Pforzheim (os) – Wer meint, handelsübliche Werkzeugmaschinen können nicht neu erfunden werden, unterliegt einem Irrglauben. Pforzheimer Studenten für Industrie-Design liefern den Gegenbeweis. Etwa mit einer Stichsäge auf Rädern mit Antrieb, die sogar exakte Radien sägen soll.
„Die Axt im Haus ersetzt den Zimmermann“, dieses geflügelte Wort hat Professor Jürgen Goos seinen Studenten im zweiten Semester vorgegeben. Sie sollten Maschinen aus dem Heimwerker-Alltag unter dem Gesichtspunkt neu entwickeln, dass einerseits Verletzungsgefahren minimiert und möglichst auch noch der Umgang mit diesen Alleskönnern verbessert wird.
Was dabei herausgekommen ist, kann am Freitag und Samstag bei der traditionellen Werkschau der Hochschule für Gestaltung betrachtet werden. Anlass zu Diskussionen mit den Studenten dürften deren „Neuerfindungen“ allemal geben. Etwa mit Michael Finzenhagen, der auf die Idee der Säge mit den Antriebsrädern kam: „Weil die Maschine auf Rädern geführt wird, wird einerseits die Oberfläche des zu bearbeitenden Materials geschont“, beschreibt der Design-Student seine Arbeit, zudem könne für zu sägende Rundungen über ein Display der Radius eingegeben werden, wonach die Maschine durch unterschiedliche Geschwindigkeiten der Antriebsräder links und rechts exakt diesen Vorgaben folge. Annemarie Görz hat sich gleichfalls eine Stichsäge vorgenommen. Sie unterscheidet sich optisch wenig von den bekannten Geräten aus dem Baumarkt. Der Clou freilich ist, dass der Bediener exakt sieht, wo er sägt, weil eine Kamera den Sägevorgang auf einen kleinen Monitor überträgt. Zudem werden die Sägespäne in einen Auffangbehälter gesaugt.
Als interdisziplinäre Kooperation gilt das von Stefan Behnke entwickelte Sitzmöbel „Zackbumm“. Hier treffen die Studiengänge visuelle Kommunikation und Industrie-Design aufeinander. Behnkes Hocker ist ein Selbstbausatz, der aus Expressbeton gegossen wird. Eine exakte Bauanleitung und die Verpackung entspringen dabei der Lehre von der visuellen Kommunikation. Die Füße des extravaganten Einrichtungsstücks bestehen übrigens aus PET-Flaschen, die in die Betonplatte eingeschraubt werden.
Interpretationen von Bekleidungs-Klassikern waren unter anderem eine der gestellten Aufgaben für die angehenden Modedesigner. Julia Kurz aus dem siebten Semester hat sich dem „kleinen Schwarzen“ angenommen. Und trotzdem kommt ihre Kollektion bunt daher. Das liegt an den von ihr verwendeten Applikationen wie Drucken und die Einbindung nicht textiler Materialien, wobei sie sich hierbei für Federn entschieden hat. So entstand eine Modelinie von hoher Aussagekraft, die von schon großem Geschick der angehenden Diplomandin zeugt.
Pfiffig auch die Ideen der Schmuck-Studenten. Mirjam Hiller hat eine Vielzahl kleiner Skulpturen geschaffen, die teils als Brosche, Anhänger oder auch Ring am Finger getragen werden können. Dabei kam es der Absolventin weniger auf kostbare Rohstoffe an, vielmehr verwendete sie alternative Materialien wie Kunststoff und ähnliches. Und sie lässt Farben in ihrer ganzen Vielfalt spielen.
Die Werkschau der Fakultät Gestaltung an der Pforzheimer Hochschule hat für die interessierte Öffentlichkeit ihre Pforten am Freitag und Samstag dieser Woche jeweils vom 10 bis 18 Uhr im Hochschul-Gebäude an der Holzgartenstraße 36. Zeitgleich hat auch der Studiengang Transportation Design seine Proten geöffnet. Die Kraftfahrzeug-Designer befinden sich an der Eutinger Straße 111 (Bundesstraße 10).
