Dienstag, 22. Mai 2012

Gauturntag in Enzweihingen


Ehrungsrunde beim Gauturntag 2008. Foto: Bergmann
Ehrungsrunde beim Gauturntag 2008. Foto: Bergmann

Enzweihingen (bg) – Auch eine große Mitgliederzahl schützt nicht vor dem Problem der Stellenbesetzung. Das zeigte sich einmal mehr beim Gauturntag in Enzweihingen.
Die Wahlen sind bei Vereinen und Organisationen heute mehr den je Nagelproben. So manches Amt soll besetzt werden, aber nur selten hört man in den Versammlungen jemanden „hier“ rufen. So auch beim Gauturntag des zweitgrößten Gaus im Schwäbischen Turnerbund (STB). Immerhin 65000 Mitglieder zählt der Turngau Neckar-Enz, verteilt auf 126 Vereine. Am Samstag hatten aber nur 36 Vereine insgesamt 68 Delegierte nach Enzweihingen geschickt. Unter ihnen fand sich aber – fast schon verständlicherweise – keiner, der auf die Schnelle mal auf ein vakantes Amt Lust bekommen hätte.
Die Wahlen von sechs Präsidiums- und zehn Gauausschussposten standen an. Für acht dieser 16 Aufgaben fand sich niemand. Eins ums andere Mal versuchte der Turngau-Präsident Gunter Bretschneider (Vaihingen) Interesse zu wecken am Ehrenamt. Vergebens. Mit gutem Beispiel war das nun schon in 18 Jahren Arbeit bewährte Zugpferd des Turngaus vorangegangen. Er stellte sich erneut für zwei Jahre zur Verfügung und wurde einstimmig wiedergewählt. Unbesetzt blieb dagegen das Amt des Vizepräsidenten für den Bereich Geschäftsführung. Eine Aufgabe, die Bretschneider nun halt selber irgendwie mitnimmt. Ist doch die Geschäftsstelle des Turngaus nach dem Umzug nach Enzweihingen ohnehin ganz in seiner Nähe. Eine weitere Lücke klafft beim Amt des Schriftführers. Dieter Oesterle kandidierte nicht mehr. Nachfolger? Fehlanzeige. Auch das Amt der Frauenvertreterin im Präsidium blieb verwaist. Im Gauausschuss blieben fünf Posten unbesetzt.
Im Gespräch vorab hatte Gunter Bretschneider den Personalsorgen ein bisschen die Schärfe genommen. Durch den Rücktritt von Frauenvertreterin Adelheid Krüger seien gleich drei Posten vakant geworden. Denn Präsidiumsmitglied Krüger hatte auch gleich noch zwei Ämter im Gauausschuss inne. Und dass der Gauausschuss-Posten des Wettkampfsport-Turnwarts im Bereich Gymnastik unbesetzt blieb, kann der Turngau verkraften. Bretschneider lobte da Karin Geske vom TV Sersheim. Die begleite das Amt gleichsam von ihrem Verein aus, wolle aber nicht offiziell beim Turngau einsteigen. Außerdem, so betonte Bretschneider, sei die andere Hälfte der Ämter, die diesmal nicht zur Wahl standen, samt und sonders besetzt.
Der Präsident räumte aber ein, dass es im Erwachsenenbereich schwierig sei, Engagierte für die Verwaltungsarbeit zu finden. Anders ist es im sportlichen Bereich. „In den Turnhallen herrscht Leben – das Ehrenamt ist mit die Grundlage dieses Erfolges“, lobte Bretschneider in seiner Eröffnungsrede. Und die Jugend macht dem Turnchef auch Hoffnung. Beim Jugendturntag in Hemmingen waren sämtliche Ämter besetzt worden – und zwar samt und sonders mit jungen Leuten.
Einstimmig wiedergewählt wurden im Präsidium der Vizepräsident Finanzen Dieter Benke, die Vizepräsidentin Wettkampfsport Sabine Leibfritz und im Gauausschuss der Freizeit-Turnwart für Ältere Walter Rieger, die Freizeit-Turnwartin fürs Wandern Elli Binkele, der Beisitzer Vereinsvorsitzende Fritz Kurfiß und die beiden Kassenprüfer Ewald Link sowie Erwin Schock.
Diese hatten vor den Wahlen das Ergebnis ihrer Kassenprüfung bekannt gegeben. Sie bescheinigten dem „Finanzminister“ des Turngaus, Dieter Benke, eine korrekte Kassenführung und beantragten daher die Entlastung, die auch einstimmig erteilt wurde. In Einnahmen und Ausgaben hatte der Turngau 2007 rund 55000 Euro verbucht. Benke hatte in seinem schriftlichen Finanzbericht darauf hingewiesen, dass der Abschluss 2007 nicht ganz repräsentativ sei. Durch das Jubiläumsjahr 2006, als der Gau das 50-Jährige feierte, sei es bei den Meldegeldern zu gewissen Verschiebungen gekommen. „Unter Berücksichtigung dessen können wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden sein, zumal 2007 überdurchschnittliche Kosten für die Ausstattung der Geschäftsstelle angefallen sind.“ Zum finanziellen Gelingen tragen laut Benke in erheblichem Maß Zuschüsse vom STB, vom Württembergischen Landessportbund und vom Sportkreis bei. Einen Pluspunkt für die Vereine hob Benke hervor. Seit dem Jahr 2000 sind die Gauumlage und die Meldegebühren nicht mehr erhöht worden. Das wird auch 2008 so bleiben. Für dieses Jahr hat Benke einen Haushalt mit Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 65000 Euro geplant. Der Zuwachs gegenüber 2007 ergibt sich dadurch, dass zusätzliche Veranstaltungen wie das Landesturnfest und ein weiteres Kinderturnfest anstehen.
Eine Satzungsänderung gab es. „Jeder Stimmberechtigte hat nur eine Stimme, auch wenn er mehrere Funktionen auf sich vereinigt. Stimmübertragung ist unzulässig.“ Bislang war das anders. Bester Beleg: Der aktuelle Gauturntag. 68 Delegierte waren da. Und an sie waren satte 169 Stimmkarten ausgegeben worden. Da bedurfte es schon gewisser Fingerfertigkeit diese Karten dann gleichzeitig auch sichtbar hochzuheben. Zum Glück gab es keinerlei Kampfabstimmungen. Volkmar Framenau, ehemaliger Vorsitzender des STB, hatte diese Änderung mit ausgearbeitet. „Das Präsidium legt Wert darauf, dass die Vereine auch vertreten sind“, betonte er. Alle Stimmen, die für einen Verein möglich sind, einfach in wenige Hände zu geben, geht künftig nicht mehr.

