Roßwag (elf) – „Freuen Sie sich und denken Sie positiv“, gab Elisabeth Jeggle (CDU) den Weingärtnern des Weinbaubezirks Stromberg und Enztal bei ihrer Versammlung am Freitagabend in der Roßwager Sport- und Kulturhalle mit auf den Weg. Die Abgeordnete im Europäischen Parlament wirkte maßgeblich an der Reform des EU-Weinmarkts mit, die ihrer Meinung nach in die richtige Richtung geht.
Es war kurz vor Weihnachten 2007, als die Agrarminister eine Einigung über die Reform der EU-Weinmarktordnung erzielten. Die Ordnung habe ein Volumen von 1,3 Milliarden Euro, berichtete Jeggle. Zum Vergleich: Das Volumen bei der Milch betrage 700 Millionen Euro. Genau dieser Betrag sei bislang für Subventionen im Bereich der Destillation von Wein in den südeuropäischen Tafelweinregionen geflossen. „Es ist niemandem zu vermitteln, dass wir so viel Geld für die Destillation von Wein ausgeben, wie wir insgesamt für die Milch zur Verfügung haben“, sagte die Europaabgeordnete und wertete es als Knackpunkt, dass bei der Reform die Destillation von Trinkalkohol mit einer gewissen Auslaufzeit in die nationalen Finanzbudgets übergeführt wurde. „Damit erhalten die Mitgliedsstaaten die Möglichkeit, in Zukunft eigenverantwortlich für die Vermarktung ihrer Weine zu sorgen“, so die Agrarpolitikerin. In diesem Zusammenhang sei es auch als Erfolg zu werten, dass die 1,3 Milliarden Euro nicht angetastet wurden.
Auch andere erzielte Ergebnisse wertete Jeggle positiv, wie die Tatsache, dass das deutsche Qualitäts- und Bezeichnungssystem in der Etikettierung bestehen bleiben kann. „Alles an andere hätte den regionalen Spezialitäten nicht geholfen“, meinte die EU-Parlamentarierin. Sie lobte die Flächenreduzierung bei der Regelung zur Rodung ebenso wie die Verlängerung des Pflanzrechtesystems von 2010 auf Ende 2015. Aber: „Die Liberalisierung der Pflanzrechte wird noch ein schwieriges Thema“, so Jeggle. Denn sie würden zu Lasten der traditionellen Weinkulturlandschaften gehen.
Die größten Schwierigkeiten hätte in Brüssel das Thema Saccharose-Anreicherung bereitet. Die Anreicherung zu verbieten, hätte die südeuropäischen Länder gefreut. Es sei folglich zwei Jahre lang darum gegangen, die Anreicherung im Norden Europas beizubehalten sowie die Destillation im Süden zurückzufahren. „Eine oberschwäbische Hauswirtschafterin kann ganz schön stur sein“, sagte Jeggle und zeigte sich froh darüber, dass die Saccharose-Anreicherung lediglich auf drei Prozentpunkte gesenkt wurde. „Sie werden verantwortlich damit umgehen und Weine produzieren, die den Menschen weiterhin schmecken“, sagte Jeggle.
In diesem Zusammenhang bedauerte sie es, dass sie beispielsweise in Irland lediglich Liebfrauenmilch in den Regalen zu kaufen fand. „Wir müssen uns am Weltmarkt positionieren – da gibt es ein Feld, das beackert werden kann“, redete Elisabeth Jeggle den Weingärtnern ins Gewissen. „Wenn Sie Weingärtner sind, müssen Sie zu Ihrem Produkt stehen.“ Es könne nicht sein, das in einer Veranstaltung von Weingärtnern Bier ausgeschenkt wird.
Die Europa-Abgeordnete berichtete außerdem von ihrer schwierigen Arbeit in Brüssel. Von den 27 Mitgliedsstaaten kämpfe jeder für seine Kultur, seine Nation und seine Bürger. Dabei gelte es, jeden zu respektieren und die Meinungen der anderen zu akzeptieren. In diesem Wirrwarr sei es ihre Aufgabe gewesen, nach Mehrheiten zu schauen –„zur Not auch in Englisch“. Kompromisse seien hier – wie zuhause in der Familie – an der Tagesordnung. Jeggle: Man kann nicht alles haben.“
Hermann Hohl, Präsident des Weinbauverbands Württemberg, begrüßte ebenfalls die Ergebnisse, die bei der Weinmarktreform durchgesetzt wurden und sprach von „Schadensbegrenzung für die deutschen Weinbaubetriebe“. Nun gelte es allerdings, „bei der jetzt anstehenden Abfassung der Rechtstexte höchste Aufmerksamkeit darauf zu richten, dass der Ministerratsbeschluss vom 19. Dezember 2007 auch korrekt umgesetzt wird“.
Vize-Landrat Dr. Utz Remlinger zeigte sich sehr besorgt in Sachen Steillagen und Trockenmauerbau. „Wir tun alles, um hier zu helfen“, versprach er. Ohne den Weinbau wäre das Leben in den Gemeinden und Städten viel ärmer. Deshalb gelte es, den Erhalt zukunftsfähiger Weinbaubetriebe zu erreichen.
Oberbürgermeister Gerd Maisch bezeichnete die Weinbauern als „Bewirtschafter und Bewahrer einer hervorragenden Kulturlandschaft“. Die Steillagen zu bewirtschaften erfordere viel Handarbeit und sei ein Knochenjob. Die Stadt Vaihingen sei daran interessiert, den Wein nach außen zu präsentieren, wie jüngst das Beispiel CMT bewiesen habe. Auch bei der bevorstehenden Tour de Ländle, die am 26. Juli Station in Vaihingen macht, suche die Stadt die Zusammenarbeit mit den Weinerzeugern. Er sei sich sicher, dass die hiesigen Weine im Wettbewerb bestehen können.
