Vaihingen (ub) – Die Tendenz ist klar: Das Dreieck zwischen Friedrich-Kraut-Straße, Franckstraße und neue Bahnhofstraße in Vaihingen wird neu geordnet. Das bestehende Stadtbauamt, die Feuerwache und der Bauhof werden abgerissen und durch einen Neubau von Feuerwehr und Bauhof ersetzt. Das technische Rathaus könnte in die Stadtmitte umziehen.
Ob das alles so zu realisieren ist oder ob es andere Alternativen gibt, soll jetzt eine Machbarkeitsstudie klären. Der Technische Ausschuss des Vaihinger Gemeinderats gab am Mittwochabend den Auftrag für die 36000 Euro teure Expertise. Dabei soll die zweieinhalb Monate dauernde Untersuchung der Siegener kplan AG für Projektentwicklung und Gesamtplanung einige grundsätzliche Fragen beantworten: Wie ist der aktuelle Bedarf von Bauhof, Feuerwehr und auch technischer Verwaltung? Wie können Bauhof und Feuerwehr am Standort Friedrich-Kraut-Straße untergebracht werden? Welche Kosten der Neubauten für Bauhof und Feuerwehr ergeben sich an verschiedenen Standorten beziehungsweise an einem Standort und welche synergetischen Wirkungen sind zu erwarten? Welche Kosten sind für einen Neubau beziehungsweise die Sanierung des Bestandsgebäudes für die technische Verwaltung zu erwarten? Wie sind die verschiedenen Lösungsmöglichkeiten zu bewerten hinsichtlich Kosten, Folgekosten und Funktionalität? Nach dem Vorlegen der Machbarkeitsstudie können dann die kommunalpolitischen Gremien die entsprechenden Beschlüsse fassen.
Für die Feuerwehr hat der Gemeinderat bereits 1993 beschlossen, dass Neubauten am bisherigen Standort errichtet werden. Der Bauhof, so die damalige Beschlusslage, sollte auf ein Grundstück bei der ehemaligen Kläranlage Kleinglattbach ausgelagert werden. Doch aus diesen Plänen wurde nichts – aus finanziellen Gründen. „Das Thema brennt uns seit 20 Jahren auf den Nägeln, nun können wir endlich in die Gänge kommen“, so Bürgermeister Wilfried Nestle. Doch dafür seien eben umfassende Untersuchungen nötig, warb Nestle für die Machbarkeitsstudie, deren Sinn im Technischen Ausschuss nicht uneingeschränkt gesehen wurde (zwei Gegenstimmen, drei Enthaltungen).
Das Szenario: Die beschlossene Neuorganisation der Stadtverwaltung sieht ein neues Amt für technische Dienste und Feuerwehrwesen vor (die VKZ berichtete), in dem Bauhof, Wasserwerk, Kfz-Werkstatt, Feuerwehrgerätewartung und Feuerwehrverwaltung zusammen geführt werden. Die Unterbringung eines solchen Amtes an einem Standort hätte zwar Vorteile und könnte zu Einsparungen führen, aber der Verbleib der technischen Verwaltung an der Friedrich-Kraut-Straße wäre ebenfalls problematisch. Das bestehende Stadtbauamt, eine ehemalige Edeka-Zentrale, weist „erhebliche“ sicherheits- und brandschutzrechtliche Mängel auf und erfordert eine umfangreiche Sanierung der Bausubstanz (Dach, Fenster, Wärmedämmung). Stadtplaner Ernst Loos: „Aber auch nach einer Sanierung bleibt das Gebäude hinsichtlich Funktionalität und Übersichtlichkeit katastrophal.“
Würden Bauhof und Feuerwehr zusammengeführt an einen anderen Standort verlagert, wäre das jetzige Areal an der Friedrich-Kraut-Straße „untergenutzt“. Denn eine Verwertung als Baugelände erscheint wegen der Nähe zur Firma Schick – ein sogenannter Betrieb der Störfallverordnung – kaum möglich. Deshalb könnte eine Option der Neubau der Feuerwehr und des Bauhofs auf dem bestehenden Gelände sein – unklar ist aber noch, ob beide Einrichtungen genügend Platz finden. Ein Neubau der technischen Verwaltung könnte in der Innenstadt erfolgen – ein möglicher Standort wäre hier der Adlerplatz neben der Stadtbücherei. Hier wird schon seit Jahren versucht, eine Bebauung zu realisieren.
Bürgermeister Nestle: „Wir müssen diesen Komplex Feuerwehr, Bauhof und technisches Rathaus im Detail untersuchen. Das sind zentrale Bereiche für die Daseinsfürsorge und wir stellen damit Weichen für die Zukunft der Stadt.“ Der Gemeinderat hatte in seiner Klausurtagung im Juni letzten Jahres diesem Thema erste Priorität eingeräumt.
In der Diskussion im Technischen Ausschuss zweifelte Ulrich Grau (FW, Vaihingen) die Notwendigkeit der Machbarkeitsstudie an. „An einem Neubau für die Feuerwehr kommen wir nicht vorbei. Und wenn die Feuerwehr draußen ist, können wir uns überlegen, wie es weitergeht.“ Auch Friedrich Wahl (FDP, Vaihingen) wollte die Planungen eher einem „örtlichen Büro“ übergeben. Gerd Kinzinger (CDU, Enzweihingen) fragte sich, ob man die teure Studie brauche. „Wenn hier keine Wohnbebauung möglich ist, müssen wir sowieso eine Institution am bisherigen Standort belassen.“ Für den Bauhof sei auch das Gelände am alten Enzweihinger Bahnhof eine Option.
Eberhard Zucker (FW, Vaihingen) votierte für ein unabhängiges Büro: „Das können wir nicht aus dem hohlen Bauch heraus entscheiden.“ Sieglinde Kühnle (FW, Kleinglattbach): „Es wird höchste Zeit, dass etwas passiert. Und bei so einem Komplex können die 36000 Euro für die Studie bestimmt wieder eingespart werden.“
Immerhin ist bei dem Gesamtprojekt die Rede von sechs bis zehn Millionen Euro. Und eines geht auf jeden Fall auch nicht: „Alle drei Nutzungen sind oben an der Friedrich-Kraut-Straße nicht möglich“, so Oberbürgermeister Gerd Maisch. Und ob nur Feuerwehr und Bauhof genügend Platz haben, ist ebenfalls offen. „Ich glaube nicht, dass wir die gemeinsam da reinkriegen“, meinte Ulrich A. Berberich (CDU, Roßwag). Die Planer aus Siegen haben jetzt genügend Arbeit.
