Vaihingen (ub) – Die Weinbaugebiete in Baden-Württemberg beherbergen vielfache Chancen, um als Naturerlebnislandschaften entwickelt zu werden. So soll den früher angestammtem Tier- und Pflanzenarten der Weinberge wieder mehr Platz eingeräumt werden.
Dies ist das Ergebnis eines Seminars unter dem Motto „Weinbau und Umwelt“, welches die Umweltakademie Baden-Württemberg gemeinsam mit der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg und der Stadt Vaihingen gestern Nachmittag im Rathaus durchführte. Wie groß das Interesse der Wengerter ist, Kultur und Natur, Weinbau und Umweltvorsorge zusammenzubringen, zeigte die Teilnahme von über 30 Interessierten, allein aus den Bereichen Enztal und Stromberg/Heuchelberg, die von Karin Blessing aus Aurich, stellvertretende Leiterin der Umweltakademie, und Oberbürgermeister Gerd Maisch willkommen geheißen wurden.
Blessing betonte, dass der Weinbau als landschaftsprägendes Element in vielen Teilen des Landes noch manche Chancen und Potenziale zur Schaffung von Lebensräumen gefährdeter Tiere und Pflanzen als auch für Landschaftserlebnisse und Tourismus habe. „Indem wir mehr Biodiversität und damit eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt in unsere heimischen Weinbaugebiete bringen, machen wir die Natur des Weins erlebbar und tragen zu einem positiven Lebens- und Heimatgefühl bei“, so Blessing gestern Nachmittag im Sitzungssaal des Vaihinger Rathauses. Dies alles sei möglich, ohne dass die Bewirtschaftung der Weinberge behindert wird.
„Die Weingärtner arbeiten schon immer im Einklang mit der Natur, da ist es kein Problem, einen Konsens zwischen Weinbau, Natur und Umwelt zu finden“, so der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch. Der Verwaltungschef stellte in seiner Begrüßung die Affinität der Stadt zum Weinbau heraus: Von den 7500 Hektar Markungsfläche werden auf 300 Hektar Wein angebaut, seit über 20 Jahren führt die Stadt den Titel internationale Stadt des Weines und der Rebe, es gibt ein Weinmuseum und einen Weinlehrpfad und am 9. März findet wieder die Weinmesse statt, bei der der Lembergerpreis „Vaihinger Löwe“ verliehen wird.
Zugleich zog man seitens der Umweltakademie Baden-Württemberg beim Seminar „Weinbau – Umwelt und Landschaft“ eine positive Bilanz zu den bisherigen Maßnahmen des umweltschonenden Weinbaus. Die Umweltakademie Baden-Württemberg hatte zusammen mit der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Obst- und Weinbau Weinsberg schon vor 15 Jahren die ersten Kongresse in Sachen Weinbau und Umwelt durchgeführt und damit dazu beigetragen, Erkenntnisse zur biologischen Schädlingsregulierung als auch zum Boden- und Grundwasserschutz breiter zu etablieren.
In einer weiteren Phase gilt das Augenmerk jetzt der Bewahrung bzw. Neuschaffung von Kleinlebensräumen in Weinbaugebieten. Wichtig dabei sei, so die einhellige Meinung der Fachreferenten, die Bedingungen für den natürlichen Einzug der selten gewordenen typischen Weinbergflora und -fauna, wenn auch nur in Randstreifen, erst einmal zu schaffen und damit die Chancen und Möglichkeiten biologischer Vielfalt im Weinberg zu fördern. Gerade bei den Flurbereinigungen ging viel Natur verloren. Heute ist die Erkenntnis gereift – so die Umweltakademie – dass Chancen für mehr Leben im Weinberg ergriffen werden sollen, was wiederum einem stabilen Naturhaushalt helfe. Den Wengertern kommt bei der Bewahrung und dem Erhalt der Biodiversität in der Weinbaulandschaft deshalb eine ganz zentrale Rolle zu. Eindrucksvoll schilderte Prof. Armin Gemmrich von der Fachhochschule Heilbronn, wie die biologische Vielfalt im Weinberg gefördert werden kann und damit Weinbaugebiete zu Naturerlebnislandschaften werden. Dabei seien es vor allem die kleinen aber durchaus effektiven Maßnahmen, die besondere Wirkung zeigen und einfach umgesetzt werden können. So sind zum Beispiel Randbereiche in flurbereinigten Weinbergen sehr gut für die Anlage von Lesesteinhaufen oder für die Anpflanzung von Gehölzen, wie Quitte oder Weinbergpfersich oder Weinrose geeignet. Auch Wildgehölze wie Weißdorn und Holunder können etwa im Bereich von Weinberghäuschen einen Platz finden. „Im Ergebnis heißt dies“, so Gemmrich weiter, „dass Förderung und Gewährung eines intakten Ökosystems dem Wengerter ungeahnte Vorteile bringen.“
Im Weinbau kommen nämlich in vielfältiger Weise Natur und Kultur zusammen. „So gilt es jetzt, diese Potenziale für eine gezielte Inwertsetzung für Naherholung und Tourismus, aber auch zum Erhalt unserer Artenvielfalt zu nutzen und zu einem Landschaftsprodukt für ein gezieltes Landschaftsmarketing umzusetzen“, so die Kernaussage des Vortrags von Walter Kast, Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg, beim Akademieseminar.
Dabei gehe es vor allem auch darum, den Weinbaulandschaften wieder ein Gesicht zu geben.
Mit dieser wie auch zukünftigen Veranstaltungen wird die Umweltakademie Baden-Württemberg zusammen mit ihren Partnern den Dialog in Sachen Wein und Umwelt fortsetzen und damit einen wichtigen Beitrag leisten, den umweltschonenden Weinbau verbunden mit mehr Artenvielfalt in den Weinbergen auf breiter Ebene zu fördern und zu etablieren.
