Vaihingen (sr). Rund 250 Menschen haben gestern Abend auf dem Vaihinger Marktplatz ein Zeichen gegen rechts und Fremdenhass gesetzt. Die 16-jährige Sarah Pertler sprach bei ihrer Rede vielen Zuhörern aus dem Herzen.
Senioren aus Nussdorf hatten sich mit ihren Enkeln ebenso auf den Weg gemacht wie Punks aus Hochdorf und Vaihingen. Der 16-jährige Fabian Grossmann, dessen Haare in kunstvollen Spitzen vom Kopf abstanden, war mit seinen Kumpels dabei. „Dass man auch in einer kleineren Stadt Zeichen gegen rechts setzt, ist wichtig“, begründet der 15 Jahre alten Julian Zimmermann aus Vaihingen seine Anwesenheit.
Ein Zeichen gegen Rassismus, Menschenfeindlichkeit, Gewalt, Hass und Intoleranz sollte in Vaihingen mit der Bürgeraktion gesetzt werden. Eine lange Reihe von Organisationen hatte zur Teilnahme aufgerufen: CDU, Freie Wähler, SPD, Grüne, FDP, Die Linke, der evangelische Kirchenbezirk, die evangelische Kirchengemeinde und das evangelische Bezirksjugendwerk Vaihingen sowie die katholische Kirchengemeinde Vaihingen, der Jugendgemeinderat Vaihingen, Grüne Jugend, Eine Welt e.V., KZ-Gedenkstätte, Friedensgruppe Kleinglattbach, K 21 Initiative, Centro Italiano, Kroatische Gemeinschaft, „Vukovar“, Türkischer Kulturverein, Griechischer Kulturverein.
Nach Begrüßungsworten des Organisators Siegfried Schreiber sprach Vaihingens ehemaliger Oberbürgermeister Heinz Kälberer. Die Gräueltaten des Naziregimes, das Glück der späten Geburt und „das Glück, unser Land nur in Frieden erlebt zu haben“, hob Kälberer unter anderem hervor. „Wir dürfen nicht hinnehmen, dass Menschen das Naziregime verherrlichen“, betonte Kälberer
Die Idee für die Rede sei ihr vor wenigen Tagen gekommen, als sie ein Plakat gesehen hatte, erklärte Sarah Pertler, Sprecherin des Vaihinger Jugendgemeinderates. Der Schriftzug „kein Mensch passt in eine Schublade“ sei ihr nicht mehr aus dem Kopf gegangen. „Das Wichtigste ist doch nicht, was uns trennt, sondern was uns verbindet“, stellte die 16-Jährige am Mikrofon klar. Mit Sätzen wie „wir leben in verschiedenen Ländern, doch sind wir alle Kinder derselben Welt“, sprach sie vielen Zuhörern aus der Seele.
Jetzt, da bekannt sei, was die rechte Terrorzelle getan hat, müsse gehandelt werden. Pertler: „Wir sind hier, um gegen diesen Hass, der sinnlos, haltlos und grundlos ist, gegen die Gewaltbereitschaft und die Engstirnigkeit derartiger Verbindungen aufzubegehren!“ Doch für mehr als zehn Menschen komme dieser Aufruf zu spät. „Wir müssen anfangen, unseren eigenen Horizont zu erweitern, unsere eigenen Grenzen zu überwinden und hinter uns zu lassen.“ Toleranz zu entwickeln gegenüber den Dingen, die fremd und andersartig erscheinen. Pertler: „Gewalt, Hass, Feindseligkeit dürfen jedoch nie toleriert oder hingenommen werden.“ Extremismus und Terrorismus müsse der Kampf angesagt werden. „Wir handeln, weil alles andere falsch und feige wäre. Wir handeln, weil es keinen Grund gibt, es nicht zu tun.“ Bravorufe, Applaus und Dank per Handschlag für die junge Frau. Der Bläserkreis Vaihingen umrahmte eine Gedenkminute musikalisch. Siegfried Schreiber verlas die gemeinsame Erklärung der Bürgerinnen und Bürger gegen Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus (siehe VKZ vom 10. Dezember). Mit dem gemeinsam intonierten Lied „We shall overcome“ war die Bürgeraktion beendet.


