Enzweihingen (aa) – Zwei statt drei Spuren. Diese Planvariante aus dem Regierungspräsidium (RP) für eine Umgehungsstraße von Enzweihingen war im Januar der Aufreger. In dieser Woche fand ein erstes Planungsgespräch auf der Grundlage der neuen Lage statt. Oberbürgermeister Gerd Maisch und Tiefbauamtsleiter Hartmut Helber waren zu Gast bei den Experten aus der Abteilung Straßenwesen und Verkehr des RP.
„Wir haben den Eindruck gewonnen, dass das RP die B-10-Planungen mit hoher Priorität verfolgt“, sagt Oberbürgermeister Gerd Maisch. Aber eben auf der Basis von zwei Fahrspuren. „Die im Gemeinderat geäußerten Bedenken haben wir schon gleich nach der Januar-Sitzung an die richtige Adresse gebracht“, macht Maisch deutlich, „am Dienstag wurden in einem Planungsgespräch Details abgestimmt.“
Laut Maisch will das Regierungspräsidium den Vorentwurf bis im Sommer (2008!) fertig haben, „damit der Bund seinen Haken dran machen kann“ (zuständig ist das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung). Vorbehaltlich der Zustimmung könnte dann das Planfeststellungsverfahren im ersten Halbjahr 2009 eingeleitet werden. Gerd Maisch: „Das ist die klare Zielsetzung der Behörde.“
Der Grund für das Abrücken von einer dreistreifigen Umgehung (Wunsch des Vaihinger Gemeinderates) war beim Regierungspräsidium nach der Auswertung und Beurteilung der Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange mit einer „erheblichen Veschlechterung des Erhaltungszustandes des FFH-Gebietes“ durch die Brücke über die Enz begründet worden. Eine nur zweispurige Brücke würde nach Einschätzung des RP dagegen unter einer „Erheblichkeitsschwelle“ liegen. Zusätzliche Prüfungen (mit Planungsverzögerungen) seien bei dieser Variante entbehrlich.
Erhebliche Eingriffe wolle das RP nur zulassen, „wenn es keine Variante gibt, die weniger eingreift“, übersetzt OB Maisch die Position in Stuttgart. Und im Falle einer B-10-Umgehung habe man halt die Zwei-Spuren-Variante mit weniger Eingriffen. Bei drei Spuren sei immer auch wieder die Frage aufgetaucht, wie denn der Verkehr fließen werde, morgens auf zwei Spuren nach Stuttgart, abends auf zwei Spuren in Richtung Vaihingen? Eine solche Spielart hatte das RP bei seinen Entwürfen allerdings nie geplant. Die zwei Spuren wären aus Sicherheitsgründen (Aufstaugefahr an der Enzweihinger Steige) immer für den Verkehr in Richtung Vaihingen vorgesehen gewesen. Doch dieses „Problem“ scheint es jetzt ja nicht mehr zu geben.
Natürlich spielen bei der Entscheidung des Regierungspräsidiums auch Kosten eine Rolle. Bei einer nur zweistreifigen Straßenplanung rechnet man mit einer rund 15-prozentigen Kostenreduzierung (für eine dreistreifige Umfahrung waren 26 Millionen Euro als Kosten genannt). Die Einschränkungen hinsichtlich der Verkehrsqualität werden als „geringfügig“ eingestuft. Die RP-Experten sind bekanntlich der Auffassung, „dass die Leistungsfähigkeit einer zweistreifigen Straße nur um zehn Prozent niedriger liegt als die einer dreistreifigen“. Ausschlaggebend seien insbesondere die Knotenpunkte und nicht die freie Strecke, ist die Ansicht. Man plane die Knoten deshalb entsprechend leistungsfähig.
Das wurde dem Vaihinger Duo am Dienstag im Regierungspräsidium offensichtlich nachhaltig deutlich gemacht. „Wie der Verkehr läuft, wird im wesentlichen an den Anschlusspunkten entschieden“, erklärt OB Maisch ganz auf der Linie des RP. Untersucht werden jetzt nach seinen Angaben vor allem nochmals die Knotenpunkte an der Abzweigung nach Oberriexingen (Enzweihinger Steige) und am Vaihinger Eck.
Und die Tunnellösung? „Alle Tunnelbauten werden derzeit mit großen Zurückhaltung gesehen“, sagt Gerd Maisch. Sie würden wirklich nur dort in Erwägung gezogen, „wo es absolut keine Alternative gibt“. Ein zweispuriger Tunnel sei auf eine Frequenz von 25000 Fahrzeugen beschränkt, auf einer zweispurigen Umgehungsstraße könne man nach Ansicht der Planer gut 30000 Fahrzeuge bewältigen. Ob die Straße auf einem Damm geführt wird oder auf Stelzen, hängt letztlich von der Geologie ab.
Der Oberbürgermeister hat in Stuttgart gespürt, „dass alle Beteiligten daran interessiert sind, die Planung schnell voranzutreiben“. Ziel müsse sein, die Planung möglichst fertig zu haben, wenn es um die Bundesverkehrswegeplanung 2010 bis 2015 gehe. Ob der Wechsel des Planungsbüros da hilfreich ist? Nach VKZ-Informationen ist jetzt ein Büro aus Öhringen zuständig.
Ganz sicher nichts mit der Umgehungsplanung haben aber die Rodungsarbeiten am ehemaligen Wohnhaus der Industriellen-Familie Blum in der Enzweihinger „Brait“ zu tun. So schnell geht’s dann doch nicht…
