Vaihingen (aa). „Das werden niemals tausend Leute.“ Die Aussage eines Gastes kurz vor 18 Uhr war nicht gewagt. Das 2. Vaihinger Christmas-Rock-Festival blieb am Sonntag hinter der erwarteten Besucherzahl zurück. Dennoch: Auch mit rund 650 Fans herrschte in der Halle der Firma Trend an der Neuen Bahnhofstraße eine riesige Stimmung. Die VKZ hat Eindrücke gesammelt. „Macht hoch die Tür“ tönt es durch die Halle, in der ansonsten Werbeschilder produziert werden. Die Einstimmung auf den Rockabend ist höchst konservativ. Die Gäste stehen plaudernd zusammen. Thema Nummer 1 ist der Vergleich mit der Premiere von 2010. Da war’s doch voller? Ernsthaft widersprechen will niemand. „Aber es wär doch schade, wenn es die Veranstaltung 2012 nicht mehr geben würde...“ Der Aufwand, den das Team um Fabian Leibfried, Herausgeber und Chefredakteur des „Goodtimes-Magazins“ mit Sitz in Riet betreibt, ist riesengroß. Nichts bleibt dem Zufall überlassen. Sieben Feuerwehrleute sind im Einsatz, eine neunköpfige DRK-Abordnung steht parat, für die Künstler gibt es einen VIP-Shuttle, ein eigener Verkehrsdienst sorgt auf der Tafinger Straße für Ordnung. Heftig gearbeitet hat das Team der Vaihinger Soundlight Company. Die Mitarbeiter von Markus Michels stellen das gesamte technische Equipment zur Verfügung. Nur die Bühne kommt von der Kreissparkasse. „Die Künstler müssen im Prinzip nur noch ihre Instrumente einstöpseln“, sagt Michels. Er ist guter Dinge, dass alles rund laufen wird. Die Proben am Samstag und der Soundcheck am Sonntagmorgen haben gepasst. Auf der Empore geht’s gemütlich zu. Die Metzgerei Krautter hat wieder das Beste aufgefahren. Dazu gibt’s edle Tropfen aus Roßwag - und die Chance, auch den einen oder anderen Prominenten zu Gesicht zu bekommen. Zum Beispiel Hartmut Engler, Frontmann von Pur. Er genießt den Abend aus erhöhter Position ganz entspannt. Warum kam er nach Vaihingen? Einfache Antwort: „Ich bin von Peter Freudenthaler eingeladen worden. Wir sind schon lange befreundet.“ Engler schreibt auch gerne seinen Namenszug auf eine Flasche 401er aus Roßwag. Mal sehen, was WG-Geschäftsführer Bertram Haak damit anstellen wird. Blick in die Runde. Den Herren dort kennt man doch irgendwo her. „Darf ich stören, sind Sie der Herr Filbinger?“ Der Angesprochene grinst: „Sie dürfen und ich bin’s.“ Matthias Filbinger, Sohn des ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten, ist als Unternehmensberater tätig und hat geschäftliche Beziehungen zu Frank Zurmühlen von der Firma Trend. Filbinger hat für Schlagzeilen gesorgt, als er der CDU den Rücken kehrte und sich als parteiloser im Bezirksbeirat Stuttgart-Vaihingen den Grünen anschloss. „Eine tolle Band ist das!“ Die Meinungen zu Final Stap kommen durchaus von kompetenten Köpfen. Zum Beispiel von Heiko Schurr, Gitarrist bei den Beatboys und Kulturschaffender bei der Kreissparkasse. Er und viele andere sind hin und weg von dem, was die Truppe um Mike Kilian drauf hat. Und wie sich die Musiker aus Ostdeutschland allen Gästen anpassen können. Peter Freudenthaler von Fools Garden ist in den letzten Tagen mit Final Stap auf der Glockentour durch den Osten getingelt, war mit der Band in Rostock, Halle, Magdeburg. „Die Jungs sind grandios“, lobt er – und das Publikum stimmt ihm uneingeschränkt zu. Nur die Kostüme, die die Musiker zum Auftakt am Leib tragen, wirken eher wie Kindergeburtstag. Der Sound ist dagegen knallhart. „We will rock you“ und „Fox on the Run“. Dazwischen „Michelle“ von den Beatles, passend zur Glockentour. Christian Sorge setzt zu Soloeinlagen an der Gitarre an, Tobias Künzel bearbeitet das Schlagzeug, dass die Schweißtropfen nur so fliegen Uwe Schneider, wie Final Stap schon bei der Premiere von 2010 dabei, legt gleich mit einer alten Disco-Hymne nach: „Born to be alive.