Vaihingen (ub) – Ein Mädchen musste der Wahlausschuss gestern Abend ablehnen. Sie kommt aus Nussdorf und kann deshalb nicht für den Jugendgemeinderat in Vaihingen kandidieren. Trotzdem: Auf der Wahlliste zum sechsten Jugendgemeinderat stehen 65 Namen – nur im Gründungsjahr 1995 gab es mit 68 mehr Bewerbungen.
„Das ist ein beeindruckendes Ergebnis und eine schöne Bestätigung für die derzeit amtierenden Jugendgemeinderäte“, so der Kommentar von Vaihingens Oberbürgermeister Gerd Maisch.
Die Jugendlichen machten es dabei in diesem Jahr besonders spannend. 25 Bewerbungen müssen vorliegen, damit eine Wahl überhaupt stattfinden kann. Diese Richtlinie stammt aus dem Jahr 2000, als sich nur 23 Jugendliche für „ihren“ Gemeinderat interessierten. Der Start der dreieinhalbwöchigen Bewerbungsfrist am 18. Januar verlief eher mau. Die erste Bewerbung trudelte im Vaihinger Rathaus am 22. Januar ein. Am 11. Februar, drei Tage vor dem offiziellen Ende der Ausschreibung, waren es zehn Mädchen und Jungs, die ihre Bewerbungsbögen ausfüllten. „Das war in diesem Jahr schon extrem, aber das kennen wir schon“, so Hauptamtsleiter Hans Rentschler mit Routine. Denn allein am vergangenen Donnerstag, dem letzten Tag der Bewerbungsfrist, gingen 44 Bewerbungen ein.
Über die Gründe kann nur spekuliert werden. „Das liegt vielleicht an der Mentalität der Jugendlichen, alles auf den letzten Drücker zu machen“, mutmaßt Rentschler. Jedenfalls hat der amtierende 20-köpfige Jugendgemeinderat mächtig Werbung für den Fortbestand des Gremiums gemacht. Rentschler: „Die haben einen großen Anteil daran, dass es in Vaihingen weitergeht.“ Und das ist nicht selbstverständlich: Im Landkreis Ludwigsburg gibt es nur noch drei Jugendgemeinderäte in Vaihingen (das älteste Gremium seit 1995), Markgröningen und Gerlingen.
Dementsprechend wurden die 65 zulässigen Bewerbungen gebührend gefeiert. „Um 17 Uhr kamen am Donnerstag Jugendgemeinderäte mit einer Flasche Sekt zum Feiern aufs Rathaus. Das war schon toll“, freut sich Rentschler, der zusammen mit Miriam Frick den Jugendgemeinderat von der Seite der Stadtverwaltung betreut.
Und woher kommen die Bewerber für die sechste Amtsperiode des Vaihinger Jugendgemeinderats? Aus Gündelbach, Horrheim und Roßwag meldeten sich keine Interessenten für die dreijährige Amtsperiode. Wenigstens eine Bewerbung kam jeweils aus Aurich und Riet. Aus Ensingen und Enzweihingen meldeten sich jeweils vier Jugendliche. Das Gros der Aspiranten kommt aus Kleinglattbach (21) und aus Vaihingen (34). Der Anteil der männlichen Jugendlichen überwiegt mit 58 Prozent gegenüber den Mädchen.
Nachdem der Wahlausschuss gestern Abend die Zulassung der 65 Bewerbungen beschlossen hat, werden die Namen der Kandidaten am Donnerstag im Amtsblatt veröffentlicht. Am 13. März um 17 Uhr stellen sich die Kandidaten den jungen Wählern im Löwensaal der Vaihinger Stadthalle beim „JGR-Kandidaten-Check“ vor. Ende März/Anfang April werden dann die Stimmzettel zusammen mit einer Wahlinformationsbroschüre an die rund 1900 Wahlberechtigten zwischen 13 und 17 Jahren geschickt. Vom 11. bis 24. April haben dann die Vaihinger Jugendlichen die Chance zu entscheiden, wer die 20 Sitze im neuen Jugendgemeinderat besetzen wird. Gewählt wird per Briefwahl. Die Wahlbeteiligung muss bei mindestens zehn Prozent liegen. Die jungen Räte werden auf drei Jahre gewählt. Die erste Sitzung wird das neu gewählte Gremium voraussichtlich am 5. Mai abhalten. Denn die Termine drängen: Die erste Aktion der „Neuen“ wird die Teilnahme am Maientagsumzug sein, gefolgt vom Großprojekt des Vaihinger Jugendwochenendes am 21. und 22. Juni. Der noch bis Ende April amtierende Jugendgemeinderat wird seine Nachfolger dabei mit Rat und Tat unterstützen. Schließlich haben sie sich auch bei der Findung der Bewerber – Rentschler: „Das funktioniert am besten durch die persönliche Ansprache“ – mächtig ins Zeug gelegt.
