Making-off-Abend zum Landesschau-Mobil
Vaihingen (aa). Sie können den Abend so richtig genießen, die Vaihinger Akteure aus der SWR-Sendung „Landesschau-Mobil“. Ganz ohne Stress und Lampenfieber. Im Löwensaal der Stadthalle erleben sie am Dienstagabend die fünf Sendungen, die in der vergangenen Woche ausgestrahlt wurden. Und sie finden sich irgendwie alle gut dargestellt.
Michael Kost, verantwortlicher Redakteur für die Reihe im Dritten Programm, macht bei Brezeln und Wein deutlich: „Überall machen wir das nicht, was wir hier in Vaihingen treiben.“ Zehn, zwölf Mal im Jahr gebe es solche Termine. In Vaihingen habe es dem Team um Sonja Schrecklein und der zuständigen Redakteurin Constanze Holdermann so gut gefallen, dass es gar keine Frage gewesen sei: Eine Nachbetrachtung muss hier sein. Auch wenn der eine oder andere Besucher etwas enttäuscht ist, die Moderatorin nicht persönlich erleben zu können. „Ich bin heute die Ersatz-Sonja“, stellt sich Oberplaner Kost vor, „sie selbst muss noch in Deizisau drehen.“ Ihr habe es schon „a bissle leid getan“, nicht selbst nach Vaihingen kommen zu können.
Seit Januar 2006 läuft die Reihe. Vorher habe es in Deutschland noch kein derartiges Format gegeben. Kost ist schon ein wenig stolz. Rund 200 Orte in Baden-Württemberg habe das Landesschau-Mobil inzwischen besucht, manche auch schon zweimal. Etwa Ludwigsburg. „Doch wir gehen sehr gerne in kleinere Orte, die zwischen 10000 und 40000 Einwohner haben. Sie haben zum Teil eine sehr intensive Struktur, die eine hervorragende Stoffsammlung ermöglicht“, erzählt Kost. Und Baden-Württemberg sei ein hoch interessantes Land mit interessanten Menschen.
Drei Minuten und fünfundvierzig Sekunden dauern die Filme, die da als Überleitung zur Nachrichtensendung „Baden-Württemberg aktuell“ am Ende der Landesschau zu sehen sind. Dass jede Menge Arbeit in dieser verhältnismäßig kurzen Zeitspanne stecken, wird den Gästen am Dienstagabend deutlich gemacht. Dazu dient unter anderem der neue „Making-off-Streifen“, der in Vaihingen Premiere hat. Sechs bis acht Wochen Vorlauf braucht es, bis die Geschichten im Kasten sind. Die Stadt unterm Kaltenstein ist im September auf die Agenda gekommen. Kontaktaufnahme mit dem Rathaus: „Was könnt ihr uns empfehlen?“ Martina Fischer, Pressesprecherin der Stadtverwaltung, kann jede Menge Themen anbieten. Constanze Holdermann beginnt zu recherchieren. Was könnte einen bunten Querschnitt durch die Stadt ergeben? In der zweiten Novemberwoche wird gedreht. Damit ist es jedoch noch lange nicht getan. Schneiden, Ton bearbeiten, der Off-Text muss zu den Bildern aufgesprochen werden. Das zieht sich.
Erste Buchung für Kellerführung am nächsten Morgen
Andrea Majer gibt es zu. „Ich hatte irrsinnig Lampenfieber.“ Die Mitarbeiterin im Stadtarchiv wurde am 9. November vor die Kamera gebeten. Sie hat die Schlussansage im Pulverturm ohne jeglichen Stolperer auf Anhieb geschafft – obwohl ihr die Frage nicht bekannt war. Dass die Roßwager Halde so geheim sei, dass sie kaum einer kenne, meint Constanze Holdermann im Löwensaal. „Ho, ho“, tönt es ihr entgegen. Knut Berberich führte in der zweiten Folge kurz durch die Keller der Kernstadt. Er hätte noch so viel zu erzählen gehabt. Doch er hat im Nachklang sein Erfolgserlebnis. „Nach der Sendung hatte ich am anderen Tag um dreiviertel neun schon einen Anruf eines Sportvereinsmannes aus Neckarweihingen, der eine Führung buchen wollte“, verrät er im Gespräch.
Holdermann berichtet vom „Strauß der Themen“, der ihr aus dem Rathaus angeboten wurde. Und wie sie dann an den fünf Beiträgen hängen geblieben ist. Zum Beispiel am Jugenddorf, wo jungen Menschen eine Richtung gegeben werde, bei Lösomat auf dem „Perfekten Standort“. Bei der Indiaca-Truppe des TSV Enzweihingen. „So herzlich habe ich die Sonja Schrecklein noch selten lachen gesehen“, meint Michael Kost, als sich die Moderatorin im letzten Film aus Enzweihingen kaum noch einbekommt ob des zersausten Spielgerätes. Auch Inge Zimmermann, die in dem Film zu sehen ist, zeigt sich am Dienstag zufrieden mit der Darstellung: „Es hat uns allen unheimlich Spaß gemacht.“
Michael Kost stimmt noch etwas Eigenlob an: „Große Themen können alle, doch die Regionalsendungen sind die Stärken der Dritten Programme.“ Das sei wie mit der Zeitung vor Ort: „Man ist direkt an den Menschen.“ Jeder Ort in Baden-Württemberg komme irgendwann dran, wird versprochen. „Und ich kann mir vorstellen, dass wir in ein, zwei Jahren wieder mal nach Vaihingen kommen. Sie können also vor Attentaten nicht gefeit sein.“ „Wir sind gerne Gastgeber für sie“, meint zu dieser „Drohung“ Oberbürgermeister Gerd Maisch. Und es sei ja kein Problem, die Stadt schön darzustellen, „sie ist ja schön“.
Derzeit sendet das Landesschau-Mobil übrigens aus Müllheim in Südbaden. Nächste Woche ist Fellbach dran. Und aktuell laufen die Dreharbeiten in Kornwestheim (zu sehen ab 11. Januar).
