Roßwag (aa). Der Rahmenplan für den Ortskern Roßwag wird am Freitag (11. Dezember, 19 Uhr) beim Bürgergespräch in der Sport- und Kulturhalle vorgestellt. Gedanken über die Entwicklung des Ortes macht sich schon seit vielen Jahren ein kleiner Verein, die Gemeinschaft Ortsbild Roßwag. Ein Rückblick auf 30 Jahre GOR.
Um das Jahr 1978 hat es hauptsächlich damit angefangen, dass sich einige Roßwager geärgert haben. Es ging um die Planung für ein Makadamwerk im Steinbruch. Bald fanden sich ein paar Gleichgesinnte, die verhindern wollten, dass schwere Lkw rund um die Uhr im Vier-Minuten-Takt die Straßen in und um Roßwag bevölkern sollten. Der Protest hatte übrigens Erfolg.
Man traf sich mehr oder weniger regelmäßig. Bald fanden sich weitere Themen von gemeinsamem Interesse. So kam es schließlich zur Gründung der GOR und 1979 zur Eintragung ins Vereinsregister. 17 Gründungsmitglieder haben damals den jungen Verein unter der Führung von Professor Christoph Brudi auf den Weg gebracht. Schwerpunkt der Vereinstätigkeit laut Satzung war von Anfang an und ist immer noch die Erhaltung und Förderung der natürlichen, historischen und kulturellen Grundlagen des Ortes.
Gespräche mit einer Delegation des Landratsamtes Ludwigsburg unter Leitung von Landrat Dr. Ulrich Hartmann folgten 1980. Schwerpunktmäßig ging es um die Gestaltung der Ortsdurchfahrt in Richtung Mühlhausen, vor allem in Bezug auf Straßenbelag (Pflasterung) und die Verbesserung der Beleuchtung auf der Basis von Vorschlägen, die die GOR ein Jahr zuvor vorgelegt hatte. Daneben kamen auch die Zukunft der Roßwager Grundschule und die mögliche Ausweisung des Altwassers als Naturdenkmal zur Sprache.
Auch die Roßwager Enzputzete geht auf eine Initiative der GOR zurück. Seit 1980 wird jährlich das Enzufer vom angeschwemmten und weggeworfenen Unrat gereinigt. Seit 1984 ist die Markungsputzete eine gemeinsame Aktion der Roßwager Vereine. Ein weiterer Meilenstein war 1981 die Renovierung des alten Roßwager Friedhofshäuschens von 1506 unter maßgeblicher Beteiligung der GOR.
Renaturierung des Enzbettes
als besonderes Anliegen
Ein besonderes Anliegen der GOR war die Renaturierung des Altwassers rund 500 Meter südlich von Roßwag östlich des heutigen Enzbettes, das von den Enzkorrektionen von 1839 und 1847 übrig geblieben war. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Enz-Altarme als Auffüllfläche missbraucht worden; nun sollten sie wieder renaturiert werden. In einer gemeinsamen Initiative der GOR mit der Oberen Naturschutzbehörde in Stuttgart wurde in zwei Aktionen 1985 und 1987 eine Teichkette angelegt und damit die Voraussetzung für neues Leben im Altwasser geschaffen. Seit dieser Zeit hat die GOR die Pflegepacht für dieses Biotop, das 1984 gemeinsam mit dem Roten Rain unter Naturschutz gestellt wurde. Seit einigen Jahren wird ein durchaus erfolgversprechender Kampf gegen die Invasion des Indischen Springkrautes geführt.
Der Rote Rain, im Nordwesten der Roßwager Markungsfläche im Anschluss an das Weinbaugebiet Wolfsheulen gelegen, ist eine ehemalige Schafweide. Die Freihaltung beziehungsweise Freilegung dieser Trockenrasenfläche ist seit langem ein Anliegen der GOR. Seit 1985 wird gemeinsam mit dem BUND-Bezirksverband Vaihingen jährlich eine Mähaktion durchgeführt. Um allerdings größere Flächen freizumachen und den wertvollen Trockenrasengesellschaften wieder die Möglichkeit zur Entfaltung zu geben, war jedoch der Einsatz von schwerem Gerät notwendig. Im Winter 1990/91 rückte ein Pflegetrupp im Auftrag der oberen Natursschutzbehörde an. Die Aktion sorgte in Roßwag damals für gehörige Irritationen. Von einer Nacht-und-Nebel-Aktion des Naturschutzes war die Rede. Dabei wäre es ein leichtes gewesen, die Wogen zu glätten, schließlich war das Projekt einige Monate vorher detailliert im Ortschaftsrat vorgestellt und gutgeheißen worden.
Eine große Sache war in der Mitte der 90er-Jahre der Widerstand gegen die vom Enzkreis geplante Mülldeponie am Hochberg zwischen Mühlacker und Illingen. Da die Grundwasserströme in seinem Bereich weitgehend unbekannt sind, drohte ein Verlust der Nutzungsmöglichkeit für das Roßwager Wasser aus der Quelle der Pfingstweide. Widerstand formierte sich. Eine Bürgerinitiative umfasste mehr als zwölf Organisationen, natürlich auch die GOR. Eine zentrale Demonstration wurde organisiert und brachte fast 1000 Menschen auf die Beine. Die langwierige und teure Planung erwies sich letztlich als gigantische Seifenblase. Für den Deponiestandort Hochberg gab es keinen Bedarf – dank der 1993 verabschiedeten TA Siedlungsabfall gingen die Müllmengen stark zurück.
Seit vielen Jahren beteiligt sich die GOR jedes Jahr am Vaihinger Sommerferienprogramm und bietet den Kindern eine Wanderung durch die Natur mit anschließendem Nistkastenbau an. Rund 500 Nistkästen dürften im Lauf der Jahre mit diesem Projekt entstanden sein und in und um Vaihingen der heimischen Vogelwelt als Nisthilfe dienen.
Um zum Bürgergespräch am Freitag zurückzukommen. Es ist davon auszugehen, dass die Mitglieder der GOR da sicher was zu sagen haben, wenn es um einen Rahmenplan für den historischen Ortskern geht. Weiterer Punkt in der Versammlung ist übrigens der Neubau der Enzbrücke (Sachstandsbericht). Auch diesem Thema hat sich der Verein in seinen Mitteilungen Nummer 7 gewidmet.
