Montag, 21. Mai 2012

Gnadenhof darf bleiben




Felicia Ruhland füttert die Pferde. Foto: Rücker
Felicia Ruhland füttert die Pferde. Foto: Rücker

Illingen (sr) – Seit zehn Jahren ist der Tier- und Gnadenhof von Felicia Ruhland und ihren Mitstreitern auf dem Heidehof 1 in Illingen angesiedelt. Die Angst davor, den Hof verlassen zu müssen, scheint nun gebannt. Nach Angaben von Ruhland wurde der Pachtvertrag um weitere fünf Jahre verlängert.
Im Dezember lief der seitherige Pachtvertrag für den Aussiedlerhof auf Illinger Markung aus. Wie ein Damoklesschwert schwebte dieser Termin über den Köpfen der Tierschützer um Felicia Ruhland, erste Vorsitzende des Vereins animal hope. Bemühungen, eine neue Heimat für den Tier- und Gnadenhof zu finden, schlugen fehl.
Nun meldet Ruhland, dass der Pachtvertrag um weitere fünf Jahre verlängert wurde, „mit Option auf weitere Verlängerung“. Besitzer und Pächter würden sich mittlerweile auf freundschaftlicher Ebene begegnen, so die 39-Jährige. Sie zeigt sich erleichtert darüber, für die nächsten Jahre eine Zukunft für sich und die derzeit 76 Tiere in Illingen zu sehen. „Ich bin hier wirklich verwurzelt und habe hier meine Freunde, Kontakte und die Tierärzte“, so Ruhland weiter. Auch die animal-hope-Fans, die ihr die Treue halten, würden eine große Stütze ihrer Arbeit darstellen.
Ruhland, Vereinsvorsitzende, Leiterin des Gnadenhofs und der privaten Tierpension, ist seit ihrer Jugend Tierschützerin. Sie ist gelernte Landschaftsgärtnerin und ehemalige deutsche Meisterin im Kickboxen.
Bei der Aktion „Zukunft Gnadenhof“ sparten die Tierschützer Spenden an, um eine neue Heimat finanzieren zu können. 20000 Euro seien für diesen Zweck zusammengekommen. Ruhland: „Die Problematik ist, das wir davon ausgegangen sind, dass wir dieses Jahr hier raus müssen.“ Deshalb habe man nichts in den jetzigen Gnadenhof investiert. Nun hofft Ruhland darauf, dass das Geld vom Finanzamt freigegeben wird. Denn ein gemeinnütziger Verein dürfe „normalerweise keine Schätze“ horten. Das Geld solle nun dazu verwendet werden, die Unterkünfte der Tiere zu verbessern.
„Das Hundehaus hat eine Renovierung bitter nötig“, räumt Ruhland ein. Sie sei auf der Suche nach Handwerkern und weiteren kompetenten Menschen, um die Unterkünfte auf Vordermann zu bringen. Auch im Pferdestall müsse das Dach saniert werden und im Katzenhaus wären Verbesserungen wünschenswert. Ruhland: „Ich denke mal, der Besitzer sieht das mit Wohlwollen.“
Ausschließlich aus Spenden finanziere sich der Verein, wobei der „Hauptsponsor, der uns am Leben erhält“ der Bund deutscher Tierfreunde sei. Aber auch die Futterpaten würden eine Menge leisten. Geld wird immer benötigt. Allein das Zusatzfutter für alte Pferde schlage monatlich mit 400 Euro zu Buche. 28 Hunde, 23 Katzen, 13 Pferde, Ziegen und Schweine, Esel und ein Waschbär werden auf dem Hof von Ruhland und ihren Helfern versorgt.
Viele der Tiere werden aber auch an neue Besitzer weitervermittelt. Vor Weihnachten sei allerdings ihr Hang, Tiere abzugeben, minimiert, so die Gnadenhof-Chefin. Die Entscheidung, sein Leben mit einem Tier zu teilen und vor allem mit welchem, müsse schon jeder selbst treffen dürfen. Da sei es sinnvoller, Gutscheine, beispielsweise für das Tierfutter, zu verschenken.
Betonen möchte die Tierschützerin, dass „die Leute nicht denken, ich bettel nur – ich gebe auch“. Ein kleiner Therapiehof sei inzwischen entstanden, „weil hier Menschen herkommen, die draußen nicht ganz so angenommen werden“. Den Tieren seien Äußerlichkeiten und die Lebensgeschichte der Leute egal. Da sei nur wichtig, dass man sich ihnen freundlich nähert und anständig verhält. In diesem Jahr hat sich Ruhland selbst ein Weihnachtsgeschenk gemacht: Mit ihren Eseln habe sie alle Kindergärten in Illingen besucht. Eine „Mission Weihnachtsmann“, bei der die Kinder sich über die Esel und eine Süßigkeit freuen konnten.
Gestern hatte Ruhland das Vergnügen, einen 500-Euro-Scheck entgegen nehmen zu können. Melanie und Jochen Arlt, Inhaber des Edeka-Aktivmarkts in Illingen, haben Ruhland mit der Summe überrascht. Zum zehnjährigen Betriebsjubiläum wurden Rote und Glühwein an einem Grillstand verkauft. Die Einnahmen bekam Felicia Ruhland gestern überreicht.
Freude bei den Tierschützern: Ganz dringend bezahlt werden müsse noch die Tierarztrechnung für die Impfungen des gesamten Tierbestands von 2500 Euro. Und auch die Rechnung für Heu und Stroh über 9000 Euro sei noch offen.
Die drei Mini-Shetland-Ponys, die beim Fototermin dabei waren, nahmen’s gelassen und die Möhre von Melanie Arlt gerne noch mit.
www.animal-hope.de




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