“ Dann Jane Sakal, die durchaus was von einer Rockröhre hat. Die Dame zelebriert „The First Cut is the Deepest“ mit Inbrunst. Tony Carey nimmt auf der Bühne die Sonnenbrille nur kurz ab. Streicht sich die langen Haare aus dem Gesicht. Der 58-jährige Keyboarder, Gitarrist, Sänger und Songschreiber wirkt etwas statisch. Ob es an seiner Krebserkrankung lag? Doch Carey nimmt die Band im Hintergrund unaufgeregt mit. „Room with a view“ (Titelsong von „Wilder Westen inklusive“) ist der bekannteste Titel des Amerikaners, der seit 20 Jahren in Deutschland lebt. Peter Freudenthaler und Volker Hinkel sind die Urgesteine von Fools Garden. Auch 2010 waren die beiden in der Trend-Halle mit von der Partie. Die Zusammensetzung des Publikums direkt vor der Bühne hat sich bei ihrem Auftritt leicht verändert. Da kommen jetzt auch die jüngeren Damen aus der Deckung. „Children of the Revolution“ schallt es durch die Halle. Und der Superhit „Lemon Tree“ hat ein neues Outfit erhalten. 21.20 Uhr. Jetzt steht noch John Lawton aus. Der ehemalige Uriah-Heep- und Les-Humphries-Sänger ist guter Dinge, scherzt über die Höhe des Mikrofonständers. „Ich bin zwar klein, aber so klein dann auch nicht.“ „Gipsy“ und das getragene „Wise Man“. Dann die Mitbrüller, auf die alle gewartet haben. „Lady in Black“ und „Free me“. Der 65-Jährige elektrisiert die Besucher. Kurz nach 22 Uhr dröhnt noch „Wild Thing“, 1966 ein Welthit der Troggs über die Köpfe – und alle singen mit. Verschwitzte Menschen strömen ins Freie und werden von der Wirklichkeit eingeholt: Eiskratzen!. Bilder vom 2. Christmas-Rock-Festival unter www.vkz.de/Redaktion/bildergalerie/christmas-Rock-Festival 2011 Frust bei den Veranstaltern Vaihingen (aa). Fabian Leibfried macht am Telefon einen etwas geknickten Eindruck. Der Chefredakteur und Herausgeber des „Goodtimes-Magazins“, gibt zu, dass er ein wenig gefrustet ist und sich fast abgestraft fühlt. Am Sonntagabend hatte er noch von rund 800 Besuchern beim Christmas-Rock-Festival gesprochen; als gestern die Kartenabrechnung vorlag, musste er relativieren: „Es waren maximal 650 Leute da.“ Lag es am deutlich angehobenen Preis für die Karten? Waren die Künstler dem breiten Publikum nicht bekannt? Wurde zu wenig Werbung betrieben? War das Wetter zu schlecht? „Wir müssen das noch sorgfältig untersuchen“, sagt Leibfried. Und eines verheimlicht er nicht: „Das gibt ein größeres Draufleggeschäft als 2010.“ Die Leute hätten keine Ahnung was Stars der Kategorie vom Sonntag kosten. Und dabei bekomme er bekomme er in aller Regel noch einen Freundschaftsbonus. Wie hat man bei den Akteuren reagiert? „Natürlich spielen die lieber in einer Halle, die brummt“, sagt Leibfried, „doch insgesamt waren sie sehr zufrieden mit der Stimmung.“ Der Konzertablauf war im Aufbau auch optimal. Selbst Hartmut Engler von Pur war begeistert. Wie geht es weiter? Momentan will Leibfried noch keine Aussage treffen. Nur soviel: Es wäre schaden, wenn wir nach zwei Veranstaltungen schon die Segel streichen müssten. Schade ist es auch um den enormen Aufwand, der zu stemmen ist, um eine Produktionshalle in einen attraktiven Musiksaal zu verwandeln. Vorstellen kann sich Leibfried den Christmas-Rock aber in einem zweijährigen Rhythmus. „Doch darüber müssen wir erst noch reden.“ Wir, das sind er, Peter Freudenthaler von Fools Garden, Thomas Fischer von der Werbeagentur Upart und Frank Zurmühlen (Trend Werbesysteme)


