Samstag, 29. November 2014

Gedränge bei Pyrotechnik Brunner




Matthias Brunner mit Hund Kiki. Foto: Rücker
Matthias Brunner mit Hund Kiki. Foto: Rücker

Großsachsenheim (sr). Bei Matthias Brunner in Großsachsenheim ist der Silvesterwahnsinn ausgebrochen. Bei dem staatlich geprüften Pyrotechniker stehen die Kunden lange an, um die Utensilien für ein ganz individuelles Feuerwerk zu erstehen.
 Tür auf und rein ins Paradies für Fans der Feuerwerkerei. Im Verkaufsraum bei Pyrotechnik Brunner drängen sich die Kunden. Sauerstoff ist Mangelware, was aber keinen zu stören scheint. Denn hinter dem Verkaufstresen stehen die Dinge der Begierde: rund 700 Artikel Silvesterfeuerwerk.
„Das ist ein Fixpunkt“, sagt Jonathan Kunz, einer der Geduldigen, über den Besuch im Großsachsenheimer Verkaufsraum. Er ist auf Heimatbesuch in Bietigheim-Bissingen und mit Freundin Alexandra Borcherdt gekommen. „Wir haben relativ genaue Vorstellungen, wie das Feuerwerk aussehen soll“, sagt Kunz. Wenig Knallerei und viele Farben sollen es sein, da sind sich die beiden einig. Was genau gekauft wird, hängt allerdings von der Beratung bei Brunner ab. Dafür nehme man auch eine Stunde Wartezeit in Kauf. „Ein Foto auf einer Packung bringt mir nichts“, sagt der junge Mann. Geschäftsführer Matthias Brunner kann sicherlich genug erzählen zu den Knallern, Raketen und Batterien, die er vor allem zu Silvester verkauft. Mit einer Ausnahmegenehmigung der Gemeinde, in der geknallt werden soll, kann bei ihm ganzjährig die flüchtige Pracht erstanden werden. Als er fünf Jahre alt war, hat ihm seine Oma die erste Rakete geschenkt, erzählt Brunner. „Die Begeisterung war sofort da, ich war infiziert.“ Er ist staatlich geprüfter Pyrotechniker, 42 Jahre alt, lebt vom Geschäft mit dem Lichterzauber und kann auf viel Erfahrung zurückblicken. Mit 18 Jahren hat er seine Firma gegründet. Wenn nicht gerade der Silvesterwahnsinn über ihn und sein Team hereinbricht, schießt er Großfeuerwerke, zum Beispiel für Hochzeiten und Straßenfeste. „Etwas Besseres gibt’s nicht“, sagt er über seinen Beruf. Er habe so immer mit positiven Menschen Kontakt.
In Esslingen hat Brunner im Auftrag eines Verliebten eine Frau aus der Fassung gebracht, als er ein mehr als 20 Meter langes Lichterbild mit dem Schriftzug „Willst Du mich heiraten?“ gezündet hat. „Die Frau hat vor Freude geheult.“ Brunner tut sich sichtlich schwer damit, das „richtige“ Feuerwerk für Silvester zu empfehlen. Jeder habe andere Vorlieben, zum Beispiel bei den Farben, beim Ablauf, ob es laut oder leise sein soll oder mit oder ohne Pfeifen. „Ich mag alles“, lässt er wissen – wie sein Hundchen Kiki. Während viele Haustiere sich bei der Knallerei vor Angst fast zu Tode zittern, ist die Terrierhündin bei Großfeuerwerken dabei „und freut sich, wenn’s pfeift und rauscht“. Ein echter „Feuerwerkshund“, lacht Brunner.
Dann fällt dem Pyrotechniker aber doch noch ein Tipp ein. Wichtig für den Genuss eines Feuerwerks seien die Standzeiten, also wie lange das Bouquet, der visuelle Effekt, zu sehen ist. Diese stünden zwar nicht auf der Packung, aber Brunner kennt seine Pappenheimer und kann beraten.
Inzwischen gebe es, besonders durch die Megabatterien, jeden Effekt der Großfeuerwerke auch bei den frei verkäuflichen Feuerwerken. Begeistert schildert Brunner beispielsweise Blinkwasserfälle. Das sind Batterien, bei denen die Lichterkaskaden wie durch Scheibenwischer blinkwasserfallartig erscheinen.
Bei den Feuerwerkskörpern müsse auf jeden Fall das Preis-/Leistungsverhältnis stimmen und ohne BAM gehe gar nichts. Das BAM-Zeichen bestätigt, dass die Knaller, Raketen und Batterien von der Bundesanstalt für Materialprüfung zugelassen sind.
Brunner hat zwar keine Angst vor der Pyrotechnik, „aber völligen Respekt“. Er streckt seine Hände nach oben und wackelt mit den Fingern: „Alles noch dran.“ Wichtig sei natürlich, die Anleitung auf den Feuerwerkskörpern zu lesen und, wie den Sicherheitsabstand auch, genau zu beachten.
Draußen vor dem Tresen rückt derweil die Kundenmasse langsam vorwärts. Jonathan Kunz wird bald an der Reihe sein. Die Schmerzgrenze für die Kosten des Spektakels liegt für ihn bei rund 120 Euro. Auch Sascha Wagner aus Besigheim hat sich eingereiht. Er hat seinen Feuerwerkszauber schon bestellt und holt ihn nur noch ab. Überwiegend Batterien mit visuellen Effekten sind dabei, „da hat man am meisten davon“, meint er. 400 bis 500 Euro wird ihn der Spaß kosten. Gezündet wird per Elektrozündung. In fünf Minuten ist die Pracht vorbei. Wagner: „Die Nachbarn kaufen schon gar nichts mehr.“




Seitenanfang