Montag, 21. Mai 2012

Der neue Wirtschaftsförderer der Stadt Vaihingen






Heiko Deichmann. Foto: Küppers
Heiko Deichmann. Foto: Küppers

Vaihingen (aa). Die Stabsstelle für Wirtschaftsförderung, Kultur und Tourismus bei der Stadtverwaltung Vaihingen ist wieder besetzt. Die Nachfolge von Thorsten Leupold hat Heiko Deichmann angetreten. Was sind seine Ziele? Wie sieht er die Stadt Vaihingen und die Region?

Wie sind Sie auf Vaihingen gekommen?
Vaihingen war eine von verschiedenen Optionen. Da meine Freundin aus der Region Stuttgart stammt, hat es uns in diesen Raum gezogen. Und Vaihingen hat mich auch mehr interessiert als andere Städte. Ich habe mir die Stadt angeguckt; ich war in jedem Ortsteil, habe die Gewerbegebiete angesehen, die Ortskerne, die Innenstadt, auf Beschilderungen geachtet. Man entwickelt natürlich in einem solchen Job ein Auge für bestimmte Dinge. Da sind mir Dinge aufgefallen, die ich gut finde, die ich aber auch als ausbaufähig ansehe.

Was ist für Sie der Reiz der neuen Aufgabe?
Hier kommen vertraute Themen in einer neuen Stadt auf mich zu. Die meisten Themen, die mir in den letzten Tagen schon begegnet sind und noch begegnen werden, sind mir vom Grundsatz her bekannt, denn in gewisser Weise ist eine Kommune wie die andere, aber mit den Spezifika ausgestattet, die jede Stadt einzigartig machen. Insofern liegt für mich der besondere Reiz in der Vermarktung der Gewerbeflächen, aber auch in dem Mix mittelständiger Unternehmen, die es hier zu betreuen gilt. Und ein ganz interessanter Ansatzpunkt, der sicherlich noch ausbaufähig ist, weil er bisher personell nicht berücksichtigt war, ist der Bereich Tourismus.

Was war Ihre erste Aufgabe?
Natürlich das Kennenlernen der Stadtverwaltung. Am Freitag werde ich mich noch im Technischen Rathaus vorstellen. Meine ersten Aufgaben sind geprägt vom Sichten der Vorgänge. Da es ja eine Vakanz nach dem Ausscheiden von Thorsten Leupold gab, muss erkundet werden, was liegen geblieben ist und welche Themen jetzt aktuell sind. Mein Terminkalender ist in der ersten Woche aber schon erstaunlich voll. Ich habe den Eindruck, dass man schon darauf gewartet hat, dass ich bestimmte Dinge übernehme. Am Donnerstagnachmittag bin ich zum Beispiel in Vertretung des OB in Sachen Wirtschaftsförderung in Stuttgart. Im Prinzip bin ich schon mitten drin in der Arbeit.

Wir beurteilen Sie den Wirtschaftsstandort Vaihingen?
Es gibt hier sehr interessante Firmen, die eine vielfältige Mischung ergeben. Das ist gerade in Krisenzeiten wichtig. In Beckum waren wir zum Beispiel extrem abhängig von der Exportlage des Maschinenbaus, die alle im Zementzulieferbereich tätig waren. Hier gibt es nach meiner Einschätzung eine gesunde Mischung. Es sind vor allem auch interessante Flächen am Markt, die sich zudem in einer Randlage einer sehr wirtschaftsstarken Region befinden. Dies in Verbindung mit einer hohen Lebensqualität, die man möglicherweise in Stuttgart nicht findet oder sehr teuer bezahlen muss, macht Vaihingen zu einem sehr interessanten Wirtschaftsstandort.

Wo sehen Sie Potenziale?
Darauf eine Antwort zu geben, ist vielleicht noch ein wenig zu früh. Ich sehe sicherlich Potenziale im Bereich Tourismus. Die vorhandenen Elemente müssen zusammengeführt und nach außen besser dargestellt werden. Was die Potenziale der wirtschaftlichen Entwicklung angeht, muss ich die Situation erst noch besser kennenlernen, um auch zu sehen, wo möglicherweise Schwerpunkte bei der Akquise gebildet werden können.

