Vaihingen (ub). „Wir hoffen, dass unser Engagement in irgendeiner Form honoriert wird“, sagt Sonderschul-Rektor Martin Denkler. Die Hoffnung des Schulleiters der Wilhelm-Feil-Schule in Vaihingen ist begründet: Denn mit viel Leidenschaft und Kompetenz sind die Schüler der Klassen 7 und 8 an dem Projekt, recherchieren im Internet, schreiben E-Mails, sammeln Geld, haben einen Entwicklungshelfer zu Besuch.
Die Vaihinger Förderschule beteiligt sich an der „Lebensweltmeisterschaft“, einem bundesweiten Schulwettbewerb zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Ziel ist es, dass Schüler in Deutschland Lebenswelten von Jugendlichen anderer Länder kennen lernen und vielleicht sogar Infos aus erster Hand bekommen. 204 Teams machen mit – das entspricht der Zahl der Länder, die bei der Qualifikation zur WM mitmachen durften. Dabei haben die Schulen aus Baden-Württemberg vor allem asiatische Länder zugelost bekommen. Die Wilhelm-Feil-Schule in Vaihingen muss sich mit den Lebenswelten in Myanmar (oder auch Birma und Burma) auseinandersetzen.
In klassenübergreifenden Gruppen erarbeiten so die Schüler ein Plakat. Parallel dazu haben sie in den letzten zwei Wochen Spenden für die Kindernothilfe gesammelt – insgesamt 337,92 Euro. „Um das alles zu schaffen, sind viele Kompetenzen erforderlich“, unterstreicht Rektor Denkler die Leistung seiner Schüler. Die eigene Schüchternheit muss überwunden werden, die Informationen aus dem Internet müssen gesammelt, gesichtet und bewertet werden. Über eine Reiseleiterin konnte ein direkter Kontakt zu einer Schule in dem Vielvölkerstaat initiiert werden. Die Schüler schreiben sich gegenseitig E-Mails. In Burma geht das allerdings nicht ohne Hindernisse: Die Lehrerin der Schule muss mit dem Motorradtaxi eine Stunde in ein Internetcafé fahren, um die elektronische Post aus dem Schwabenland in Empfang zu nehmen.
Der Wettbewerb soll den Jugendlichen Raum und Zeit geben, sich gleichaltrigen Jugendlichen eines Landes zu nähern und sie – wenn möglich – auch zu kontaktieren. Es geht um das Verstehen und den Perspektivwechsel. Und es geht um das gemeinsame Hobby Fußball, das sie hier und dort verbindet. Und Fußball, so berichten die Schüler der Wilhelm-Feil-Schule, wird auch in Myanmar gespielt. Allerdings anders als in Deutschland. Aus den Briefen haben sie erfahren, dass es nur kleine Tore gibt und die Bälle meist aus Zeitungen und Tüten bestehen. Die Schüler in Südostasien müssen teilweise acht Kilometer in die Schule laufen – Tag für Tag. 50 Schüler sitzen in einem Raum, berichtete ein Entwicklungshelfer bei seinem Besuch in der Förderschule.
Die Lebenswelt der Schüler aus Birma sollen die Siebt- und Achtklässler in dem Lebensweltmeister-Projekt in einem Plakat darstellen. „Das ist schon eine Riesenherausforderung“, weiß Denkler. In die Wilhelm-Feil-Förderschule in der Friedrichstraße gehen derzeit rund 100 Schüler, wo sie individuelle Lern- und Bildungsangebote bekommen. Nach entsprechender Diagnostik gibt es von den Lehrern Unterstützung, die unmittelbar am Schüler ansetzt und eine Stärkung des Selbstwertgefühls. Denkler: „Bei dem Wettbewerb kommt es auch auf die Teamfähigkeit an, auf das Management von Informationen.“
In den zweieinhalb Monaten Projektdauer - der Wettbewerb ist eine Idee der Arbeitsgemeinschaft der „Eine Welt Landesnetzwerke Deutschland“ in Kooperation mit dem Entwicklungspädagogischen Informationszentrum Reutlingen – haben sich die Klasse 7 mit der Lehrerin Daniela Glück und die Klasse 8 mit Lehrerin Jacqueline Beck-Bonhomme in das Thema „reingekniet“. Sogar das Klassikradio aus Hamburg interviewte Schulleiter Denkler und einige Schüler. „Das war schon eine Herausforderung. Da sind die Schüler ganz stolz“, sagt Denkler. Zu dem Projekt gehört auch eine Sammelaktion der Kindernothilfe. Ein Zyklon hat vor zwei Jahren vieles zerstört, die Kindernothilfe will eine Schule aufbauen. In der Fußgängerzone, vor den Einkaufsmärkten und in den Stadtteilen waren die Schüler der achten und neunten Klasse unterwegs. Im Klassenzimmer liegt jetzt ein großer Spendenscheck.
Bis Ende Januar muss das Großplakat in Tempelform fertig sein. Und dann muss auch noch gegen andere Schulen gespielt werden – natürlich Fußball.