Ehrungen

Enzweihingen (bg) – Vier Auszeichungen verliehen Präsident Gunter Bretschneider und Vizepräsidentin Bärbel Vorrink beim Gauturntag.
Die Ehrennadel des Deutschen Turnerbundes in Bronze erhielten Elli Binkele vom TV Großsachsenheim und Joachim Schwarz von der Spvgg Besigheim. Binkele ist seit über 20 Jahren Übungsleiterin in ihrem Verein und seit 1993 Abteilungsleiterin Kinder und Jugend beim TVG. Sie war fünf Jahre lang Referentin des Wettkampfwesens im Turngau und ist seit 2006 Wanderwartin des Gaus. Joachim Schwarz ist seit 1965 bei verschiedenen Vereinen ehrenamtlich aktiv. Er hat sich um Prellball verdient gemacht und ist seit 20 Jahren Grauprellwart im Turngau.
Zum Ehrenmitglied des Turngaus wurde Dieter Oesterle ernannt. Oesterles Name ist fest mit dem Faustball verbunden. Seit 1974 ist er in verschiedenen Funktionen im Verein, im Verband und international für den Faustballsport ehrenamtlich engagiert. Unter anderem war er internationaler Schiedsrichter. Von 2002 bis zum aktuellen Gauturntag war er zudem als Gauschriftwart. Die Ehrenplakette des Schwäbischen Turnerbundes wurde an Hartmut Beller verliehen. Beller ist seit 19 Jahren Sportkreisvorsitzender und scheidet im März aus dem Amt. Mit 450 Vereinen ist der Sportkreis der größte im Württembergischen Landessportbund. Turngau-Präsident Gunter Bretschneider nutzte die Gelegenheit, um Beller für sein großes Engagement und die vertrauensvolle Zusammenarbeit zu danken.


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