Ludwigsburg (LL).Landrat Dr. Rainer Haas hat am Montag im Großen Sitzungssaal des Kreishauses in Ludwigsburg den Orden „Chevalier dans l'Ordre national de la Légion d'Honneur“ („Ritter im nationalen Orden der Ehrenlegion“) vom französischen Botschafter in Deutschland, Bernard de Montferrand, verliehen bekommen.
Vor rund 70 Gästen hielt de Montferrand die Laudatio, in der er die Verdienste des Landrats um die deutsch-französischen Beziehungen und die europäische Einigung hervorhob. Dies taten in eigenen Redebeiträgen außerdem Kreisrat Rainer Gessler, gleichzeitig ehrenamtlicher Stellvertreter des Landrats, und Rainer Wieland, Europaabgeordneter und Vizepräsident des Europäischen Parlaments. Landrat Haas bedankte sich für die Auszeichnung und sagte, er nehme diese stellvertretend für alle im Landkreis entgegen, die sich für die deutsch-französische Freundschaft und die europäische Einigung einsetzen.
Botschafter Bernard de Montferrand sagte zu Landrat Haas: „Die Französische Republik ehrt in Ihnen einen Politiker, der sein Leben in den Dienst des Gemeinwohls stellt; und einen Freund Frankreichs, der die Freundschaft und den politischen Dialog zwischen unseren beiden Ländern fördert und dessen Engagement für die europäische Sache unumstritten ist.“ Haas’ öffentliches Engagement sei die Konsequenz seiner lokalen Verwurzelung und seiner Begeisterung für internationale Fragen. „Ein großer Teil Ihres Berufswegs zeichnet sich durch bürgernahes Engagement aus“, stellte der französische Botschafter fest und fuhr fort: „Enge deutsch-französische Beziehungen auf der Ebene der Zivilgesellschaft sind Ihnen sehr wichtig. Das zeigt sich ganz besonders in der aktiven Unterstützung der Partnerschaften zwischen Gemeinden Ihres Kreises und französischen Gemeinden. Ihr Kreis unterhält die meisten deutsch-französischen Städtepartnerschaften. Von 39 Städten und Gemeinden haben 20 Partnerschaften mit unserem Land.“
Danach ging de Montferrand auf den Einsatz des Landrats für Europa ein: „Sie sind nicht nur ein Freund Frankreichs – Sie sind auch ein überzeugter Europäer. Für Sie sind der deutsch-französische Dialog und die Stärkung Europas zwei Seiten ein und derselben Politik: Europa braucht einen dynamischen deutsch-französischen Dialog.“ Versöhnung und enge Freund-schaft zwischen Frankreich und Deutschland seien inzwischen erreicht – heute, so der französische Botschafter weiter, stehe man vor der Herausforderung, „ein echtes Europa der Bürger zu schaffen“.
Dafür setze sich Haas ein – als Mitglied im Präsidium und im Hauptausschuss der deutschen Sektion des Rats der Gemeinden und Regionen Europas sowie als Kreisvorsit-zender der Europa-Union. Als weitere Beispiele für Haas’ Engagement nannte de Montferrrand die Organisation eines Kolloquiums über Europa im Jahr 2003, aus dem die Einrichtung eines bis heute landesweit einmaligen Europa-Ausschusses hervorging, die Konferenz über die Zukunft der Kommunen in Europa im Jahr 2007 sowie den seit 1997 im Kreishaus stattfindenden Spätlingsmarkt, bei dem immer auch die europäischen Partner und Freunde des Landkreises – das ungarische Komitat Pest, die italienische Provinz Bergamo sowie die Departements Drôme und Vaucluse – mit eigenen Ständen vertreten sind. Auf das Problem der größer werdenden Kluft zwischen Brüssel und den Bürgern gebe Haas die richtige Antwort: „Ihnen ist wichtig, an der demokratischen Debatte mitzuwirken und sie zu befruchten, um Einfluss zu nehmen auf die Gesetze, die dann auf lokaler Ebene angewandt werden.“
„Gewinnen Sie weitere
Multiplikatoren – es lohnt sich“
Landrat Dr. Rainer Haas
„Gegenüber der gefühlten Verbundenheit mit Frankreich tritt das, was ich tun konnte, zurück“, sagte Landrat Haas. Viele, insbesondere Bürgermeister, Kreisräte und Schulleiter, hätten dazu beigetragen, dass die Beziehungen des Landkreises und seiner Kommunen zu Frankreich mit der Zeit so eng geworden sind und auf diese Weise die europäische Einigung gefördert worden ist. Stellvertretend für diese engagierten Menschen nehme er die hohe Auszeichnung „Chevalier dans l'Ordre national de la Légion d'Honneur“ an, so Haas. Der Landrat erinnerte daran, dass Ludwigsburg einer der Orte ist, „die für die deutsch-französische Freundschaft stehen“. Dabei bezog er sich auf den Besuch Napoleons beim württembergischen Herzog Friedrich 1805, de Gaulles Rede an die deutsche Jugend 1962 und die erste deutsch-französische Städtepartnerschaft, die 1950 von Ludwigsburg und Montbéliard geschlossen wurde. „Ludwigsburg hat wichtige Akzente gesetzt. Daran lässt sich – gerade in einer Zeit, in der es in den Städtepartnerschaften wieder mehr Bewegung geben könnte – vortrefflich anknüpfen. Gewinnen Sie weitere Multiplikatoren – es lohnt sich“, appellierte Haas an die Gäste. Er schloss mit einem Zitat des dritten amerikanischen Präsidenten Thomas Jefferson: „Jeder Mensch von Kultur hat zwei Vaterländer: das seine und Frankreich.“
