrsbehörde wird sich weiterhin mit dem Durchgangsverkehr im Ort zu beschäftigen haben, wie die Fraktionssprecher in einer Umfrage unserer Zeitung verlautbaren ließen. Bereits morgen Abend ab 19 Uhr haben die Räte in ihrer nächsten öffentlichen Sitzung im Rathaus die Gelegenheit, Wolfgang Rittmann vom Verkehrsamt Enzkreis mit ihren Fragen zu löchern.
Die Absicht des Gemeinderats war gut gemeint. Mit der Einführung von Tempo 30 in der Bahnhofstraße hätte man einen Großteil des Verkehrs abschrecken können, der sich täglich zwischen der B10/35 und Heilbronn durch Illingen schlängelt. Außerdem, so die Hoffnung, wäre dann die Illinger Ortsdurchfahrt bei einer Tempo-30-Begrenzung auch nicht mehr in den Navigationsgeräten der Lkws aufgetaucht. Doch da es sich bei der Illinger Bahnhofstraße um eine Kreisstraße handelt, war für die Erteilung einer Genehmigung die Verkehrsbehörde im Landratsamt Enzkreis zuständig.
Begründung der ablehnenden Haltung seitens der Verkehrsbehörde: „Aus verkehrlichen Gründen kann diesem Antrag nicht entsprochen werden. Das klassifizierte Straßennetz hat auch in den Ortsdurchfahrten die Funktion, Verkehre zu bündeln und auch zügig abfließen zu lassen. Deshalb beträgt die Regelgeschwindigkeit hierfür 50 km/h. Abweichungen hierfür sind nur in ganz eng begrenzten Ausnahmefällen möglich. Diese Voraussetzungen (Unfallschwerpunkt, keine Gehwege, schwierige Linienführung der Straße, unübersichtliche Fußgängerführung usw.) sind in der Bahnhofstraße nicht gegeben. Auch die tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeiten geben keinen Anlass zu einer anderweitigen Beurteilung. Eine Veränderung der Situation wäre dann gegeben, wenn die Verkehrsbedeutung der Bahnhofstraße und die vorgenannte Bündelungsfunktion durch den Bau von Umfahrungsstrecken deutlich reduziert wären. Dann wären zur Förderung der städtebaulichen Entwicklung Maßnahmen der der Geschwindigkeitsreduzierung denkbar.“
„Die Entscheidung des Landratsamtes ist ein Stück weit nachvollziehbar, wenngleich ich es bedaure, dass die Behörde dem Wunsch des Gemeinderats nicht entspricht“, sagt Bürgermeister Harald Eiberger. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung hätte durchaus dazu getaugt, dass der Durchgangsverkehr „eventuell draußen bleibt“. Da sich die Autofahrer zudem nicht allesamt den Vorschriften der Straßenverkehrsordnung unterwerfen würden, sei er für eine verstärkte Kontrolle durch Verkehrsüberwachungen. „Eine Regel, die nicht überwacht wird, macht keinen Sinn“, so Eiberger, der für eine stationäre Überwachungsanlage in der Illinger Ortsdurchfahrt plädiert. Die damit verbundene erzieherische Wirkung würde sich schnell bei der Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer bemerkbar machen. Eine weitere Möglichkeit, den Verkehr zu bremsen sieht der Schultes in asphaltierten Schwellen, die in anderen Ländern zum Einsatz kommen.
Eric Schach, Fraktionsvorsitzender der CDU, ärgert sich über die Entscheidung des Landratsamts. „Ich kann das nicht für gut heißen, zumal es andernorts auch geht, wie das Beispiel Enzberg zeigt“, schimpft Schach. „Da wird mit zweierlei Maß gemessen.“ In Anbetracht der vielen Schüler auf der Bahnhofstraße wäre es dort „gut gewesen, den Verkehr ein wenig zu drücken“. Von einer stationären Überwachungsanlage in der Bahnhofstraße halte er nichts. Schach: „Dann lieber in der Ensinger Straße.“ Doch dies befürworte das Landratsamt ebenso wenig.
Ingeborg Beller, Fraktionsvorsitzende der Unabhängigen Bürgerliste (UBL), hätte es begrüßt, „wenn man den Verkehr etwas aus dem Dorf rausgehalten hätte“. Tempo 30 von Kreisverkehr zu Kreisverkehr – „das wäre attraktiv und bürgerfreundlich gewesen“, findet Ingeborg Beller. Gegen eine ständige Verkehrsüberwachung hätte sie auch nichts einzuwenden, schließlich würden in der Ortsdurchfahrt täglich genügend „Beinahe-Unfälle“ passieren.
Katharina Steffan, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, hat die Entscheidung des Landratsamts so erwartet: „So lange wir keine Umgehungsstraße haben, bekommen wir keine Geschwindigkeitsbegrenzung in der Ortsdurchfahrt. Jetzt haben wir es wenigstens versucht und wissen, dass das Verkehrsaufkommen nicht reicht.“ Die Idee einer stationären Geschwindigkeitsüberwachung in der Bahnhofstraße sei nicht schlecht, doch schneller als 50 km/h werde dort ohnehin nur in den seltensten Fällen gefahren. Katharina Steffan: „Die für eine stationäre Einrichtung erforderlichen Geschwindigkeiten werden in der Bahnhofstraße kaum erreicht.“
Auch Peter Pförsich, Fraktionsvorsitzender der Grünen, hatte seine Befürchtungen bezüglich der Landratsamts-Entscheidung. „Wir dürfen allerdings nichts unversucht lassen, um den innerörtlichen Verkehr in den Griff zu bekommen“, so Pförsich. Das Problem sei seines Erachtens weniger die gefahrene Geschwindigkeit, als das hohe Verkehrsaufkommen. Umso mehr sei er gespannt auf die Ergebnisse der jüngsten Verkehrszählung. Eine stationäre Überwachung hätte punktuell durchaus ihren Nutzen, doch in Illingen müsse man sich über die gesamte Verkehrsproblematik Gedanken machen.


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