- Einweihung des Kursana Domizils. Foto: Arning
Vaihingen (aa) - „Das hab’ ich noch nie erlebt!“ Dem Vorstandsvorsitzenden der Dussmann AG, Thomas Greiner, fehlten fast die Worte zu dem, was er gestern bei der Einweihung des Kursana Domizils St. Kilian in Vaihingen zu hören bekam. Noch nie war ein Haus seiner Gruppe durch einen Gospelchor eröffnet worden. Er sah die schwungvollen Einlagen des Lords Amazing Choir Vaihingen geradezu als Symbol für das Haus.
In 15-monatiger Bauzeit entstand an der Ecke Stuttgarter Straße/Salzäckerstraße das Kursana-Domizil. „Es hat zwar alles eine wenig länger gedauert als geplant“, meinte Direktorin Silvia Wöhrle, doch Oberbürgermeister Gerd Maisch stufte die 15 Monate als „höchst respektabel“ ein. Hier seien Profis am Bauen gewesen. Und jetzt seien Profis im Betreuen gefragt.
„Hier ist ein gelungener Stadtauftakt entstanden“, lobte Maisch, „Gebäude und Anlagen fügen sich hervorragend ein. Jetzt wird erst deutlich, was hier seither auf der freien Fläche gefehlt hat.“ Der Bebauungsplan sei ganz speziell auf die Bedürfnisse der neuen Anlage zugeschnitten worden. Und dass nun in Vaihingen eine Konkurrenzsituation entstanden sei, „ist für die Pflegebedürftigen sicher kein Nachteil, eher ein Vorteil“. Es sei für den Mittelbereich Vaihingen durchaus vernünftig gewesen, das Haus zu bauen, fand der OB, der sich auch Gedanken über die Namensgebung gemacht hatte und den St. Kilian im 7. Jahrhundert in Würzburg ausgemacht hatte. Er sei der Schutzpatron gegen Augenleiden, Gicht und Rheumatismus.
„Die Generation der Hochbetagten über 80 Jahre wird sich in den nächsten 20 Jahren verdoppeln“, stellte Ferdinand Lautenbacher, Sozialdezernent des Landkreises, heraus, der auf ein gutes Netzwerk von kleinen Häusern im Landkreis verwies (Stichwort Kleeblatt). In Vaihingen sei durch das neue Kursana Domizil Vorsorge getroffen und das Netz durch einen neuen Anbieter noch enger geknüpft worden. Jetzt gebe es zwar in Vaihingen kurzfristig einen Überhang an Pflegeplätzen (das Karl-Gerok-Stift hat 131, im Kursana-Domizil kommen 100 dazu, der Kreisaltenplan für 2010 sieht 181 vor), doch insgesamt spreche das für die Weitsicht der Profis. Lautenbacher: „Wir sind sehr gespannt auf die Impulse aus dem neuen Haus.“
„Wir wünschen uns viel Leben im neuen Haus“, war die Bitte der strahlenden Direktorin Silvia Wöhrle. „Und wir werden Sorge tragen, dass ein guter Geist herrscht“, versprach sie. Die Freude wurde unter anderem durch den Lords Amazing Choir unter der Leitung von Markus Zierle hörbar übertragen. „Singen Sie lieber ein Lied mehr“, war die Aufforderung des begeisterten Dussmann-Vorstandsvorsitzenden Greiner. „Behalten Sie die Musik im Ohr, dann wird das Haus ein toller Erfolg“, schwärmte er. Und Silvia Wöhrle bot den Sängerinnen und Sängern spontan an: „Wenn Sie mal ein Probelokal suchen – bei uns sind Sie immer willkommen.“
Es sei wichtig, die Arbeit unter dem Segen Gottes zu tun, stellte Pastor Johannes Browa (evangelisch-methodistische Kirchengemeinde) heraus. Er nahm zusammen mit Pfarrer Thomas Moser (evangelische Kirchengemeinde) und Pastoralreferent Christoph Knecht (katholische Kirchengemeinde) die Segnung des Hauses vor. Man müsse den Menschen das Gefühl vermitteln, dass sie viel wert sind. „Gehen Sie würdevoll um mit den Bewohnern“, bat Browa, „ich wohne in der Nachbarschaft und werde es beobachten.“
Einen Schlüssel gab’s gestern natürlich auch. Bernd Werner, der geschäftsführende Gesellschafter der Konzeptbau Zapf GmbH aus Bayreuth, übergab ihn in etwas größerer Form an die Hausdirektorin: „Es hat uns Freude gemacht, in Vaihingen arbeiten zu dürfen.“ Darauf setzte der Gospelchor dann einfach noch das berühmte „Oh happy day“. Und alles klatschte mit. Ob auch die Bevölkerung mitklatschen wird, kann sich am 24. Februar bei einem „Tag der offenen Tür“ (10 bis 17 Uhr) zeigen.
