Vaihingen/Roßwag (ub) – „Sie haben nicht nur die Stadt gesäubert, sie haben auch das Gemeinschaftsgefühl gestärkt“, lobte Oberbürgermeister Gerd Maisch am Samstag die Helfer. In Vaihingen gab es den siebten Frühjahrsputz, organisiert von der Agenda-Gruppe „Sauberes Vaihingen“; in Roßwag waren rund 80 Bürger unterwegs, um das Dorf und das Enzufer von Unrat zu befreien.
Samstag, 9.30 Uhr, Parkplatz an der Enzbrücke in Roßwag: Immer mehr Menschen kommen auf den Platz, Schulleiterin Elke Alberts zählt noch einmal ihre Schüler durch. Ortsvorsteher Hans-Dieter Eisinger ist stolz auf seine Bürger: „Unsere Markungsputzete zeugt von Tradition und ist auch eine Erziehung für den Kopf, die Gemeinde sauber zu halten.“
Seit mindestens 15 Jahren schwärmen in Roßwag die Bürger aus, um Müll einzusammeln. Nach einem Hochwasser steht die Putzete jährlich auf dem Programm, in „normalen“ Jahren alle zwei Jahre. In diesem Jahr hätte es eigentlich keine Notwendigkeit gegeben, die Markung zu säubern. Eisinger: „Es gibt kaum Dreck.“ Aber der Ortschaftsrat hat sich entschlossen, am Zwei-Jahres-Rhythmus festzuhalten. Und die Roßwager machen mit, schließlich gibt es nach getaner Arbeit Getränke und Vesper von den Landfrauen.
Zur gleichen Zeit schwärmen auch die Putzkolonnen in der Vaihinger Kernstadt aus. 580 Buttons hat die Agenda-Gruppe um Manfred Auch in der Kelter verteilt. Dazu kommen noch viele Fahrer vom Bauhof und der Landwirtschaft, die die blauen Säcke einsammeln. „Wir haben über 600 Leute auf den Beinen“, freut sich Manfred Auch.
Annette Singer von der evangelisch-methodistischen Kirche in Vaihingen ist mit ihrer Gruppe an der Bushaltestelle wenige Meter von der Friedenskirche entfernt aktiv. Gebückt sammeln sie den Müll ein – vor allem Zigarettenkippen. „Hier an der Bushaltestelle ist es schon ziemlich schlimm.“
An der Auricher Brücke und am Enzufer sind 18 Mitglieder der DLRG zu Gange. Taucher fischen gerade aus der Enz einen Bauzaun und Schilder heraus. „Da hat jemand eine ganze Baustelle entsorgt“, schimpft ein Helfer. Auf dem Gehweg liegen schon ein Auspuff und ein Reifen. Von Richtung Roßwag kommt die andere Gruppe der Lebensretter aus den Ortsverbänden Ludwigsburg, Bönnigheim und Vaihingen: Ein halbes Fahrrad und der dazugehörende Sattel ist die „Beute“ dieser Gruppe.
Lehrerin Stefanie Henkel ist mit der Klasse 5 die Wilhelm-Feil-Schule in der Friedrichstraße in der Innenstadt unterwegs. „Es ist ganz schön viel, was hier herumliegt“, erzählt die Pädagogin. Und die Kinder zeigen die Beweise gerne: eine Bierflasche, Zigarettenpackungen, Kippen, Kaugummis, Papier.
Über die Zigarettenpackungen flucht auch Stadtrat Friedrich Wahl. „So lange man in den Räumen rauchen konnte, wurden hier auch die Schachteln liegen gelassen. Jetzt liegen die Packungen auf der Straße.“ Diesen Trend beobachten ebenfalls Manfred Auch und Thomas Hitschler von der Agenda-Gruppe: „Das Raucherproblem ist da.“
Von Ärger berichtet derweil Mathias Petzl, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins. In der Gutenbergstraße, wo seine Gruppe eingeteilt war, spricht er einen Geschäftsmann an. Ob er denn keine Kehrwoche machen wolle, schließlich sei dies hier nötig. „Der ist dann richtig böse geworden und hat mir Hausverbot erteilt.“
Nach zweieinhalb Stunden Putzeinsatz in der Stadt treffen sich die Helfer auf Schloss Kaltenstein. Hier gibt es Eintopf mit Würstchen. „Das ist vielleicht auch eine Motivation zum Mithelfen“, mutmaßt OB Gerd Maisch, der zwar nicht Müll eingesammelt hat, sich aber trotzdem einen Teller holt. Dafür hat Maisch einen dicken Dank an die Freiwilligen dabei: „Sie haben ihre Stadt sauberer gemacht.“ Lob auch für die Agenda-Gruppe „Sauberes Vaihingen“: „Wir werden den Einsatz wohl wieder benötigen.“ Das Fazit des Stadtoberhaupts: „Es war für alle Beteiligten eine runde Sache.“
Der Bezirksfischereiverein Vaihingen geht dabei mit gutem Beispiel voran. Am Samstag wurde der Enzbereich zwischen Vaihingen und der B 10-Brücke vor Enzweihingen gesäubert, in der nächsten Woche hat die Fischer-Jugend den Strudelbach zwischen Enzweihingen und Riet auf dem Plan. Jupp Hönekop: „Was wir am Samstag im Bruckenwasengebiet gefunden haben, ist schon der Wahnsinn.“ Ein Ölfass, Eimer, Müll in zusammengebunden Tüten – Hönekop schüttelt den Kopf.
Manfred Auch zieht eine erste Bilanz: Es ist weniger Dreck als in den Vorjahren da. „Es hat keinen Schnee gegeben, keinen Sturm, kein Hochwasser. Von Naturgewalten ist die Stadt bis jetzt verschont geblieben, das spiegelt sich auch bei unserer Aktion wider.“ Überflüssig wird der Frühjahrsputz aber so schnell nicht werden. Eigentlich schade.