Werden Sie in der Tradition Ihres Vorgängers die Firmen reihum besuchen?
 Ein ganz wichtiges Element der Wirtschaftsförderung ist für mich die Bestandsarbeit. Insofern habe ich zwar noch keine Zahl definiert, wie viele Betriebe ich im Jahr besuchen werde, aber ich werde sicherlich die Tradition, die auch der OB mit seinen Firmenbesuchen pflegt, fortsetzen. Wenn man miteinander spricht, ist es immer von Vorteil, wenn man sich persönlich kennt. Und letztlich ist es für mich wichtig zu wissen, was in welcher Firma geschieht, um mir so ein umfassendes Bild über die Qualitäten des Wirtschaftsstandortes Vaihingen machen zu können

Wenn man eine neue Arbeit anfängt, hat man sich ein bestimmtes Ziel gesetzt. Wir würden Sie das definieren?
Im Moment will ich das sehr vorsichtig formulieren: Versuchen, das Erfolgreiche noch ein bisschen besser zu machen. Ich finde es schwierig, am vierten Tag zu sagen: Das will ich so, das so machen. Das klingt dann so, als ob man die Arbeit seines Vorgängers nicht schätze. Das ist nicht mein Stil. Und ich weiß ganz einfach noch zu wenig. Das könnten wir vielleicht bei dem berühmten 100-Tage-Interview diskutieren. Ich würde es fast ein wenig unseriös empfinden, wenn ich sagen würde, dass ich so und so viel Quadratmeter Gewerbefläche verkaufen will. Ich weiß, dass erfolgreich gearbeitet wurde von Herrn Leupold in Verbindung mit anderen Kollegen. Das will ich fortsetzen mit dem ehrgeizigen Ziel, da noch eins draufzusetzen.

Wie haben Sie die Stadt und die Region bisher erlebt?
Ich war ja ein paarmal hier unten und habe vor allem bei der Wohnungssuche mit vielen Leuten gesprochen. Ich habe sehr nette Vaihinger Bürgerinnen und Bürger kennengelernt. Die Region empfinde ich landschaftlich sehr reizvoll. Jedes Mal, wenn ich bislang hier war, herrschte gutes Wetter. Ich kann sagen: Wir fühlen uns hier privat auf Anhieb sehr wohl. Das Städtchen gefällt uns, die Umgebung ist schön. Für mich ist der Wohlfühleffekt wichtig, so fällt es mir natürlich viel leichter, die Stadt nach außen hin zu vertreten. Ich bin jetzt schon überzeugt von dem „Produkt Vaihingen“, um es einmal plakativ auszudrücken.

Erwarten Sie Probleme mit dem hiesigen Dialekt?
Nein, ich bin ja nicht völlig unbeleckt was das Schwäbische angeht. Aber ich werde nicht versuchen, den Dialekt sprechen zu lernen. Da bin ich sehr untalentiert. Ich denke, dass ich schon klarkommen werde.

 

 

Heiko Deichmann (39) ist der neue Wirtschaftsförderer der Stadt Vaihingen. Seine Arbeit aufgenommen hat er am 7. Dezember. Am Wolfsberg hat er mit der Freundin und Sohn Benjamin (neun Monate) eine Wohnung gefunden. Deichmann war zuletzt in der 40000-Einwohner-Stadt Beckum (Westfalen) beschäftigt (Fachdienstleiter Wirtschaftsförderung und Flächenmanagement bei der Stadt Beckum). Geboren wurde er in Köln. Deichmann ist Diplom-Geograf. Nach dem Studium war er von 1999 bis 2001 in Kirn an der Nahe als Projektleiter Stadtmarketing tätig. Bis 2005 war Deichmann Amtsleiter Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing in Hockenheim. Da seine Freundin Schwäbin ist, zog es Deichmann in die Region Stuttgart. Deichmann ist sehr gerne mit den Fahrrad unterwegs und ist überzeugter Motorradfahrer, was er jedoch mit Blick auf die familiäre Situation wohl ein wenig in den Hintergrund schieben wird. (aa)


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