100 Plätze in allen Pflegeformen
Vaihingen (sr) – Mit 100 Plätzen und allen Pflegeformen geht das neu eröffnete Kursana Domizil in Vaihingen jetzt an den Start. Die ersten Bewohner ziehen in der nächsten Woche ein. 86 Einzelzimmer und sieben Doppelzimmer warten in dem barrierefreien, dreigeschossigen Gebäude auf die Senioren.
„Wenn das Haus hoffentlich in einem Jahr gefüllt ist“, sinniert Thomas Greiner, Vorstandsvorsitzender der Dussmann-Gruppe, „dann haben wir 75 Arbeitsplätze geschaffen.“ Kursana ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Dussmann-Gruppe. Kursana betreibt private Pflegeeinrichtungen und Residenzen für Senioren sowie Häuser zur Betreuung von Behinderten.
81 Kursana-Einrichtungen gibt es zurzeit in Deutschland, neun davon in Baden-Württemberg. Vorstandschef Greiner: „Das Haus in Vaihingen ist individuell anders als in anderen Regionen Deutschlands.“ Das Essen, die Programmgestaltung und andere Punkte würden „lokal angepasst“. „Wir wollen ein offenes Haus sein“, so Greiner und Direktorin Silvia Wöhrle unisono. Einen hohen Stellenwert habe die Öffnung nach außen, so die Hauschefin, und, „dass Leben ins Haus kommt“. Insofern strecke das Kursana-Team schon geraume Zeit die Fühler aus, um beispielsweise ehrenamtliche Mitarbeiter zu gewinnen. Ein weiterer wichtiger Aspekt sei, dass „wir sehr viel Möglichkeiten haben, Kurzzeitpflege anzubieten“, so Direktorin Wöhrle. Pflegedienstleiterin Diana Ayari:„Wir können Pflege für jedes Krankheitsbild anbieten.“ Im Erdgeschoss befindet sich beispielsweise der Demenzbereich, der 26 Bewohnern Platz bietet.
Haustiere sind grundsätzlich erlaubt, falls sie attestiert gesund sind, eine gewisse Größe nicht überschreiten – „Ein Rottweiler ist eventuell nicht so gut“, so Wöhrle – und sich die Bewohner selbst um ihre Tiere kümmern können. „Notfallpfleger“ für die gefiederten und befellten Freunden müssen allerdings bekannt sein.
Das Haus in der Stuttgarter Straße verfügt über eine hauseigene Küche und Wäscherei. Neben den je 23 bzw. 31 Quadratmeter großen Einzel- bzw. Doppelzimmern befindet sich unter anderem auf jeder Etage ein Speisesaal. Zusätzlich gibt es einen Andachtsraum, Friseur und Fußpfleger im Haus. Alle Zimmer sind mit einem Duschbad, Schwesternnotruf sowie Telefon- und Kabelanschluss ausgestattet.
Im November 2006 wurde die Grundsteinlegung gefeiert, mittlerweile beläuft sich das Gesamt-Investitionsvolumen des Vaihinger Kursana Domizils auf acht Millionen Euro. Die voraussichtlichen Preise betragen beispielsweise für ein Einzelzimmer ohne Pflegestufe 2280 Euro im Monat.