Illingen (elf) – Während die Abrissarbeiten auf dem Luigareal in Illingen nahezu abgeschlossen sind und die Bodensanierung in vollem Gange ist, werkelt die Verwaltung daran, die planerischen und baurechtlichen Angelegenheiten in trockene Tücher zu bringen. Im Gemeinderat morgen Abend (19.30 Uhr) geht es um den Verlauf der Haupterschließungsstraße.
Der ortskundige Spaziergänger starrt beinahe ungläubig auf das weiträumige Areal. Wo früher große Hallen und Baracken die Sicht versperrten, herrscht heute nur noch gähnende Leere. Lediglich ein paar riesige Haufen Abrissmaterial künden noch von der einstigen Bebauung. Bagger beladen Lkw, die Schutt und Erde davonfahren. „Eine Goldader haben wir noch keine entdeckt, doch mit dem Gesamtablauf der Abräumarbeiten sind wir bislang zufrieden“, sagt Bürgermeister Harald Eiberger. Nachdem beim Gebäudeabbruch eine Verzögerung eintrat, habe die Verwaltung Druck ausgeübt und prompt habe sich auch der Abtransport von Schutt und dergleichen wieder beschleunigt. Bis Ende Mai soll die Bodensanierung abgeschlossen sein (Eiberger: „In Teilen ist das schon erledigt“).
Im ersten Halbjahr 2010 soll nach dem Willen des Verwaltungschefs auch das Bebauungsplanverfahren verabschiedet werden. „Dann könnten die Bagger eigentlich anrollen“, hofft der Illinger Schultes, der aufs Tempo drückt. „Jeder Tag kostet uns Zinsen.“ Außerdem gibt es bereits potenzielle Investoren, die man nicht verlieren will. Je schneller mit der Erschließung des Luigareals begonnen werden kann, desto besser.
Eine der wichtigsten Komponenten in Sachen Erschließung ist die geplante Hauptverbindung zwischen dem westlichen und dem östlichen Teil des Geländes parallel zur Luigstraße. Zwei Varianten dieser Verkehrsader hat das Stadtplanungsbüro Gerd Baldauf aus Stuttgart vorgelegt. Während die erste Alternative den Bereich des Rathauses direkt anbindet, macht die zweite Alternative von Ost nach West vor dem Rathaus einen deutlichen Rechtsschwenk und führt am Notariat vorbei zur Luigstraße. Die Krux: Variante 1 würde über sieben bis zehn Pkw-Stellplätze des Ortszentrums führen, die erst vor etwa anderthalb Jahren gebaut wurden. Der Verwaltungsausschuss hat sich deshalb in nichtöffentlicher Sitzung bereits dagegen ausgesprochen. Doch dies missfällt der Verwaltung, da sich bei einer Realisierung der vom Ausschuss bevorzugten zweiten Variante die verkaufbare Handelsfläche um rund 550 Quadratmeter verringern würde.
Das Stadtplanungsbüro warnt in diesem Zusammenhang nicht nur vor einem Wertverlust der Grundstücke in diesem Bereich, sondern wirft auch einen Blick in die ferne Zukunft: „Einmal festgelegte Aufteilungen haben in der Regel für Zeiträume von mehr als 200 Jahren Bestand.“ Soll heißen: Die Festlegung des Straßenverlaufs innerhalb des Luigareals ist von besonderer Tragweite. Hier lege man immerhin „einen Stadtteil für viele Jahrzehnte“ an, mahnt Eiberger. Ob die Stellplätze, die in Variante 1 derzeit noch im Wege sind, künftig 20 Meter weiter rechts oder links sein werden, „darf nicht die schlachtentscheidende Größe sein“, so der Illinger Schultes.
Auch das Planungsbüro aus der Landeshauptstadt spricht sich deutlich für die zweite Variante aus: „Gerade jetzt, wo der Rückbau auf dem Stanelle-Areal (Anm. d. Red.: Luig-Areal) ein vier Hektar großes Baufeld im Herzen der Gemeinde freilegt, wird die Bedeutung dieser städtebaulichen Entwicklung für Illingen bewusst.“ Es sei zu erwarten, dass dort insgesamt private und öffentliche Investitionen von weit mehr als zehn Millionen Euro angestoßen werden. Diese Investitionen müssten im Rahmen einer tragfähigen städtebaulichen Struktur nachhaltig umgesetzt werden. Ingenieur Knut Maier vom Planungsbüro: „Aus unserer Planungspraxis erscheint es uns überaus ungewöhnlich, solch übergeordnete und weit reichende Entscheidungen von sieben bestehenden Stellplätzen abhängig zu machen, die weniger als 0,002 Prozent der Gesamtinvestitionen ausmachen.“
