Vaihingen (sr) – „Alljährliche Grippewelle rollt“, meldet das Regierungspräsidium Stuttgart. Im Landkreis Ludwigsburg ist sie vorerst noch nicht angekommen. Dr. Thomas Schönauer, Dezernatsleiter im Landratsamt Ludwigsburg, spricht von „moderat erhöhten Grippefallzahlen“. Das sei derzeit „nicht besorgniserregend“, wobei der Höhepunkt der Influenza-Erkrankungen traditionell im Februar/März zu erwarten ist.
Noch am Vormittag geben sich die Mediziner im Vaihinger Vaisana Ärztehaus eher gelassen: Nein, von einer Grippewelle könne keine Rede sein. Allenfalls Einzelfälle einer Influenza seien zu verzeichnen. Um die Mittagszeit dann der Anruf von Dr. Karl Bausch: „Es ist kurios, kaum waren Sie weg, kamen fünf Patienten mit Grippe oder grippalem Infekt und teilweise hohem Fieber.“
Dr. Thomas Schönauer, Leiter des Dezernats Gesundheit und Verbraucherschutz im Landratsamt Ludwigsburg, berichtet von 39 im Labor bestätigten Grippefällen für den Monat Januar im Landkreis Ludwigsburg. „Es handelt sich um moderat erhöhte Grippefallzahlen“, so der Mediziner. Zwar stünden diesen 13 Grippefälle im Vergleichsmonat 2007 gegenüber. Allerdings könnte die erhöhte Meldetendenz auch auf einen neuen Test zurückzuführen sein, der den Ärzten zur Verfügung steht.
Bei den Nachbarn rund um Deutschland gebe es ausgedehnte Grippe-Aktivitäten und nun scheinen diese sich in den Süden und Osten Deutschlands auszudehnen, meldet die Ärzte-Zeitung online. Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) in Stockholm erwarte jedoch einen recht milden Verlauf der diesjährigen Influenza-Saison. „Bei dem Erreger handele es sich vorwiegend um eine Variante des H1-Virus, so das ECDC. Dieser Typus sei für recht milde Verläufe bekannt und in den derzeitigen Grippeimpfungen enthalten“, so das Ärzteblatt im Internet weiter. Das Regierungspräsidium Stuttgart (RP): „Seit Jahresbeginn wurden aus 33 von 44 Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg laborbestätigte Influenza-Erkrankungen gemeldet.“ Die meisten davon seien aus Stuttgart und dem mittleren Neckarraum eingegangen. Allerdings handle es sich bei den Zahlen nur um „die Spitze des Eisbergs“, da Grippefälle ohne Laborbestätigung nicht meldepflichtig seien.
Zu der Frage, ob eine Impfung jetzt überhaupt noch Sinn macht, herrschen im Vaihinger Ärztehaus unterschiedliche Meinungen: „Die Impferei bringt jetzt nichts mehr“, sagt Dr. Birgit Gaupp-Senke. Denn vom Pikser bis zur Antikörperbildung vergingen doch einige Tage. Allerdings seien die Senioren unter ihren Patienten fast ausnahmslos immunisiert, fügt Gaupp-Senke nicht ohne Stolz hinzu. Die Grippe-Schutzimpfung sollte vorzugsweise in den Monaten Oktober bis Dezember stattfinden. Dr. Karl Bausch und Dr. Ekkehard Spohr geben eine anders lautende Empfehlung: Für die Zielgruppen sei eine Impfung durchaus noch sinnvoll. Bausch: „Schaden wird’s nicht, eventuell nützt es nur nichts mehr.“
Als Zielgruppe nennt die Ständige Impfkommission (Stiko) beispielsweise Personen über 60 Jahre, Menschen mit einer chronischen Grunderkrankung, sowie Personen mit überdurchschnittlich vielen Sozialkontakten wie Erzieherinnen oder medizinisches Personal. Das baden-württembergische Sozialministerium gehe sogar noch weiter als die Stiko, erläutert Thomas Schönauer vom Landratsamt. Im Ländle wird die Impfung uneingeschränkt für jeden empfohlen – vorausgesetzt, es besteht keine medizinische Kontraindikation.
„Es ist durchaus noch sinnvoll, sich impfen zu lassen“, so der Dezernatsleiter. Rund zwei Wochen nach der Impfung sei das körpereigene Immunsystem entsprechend gegen die Influenza-Viren gewappnet. Eine persönliche Theorie hat Schönauer für die Tatsache entwickelt, dass eher Jugendliche und Kinder die gemeldeten Grippefälle stellen: „Die Senioren sind wohl häufiger geimpft.“ Schönauer schiebt noch ein „lasst euch schnell noch impfen, wer will“ für die Leserschaft nach. Eine Virusgrippe, da sind sich die Mediziner Bausch, Spohr und Gaupp-Senke wiederum einig, das ist nicht bloß ein bissle Schnupfen. Diabetesassistentin Gudrun Ratzsch drückt es so aus: „Das ist hammerhart.“ Mindestens zwei bis drei Wochen hat der Patient in der Regel mit den Krankheitssymptomen zu kämpfen.
Zu den wichtigsten Anzeichen der echten Grippe zählen der plötzliche Krankheitsbeginn, hohes Fieber, Kopf- und Gliederscherzen, ein trockener Husten und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl. Wer sich spontan noch für eine Grippeschutzimpfung entscheidet, kann auf ausreichend vorhandenen Impfstoff hoffen. Karin Paff-rath, Filialapothekenleiterin der Schlossapotheke in Vaihingen, kann auf genügend Impfstoff im Kühlschrank verweisen. Auch die sogenannten Neuraminidase-Hemmer wie beispielsweise das Präparat Tamiflu sind noch auf Lager. Diese Wirkstoffe sollen die Ausbreitung der Viren im Körper vermindern. Einige Patienten hätten derartige Präparate schon erhalten. Paffrath: „Wir haben leider keine Rückmeldung von den Patienten über die Wirksamkeit erhalten. Das hätte mich schon interessiert.“
Wie sich die Tendenz in Sachen Grippeerkrankungen weiterentwickelt, lässt sich derzeit nicht sicher voraussagen. Thomas Schönauer vom Landratsamt: „Im März/April werden wir wissen, wie schlimm’s uns erwischt hat.“ Das RP rät allen erkrankten Personen, „das Bett zu hüten und insbesondere keine Veranstaltungen aufzusuchen“. Denn wer Grippe hat, sollte diese nicht auch noch an andere weiterreichen.
