Hohenhaslach/Roßwag (aa/elf) – Muss man sie beneiden oder bedauern? Bei ihrem Besuch im Weinland Württemberg wird die deutsche Weinkönigin Sonja Christ von einer Probe in die andere gereicht. Gestern war sie unter anderem zu Gast in Hohenhaslach und Roßwag.
Fünf Termine stehen an diesem kalten Dienstag bei Glühweinwetter auf dem Programm. In der Felsengartenkellerei ist die Königliche Hoheit, die das Weinbaugebiet Mosel repräsentiert und eigentlich Betriebswirtin ist, am Morgen zu Gast. Das muss sein, denn von dort kommt die württembergische Weinkönigin Juliane Nägele, die zusammen mit ihrer Prinzessin Sandra Weber mit auf die Reise geht. Es folgen Notz in Hohenhaslach, die WG Roßwag-Mühlhausen, das Weingut Jaggy in Ötisheim und das Weingut Wachtstetter in Pfaffenhofen. Sonja Christ muss natürlich an den Erzeugnissen der jeweiligen Betriebe nippen. „Wir haben für die Route bewusst Betriebe ausgewählt, die bei der diesjährigen Prämierung sehr gut abgeschnitten haben“, erklärt Präsident Hermann Hohl, dem es sichtlich Freude bereitet, das Trio begleiten zu dürfen. Das Stromberggebiet bilde einen Schwerpunkt, berichtet er. Doch insgesamt geht es darum, das Weinbauland Württemberg, das viertgrößte in Deutschland, mit seinen Besonderheiten und dem besonders stark ausgeprägten Genossenschaftswesen kennenzulernen. Heute steht unter anderem ein Besuch in der Lehr- und Versuchsanstalt in Weinberg an.
In Hohenhaslach hat sich das Weingut von Martin Notz einen sehr guten Namen erarbeitet, was vor wenigen Wochen mit dem Ehrenpreis des Weinbauverbandes Württemberg belohnt wurde. Anfang des Jahres hatte Martin Notz zudem den Vaihinger Lemberger-Löwen gewonnen. „Der Wein ist allerdings ausverkauft“, war zu erfahren. Begrüßung mit einem Gläschen Riesling-Sekt vom Hohenhaslacher Kirchberg. Notz erzählt die Entwicklung seines Betriebs. 1961 sei der Vater in den Bereich Langmantel ausgesiedelt. Mit zwölf Kühen und zwei Schweinen. Zwölf Hektar Ackerland habe man bewirtschaftet, gerade mal 50 Ar Rebland. Im Laufe der Jahre hat man sich voll und ganz dem Weinbau zugewandt.1980/81 wurde der Weinkeller gebaut. Hier können inzwischen rund 250000 Liter Wein eingelagert werden. Die inzwischen 20 Hektar Ackerfläche sind stillgelegt, dafür werden acht Hektar Rebland bewirtschaftet, davon die Hälfte Trollinger. Damit ist Notz der zweitgrößte Privatbetrieb in Hohenhaslach. 16 goldene und neun silberne Preismünzen unterstreichen bei der Landesprämierung die hohe Qualität der Notz-Erzeugnisse, was mit dem Ehrenpreis gewürdigt wurde.
Mit der Qualität ihres Weines hat sich auch die Weingärtnergenossenschaft Roßwag-Mühlhausen einen Namen gemacht. Die neue Kelter in Roßwag ist die nächste Station, an der die Weinkönigin samt Gefolge Station macht. Angeführt von Vorstandsvorsitzendem Ulrich Allmendinger und Bertram Haak, Assistent der Geschäftsleitung, geht es durch den Neubau. Insgesamt 2,2 Millionen Liter Wein fassen hier die riesigen Tanks – der aktuelle Jahrgang 2009 hat in Roßwag rund 1,2 Millionen Liter Wein ergeben. „Wie in den Jahren zuvor haben wir auch in diesem Jahr gute Qualitäten geerntet“, sagt Allmendinger. 40 Prozent davon gehen in den privaten Weinverkauf, weitere 40 Prozent werden an den Getränkefachhandel verkauft. Der Rest geht an die Gastronomie, Vereine und dergleichen. Die Gesamtrebfläche betrage 140 Hektar, wobei in Roßwag und im benachbarten Mühlhausen die Steillagen Sorgen bereiten würden. Weinkönigin Sonja Christ findet es unterdessen „toll, wie man sich hier mit dem Thema Terrassenlagen befasst“. Der erhöhte Arbeitsaufwand dort sei es Wert, diese Lagen zu erhalten. Die Genossenschaftskellereien seien prägend für den Weinbau in Württemberg. „Das ist hier ein Stück Lebensart“, konstatiert die Hoheit von der Mosel.
Klar, dass Sonja Christ auch in Roßwag edle Tropfen verkosten darf: einen Muskat-Trollinger Rosé 2008, zu dem ein Stück Schokolade gereicht wird, sowie einen Lemberger trocken 2007. Ihr Urteil fällt sehr positiv aus. Privat, so verrät sie, trinke sie am liebsten einen Riesling. Doch das Schöne am deutschen Weinbau sei seine Vielfältigkeit. Da sei für jeden Anlass etwas dabei. Die Vielfältigkeit des hiesigen Weinbaus sei im Übrigen auch sehr bemerkenswert. Sie nehme aus ihren Besuchen viele neue Eindrücke mit und lerne dabei ziemlich viel. Sonja Christ: „Ich sehe das als Aufbaustudium.“

