Vaihingen (elf). Wenn heute gegen 14 Uhr die letzten Ladentüren schließen, ist auch der ultimative Ansturm auf die Lebensmittel beendet. In diesem Jahr mussten sich Verbraucher und Händler auf eine besondere Situation einstellen, denn es gilt, zwei Feiertage und einen Sonntag zu überbrücken. Die Vaihinger Kreiszeitung hat sich in der Lebensmittelbranche umgehört.
„Wir haben unsere gesamte Disposition bereits zwei Wochen vorher auf die Situation ausgerichtet und entsprechend Ware geordert“, sagte Jochen Arlt, Betreiber der beiden Edeka-Filialen in Kleinglattbach und Illingen. Da die Lebensmittel auch in die Regale eingeräumt werden mussten, war für die letzten Tage bis einschließlich Heiligabend auch ein verstärkter Personaleinsatz notwendig. Zwar habe man darauf geachtet, das Einräumen während der Öffnungszeiten zu vermeiden, doch auch tagsüber seien die Mitarbeiter „ständig am Nachfüllen“. „Wir haben alles im Einsatz, was zwei Arme und zwei Beine hat“, so Jochen Arlt. Vermehrt Nachschub sei im kompletten Bereich der Frischeprodukte gefragt. Milcherzeugnisse, Obst und Gemüse würden naturgemäß erst auf den letzten Drücker gekauft. Am heutigen Heiligabend haben die beiden Märkte in Kleinglattbach und Illingen bereits um sieben Uhr geöffnet. „Doch erfahrungsgemäß ballt es sich zwischen 8 und 11 Uhr“, wusste Arlt. „Da ist die Hölle los.“
Auch bei der Metzgerei Maulick in Illingen, die Filialen in Vaihingen und Ensingen betreibt, hat man sich bereits zwei Wochen vor Weihnachten auf den Kundenansturm vorbereitet. So wurde beispielsweise rechtzeitig genügend Rindfleisch eingelegt. „Die richtige Menge an Fleisch und Wurst zu disponieren, ist ein wahres Lotteriespiel“, sagte Rudi Maulick. Um effektiver arbeiten zu können, wurden Faltblätter mit Bestellschein verteilt. Über 100 Kunden haben davon auch Gebrauch gemacht, was dem Metzgermeister ein guten Überblick darüber verschaffte, wie viel Ware benötigt wird. Der absolute Renner ist das tischfertige Rehragout, gefolgt von der gefüllten Kalbsbrust und der Entenbrust zum Selbermachen. In den letzten Tagen wurde bei Maulick übrigens nahezu rund um die Uhr gearbeitet.
In der Bäckerei Katz in Vaihingen lief die Produktion in den vergangenen Tagen auf Hochtouren. Den Superansturm der Kundschaft gab es gestern und wurde auch für heute erwartet. „Viele unserer Kunden haben sich allerdings auch schon vorher mit Brot eingedeckt und haben es dann zu Hause eingefroren“, berichtete Inhaber Adolf Katz. Vermutlich aus diesem Grund hätten in den letzten Jahren auch die Vorbestellungen deutlich nachgelassen. Vor allem Weißbrot würden die Kunden zu Weihnachten und vor allem nächste Woche zu Silvester verlangen. Insgesamt hätten die Mitarbeiter in der Backstube in den Tagen vor Weihnachten 30 bis 40 Prozent mehr herzustellen.
Auch in der Backstube der Bäckerei Kull in Illingen, die im Herbst das Café am Vaihinger Marktplatz wieder mit Leben gefüllt hat, ging es in den letzten Tagen heiß her. „Es ist schön, dass viele unserer Kunden vorbestellen“, sagte Christine Kull-Bertelsbeck. Das habe die Organisation ungemein erleichtert. Dennoch war es auch bei der Bäckerei Kull nötig, dass die komplette Mannschaft im Einsatz war. „Kurz vor Weihnachten herrscht bei uns absolute Urlaubssperre“, betonte Kull-Bertelsbeck. Nicht nur in der Backstube und im Verkauf, sondern auch auf der Straße geht es für die „Kuller“ rund. Denn: Die Kundschaft in den Filialen will auch zu ihrem Recht kommen und muss beliefert werden. 1000 Baguette könne man nicht auf einmal im Laden haben. So richtig wappnen müssten sie sich allerdings für den Sonntag, denn dann hat der Laden in der Vaihinger Straße in Illingen geöffnet. Christine Kull-Bertelsbeck: „Da werden die Leute bis zur Straße Schlange stehen.“
„Ein Schwein sollte nur aus Filet bestehen“, scherzte Peter Krautter von der gleichnamigen Metzgerei in Vaihingen. Der Metzgermeister spricht damit den Speiseplan seiner Kundschaft zu Weihnachten an. Kalbsbrust, Schweinefilet, Rinderfilet und Rehkeule – diese Spezialitäten wanderten in den letzten Tagen zuhauf über den Ladentisch. In der vergangenen Woche seien doppelt so viele Tiere geschlachtet worden wie sonst. Auch bei der Metzgerei Krautter wurden zahlreiche Vorbestellungen abgegeben, wobei es Peter Krautter oftmals lieber gewesen wäre, wenn dies zwei Wochen und nicht zwei Tage vorher erfolgt wäre. „Bei kurzfristigen Bestellungen kommt es auch mal zu Engpässen“, sagte der Metzgermeister. Von morgens um 5 bis abends um etwa 21 Uhr wurde in den letzten Tagen gearbeitet. Klar, dass auch bei Krautter das gesamte Personal im Einsatz war. Schließlich war der Party-Service in den letzten Tagen noch voll gefordert. Damit die Wurst übrigens auch noch am zweiten Weihnachtsfeiertag und am Sonntag genießbar ist, haben sich viele Kunden ihre Ware einschweißen lassen.
Vergleichsweise entspannt ging es in den letzten Tagen im Getränkehandel zu. Da Getränke länger haltbar sind, haben sich die Kunden von Gefako-Händler Eduard Aldinger in Vaihingen schon früh mit ihren Kisten eingedeckt. Da kauften viele auch auf Vorrat, damit der Besuch zu Weihnachten nicht Durst leiden muss. Vor allem der Absatz beim Wein konnte sich sehen lassen. „Der Dezember ist der klassische Weinmonat“, sagte Eduard Aldinger. Da gönne man sich gerne ein gutes Tröpfchen oder verschenke die eine oder andere Flasche. Ansonsten wurden auch viel Wasser und Säfte verkauft – vor allem hochwertige Ware. In den ersten beiden Januarwochen wird im Getränkehandel dagegen recht wenig Geld umgesetzt. Eduard Aldinger: „Da wird der Getränkevorrat von Weihnachten wieder aufgebraucht.“
