Dienstag, 22. Mai 2012

Neuer Schlossherr in Mühlhausen


Sanierungsbedürftig: Das Mühlhäuser Schloss. Foto: Elsässer
Sanierungsbedürftig: Das Mühlhäuser Schloss. Foto: Elsässer

Mühlhausen (elf) – Es wird doch wohl kein Narr oder Jeck gewesen sein? Jedenfalls hat das Renaissance-Schloss in Mühlhausen nach Informationen unserer Zeitung seit Faschingsdienstag einen neuen Besitzer. Und das ist kein Scherz. Zwei Stunden vor der Zwangsversteigerung der Immobilie gestern im Amtsgericht Pforzheim bewilligte die Gläubigerbank die Einstellung des Verfahrens mit der Andeutung, dass ein Käufer gefunden ist.
Amtsgericht Pforzheim, Saal 242, 13 Uhr: Auf dem Aushang, der die Zwangsversteigerung des knapp 450 Jahre alten Gebäudes in Mühlhausen ankündigt, steht in großen Lettern und farbig untermalt das Wort „aufgehoben“. Die Ratlosigkeit bei den Anwesenden ist groß. Mühlhäuser Bürger, Vertreter der Stadtverwaltung Mühlacker, Banker – alle sind sie gekommen, um in Erfahrung zu bringen, wer denn nun neuer Schlossherr im Weinort wird. Doch der war einen Tick schneller und erzielte offenbar noch am gleichen Vormittag mit der Gläubigerbank eine Einigung. Das Verfahren konnte eingestellt werden.
Doch wer ist der Käufer, der sich noch bedeckt hält und sich nach Auskunft von Bürgermeister Winfried Abicht nicht einmal bei der Stadtverwaltung Mühlacker nach dem Schloss und die Möglichkeiten der Nutzung erkundigt hatte? Mehrmalige Anrufe bei der Dresdner Bank AG in Mannheim brachten keine Ergebnisse. Ab 12.30 Uhr wurde dort nicht nur der Schlossverkauf, sondern auch Karneval gefeiert. Einzig die Zentrale war besetzt, die die Anrufe ins Leere weiterleitete. Ungewissheit auch beim beauftragten Immobilienmakler „Fidelitas-Immobilien“ mit Sitz in Karlsruhe, der das historische Gebäude im Internet zum Preis von 1,25 Millionen Euro anbot. Selbst wenn dort der Namen des neuen Käufers bekannt wäre, so die Auskunft, würde er nicht nach außen dringen.
Schulterzucken auch bei der Senderstädter Stadtverwaltung. „Wir haben gehofft, dass wir zumindest mitbekommen, wer sich für das Schloss interessiert“, sagt Bürgermeister Abicht. Bis Redaktionsschluss war auch dort nicht bekannt, wer im Mühlhäuser Schloss künftig das Zepter führt. Schlimm wäre es, so Abicht, wenn es sich beim neuen Besitzer „um einen weiteren Spekulanten“ handeln würde. Vielmehr hofft die Verwaltungsspitze auf einen Investor, der das Schloss selbst zu Wohnzwecken nutzen will und die nötige Finanzkraft mitbringt, um den Baubestand zu sichern und zu sanieren. „Die Mühlhäuser fordern dort keine öffentliche Anlage, sondern wünschen sich, dass sich das Schloss alle paar Jahre für sie öffnet, vielleicht auch wieder für ein Fest wie früher“, so Abicht. Aufgrund der Einzigartigkeit des Bauwerks müsse die weitere Nutzung den Erfordernissen des Denkmalschutzes gerecht werden.
Doch egal, wie die künftige Nutzung des Renaissance-Schlosses auch aussehen wird – eine billige Angelegenheit wird es nicht für den neuen Eigentümer. „Laut Gutachten ist die Immobilie alles andere als in einem perfekten Zustand“, sagt Winfried Abicht. Geschätzte sechs bis acht Millionen Euro würde die komplette Sanierung kosten. Kein Wunder, schließlich steht das Objekt nun insgesamt schon seit zehn Jahren leer.
Letzter Besitzer war Günther Friese aus Weinstadt. Er hat das Objekt nach Informationen unserer Zeitung seinerzeit gekauft, um es wieder weiter zu veräußern. „Der hat wohl gehofft, schnell einen Käufer zu finden und hat nicht viel reingesteckt“, sagt der erste Beigeordnete der Stadt Mühlacker. Entsprechend schlecht gepflegt würden sich heute Schloss samt Parkanlage präsentieren. Da die Heizungsanlage schon lange Zeit kaputt ist, wurden die Räumlichkeiten auch nicht beheizt. „Die Folgen haben sich in den letzten Jahren dramatisch verstärkt“, sagt Abicht. Vor Friese, der gestern ebenfalls telefonisch nicht zu erreichen war, nutzte das Evangelische Jugendwerk das Schloss viele Jahre als Fort- und Weiterbildungszentrum mit Internat.
Das Schloss in Mühlhausen ist im Jahr 1566 erbaut worden und verfügt über 28 Zimmer mit einer gesamten Wohnfläche von rund 1400 Quadratmetern. Zum 13,4 Hektar großen Anwesen gehören außerdem Wirtschaftsgebäude, eine Vorburg, ein Pavillon und ein Tennisplatz. Der weiträumige Schlosspark verfügt über einen alten und sehenswerten Baumbestand. Aufgrund seiner ehemaligen Nutzung als Weiterbildungszentrum ist die Immobilie mit Seminarräumen, Schlafräumen, diversen Sanitärbereichen, einer großen Küche und einem Speiseraum ausgestattet. Das Schloss verfügt außerdem über eine eigene Wasserquelle.


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