Montag, 21. Mai 2012

Bürgergespräch in Roßwag




Roßwager Kelter: Abriss oder Umnutzung? Foto: Bögel
Roßwager Kelter: Abriss oder Umnutzung? Foto: Bögel

Rosswag (ub). Was passiert mit der Kelter? Abriss oder Neunutzung? Wie können die Raser auf der Mühlhäuser Straße gebremst, wie die Sicherheit an der Rathauskreuzung erhöht werden? Kommt ein Radweg rechts an der Enz? Wie geht es mit dem Brückenbau weiter? Beim Bürgergespräch am Freitagabend in der Sport- und Kulturhalle in Roßwag gab es genügend Themen auf der Agenda.
Vor allem die Zukunft der Kelter wird das Thema in Roßwag sein. Klar ist, dass die Genossenschaftskellerei Roßwag-Mühlhausen das ortsbildprägende Gebäude, das seit dem Neubau auf der anderen Enzseite leer steht, verkaufen möchte. Zwar wird der Keltersaal noch sporadisch gebraucht, doch ein Großteil der 783 Quadratmeter sind ungenutzt. So ist die Kelter und der Kelterplatz auch Bestandteil im Rahmenplan von Roßwag, der am Freitagabend der Bevölkerung präsentiert wurde. Der Rahmenplan ist ein Selbstbindungsplan und Bedingung, um im Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) aufgenommen zu werden.
Für die Nachnutzung der Kelter stehen zwei Varianten im Raum: So gibt es Überlegungen, Gemeinschaftseinrichtungen und Vereine hier unterzubringen. Die Feuerwehr samt Spielmannszug könnte mehr Platz bekommen, die Verwaltungsstelle könnte im ersten Stick residieren. Doch dieses Nutzungskonzept benötigt nach ersten Berechnungen mindestens Geldmittel in Höhe von 1,6 Millionen Euro. Eine andere Alternative wäre der Abriss des nicht unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes. Es könnte Platz geschaffen werden für zwei Mehrfamilienhäuser und ein kleineres Gemeinschaftshaus am Kelterplatz.
„Wir sollten diese Entscheidung nicht übers Knie brechen“, sagte der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch. Man müsse aber genau überlegen, ob die Kelter auf alle Fälle erhalten bleiben müsse. „Wir wollen auf jeden Fall eine Lösung, die sowohl für die Genossenschaft als Eigentümer als auch für die Stadt vernünftig ist.“ Wenn eine Lösung gefunden werde, die im Sinne der Stadt sei, dann müsse die öffentliche Hand sich nicht einmischen. Maisch: „Das Thema ist aber auf alle Fälle hochgradig schwierig.“ Die Absicht des Verkaufs unterstrich beim Bürgergespräch noch einmal Ulrich Allmendinger, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaftskellerei: „Das haben wir schon im Juni 2008 in einem Brief an den OB kundgetan.“
Bestandteil des Rahmenplans, in dem auf die Stärkung und den Erhalt des historischen Ortskerns sowie die Umnutzung bestehender Gebäude und Schließung der Baulücken besonderen Wert gelegt wird, ist auch der Verkehr. Die Kreisstraße 1648 führt durch den Ort und ist mit 2800 Autos pro Tag belastet. „Und es wird zu schnell gefahren, speziell aus Richtung Illingen kommend“, klagte Ortsvorsteher Hans-Dieter Eisinger. Eine besondere Gefahrenstelle sei die Rathauskreuzung – „rechts vor links interessiert hier nur wenige Autofahrer.“ Bei der Verkehrsschau vor einer Woche hätte die Kommission beobachten können, wie innerhalb kürzester Zeit vier Fahrer die Vorfahrtsregel ignoriert hätten.
„Am Ortseingang in der Mühlhäuser Straße wird zu schnell gefahren. Dies beeinträchtigt die Wohnqualität in diesem Bereich. Die Mühlhäuser Straße weist in dieser Stelle konzentriert die meisten Leerstände im ganzen Untersuchungsbereich auf“, heißt es in dem von Stadtplaner Ernst Loos und Julia Scholz präsentierten Rahmenplan. Trotz zahlreicher Geschwindigkeitskontrollen lassen sich Raser nicht abschrecken, bauliche Maßnahmen sollen deshalb den Verkehr bremsen. Auch in der Flößerstraße wird laut Rahmenplan zu schnell gefahren: „Hier sind die Anwohner weniger durch das Verkehrsaufkommen belästigt, vielmehr führt an dieser Stelle das schnelle Fahren zu einer Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit.“ Ein Bürger brachte am Freitagabend auch die Manfred-Behr-Straße ins Spiel: „Das ist manchmal eine regelrechte Rennstrecke.“
Verstärkt ein Dorfplatz
die Parkplatznot?
Vorgeschlagen wird im Rahmenplan auch die Aufwertung des Parkplatzes an der Flößerstraße. „Durch die räumliche Teilung von Straße und Parkplatz könnte hier im Zuge der Neugestaltung auf einer kleinen Fläche zusätzlich ein Dorfplatz entstehen“, regte Stadtplaner Loos an. Dem wurde bei der Bürgerversammlung teilweise widersprochen: Im alten Ortskern herrsche bereits jetzt akute Parkplatznot und durch einen Dorfplatz gebe es noch weniger Parkraum.
In der Sport- und Kulturhalle forderte Ortsvorsteher Eisinger auch einen neuen Radweg – und zwar auf der rechten Enzseite flussabwärts. „Das würde den Enztal-Radweg aufwerten.“ An der Brücke der Bundesstraße 10 seien bereits alle Verbindungen vorhanden, die Radwege aus Illingen, Vaihingen sowie aus östlicher Richtung von Kleinglattbach, Ensingen und Horrheim zusammenzuführen und neu einzufädeln. Die neue Trassenführung würde in Roßwag die Manfred-Behr-Straße sowie die Seemühlenkreuzung wesentlich entlasten.
Oberbürgermeister Maisch bezeichnete einen Radweg auf der anderen Enzseite als „deutliche Verbesserung“. Aber man müsse um solche Projekte kämpfen. Maisch verwies auf knappe Finanzmittel, denn auch der Stadt Vaihingen brechen in den nächsten drei, bis vier Jahre rund 20 Millionen Euro weg. „So ein Radweg ist bestimmt kein Thema, das wir 2010 umsetzen können. Aber wir gehen es an und vielleicht tut es ja einen Rucker.“




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