Keine funkelnde Pracht über Vaihingen?
Vaihingen (elf) – Ein neues Bundesgesetz schreibt vor, dass in der Nähe von Fachwerkhäusern keine Feuerwerkskörper und Böller mehr gezündet werden dürfen. Wird es also an Silvester über der Vaihinger Innenstadt keine funkelnde Pracht mehr geben? Die Vaihinger Kreiszeitung hat nachgefragt.
Donnerstag, 1. Januar 2009, 0.05 Uhr. Rosalia und Pietro Bono aus Vaihingen stehen mit ihrer Familie auf dem Marktplatz, um sich das Feuerwerk zum Jahresbeginn anzusehen. Selbst haben sie keinen Spaß am Abfeuern von Böllern und Raketen. Kurz vor halbeins kommen sie wieder zurück zu ihrem Haus in der Auricher Straße. Dort werfen die Kinder ein paar Knallerbsen in die Luft, als Rosalia Bono im Dachbereich Rauchentwicklung wahrnimmt. So lange sie den Notruf wählt, rennen ihr Mann und einer ihrer beiden Söhne ins Haus, um Löschmaßnahmen zu ergreifen. Doch der Rauch versperrt die Sicht und erschwert das Atmen. Pietro Bono führt seinen Sohn wieder aus dem Haus. Er wird anschließend mit Rauchvergiftung für zwei Tage ins Krankenhaus eingeliefert. Während die Feuerwehr dem Feuer im Dachstuhl zuleibe rückt, guckt die Familie Bono fassungslos zu. An ein Wohnen in ihrem Haus ist vorerst nicht mehr zu denken. Als Brandursache werden Feuerwerkskörper angenommen.
Für zwei Nächte kommen sie bei der Freundin ihres Sohnes unter. Anschließend mieten sie eine Mitarbeiterwohnung von Eisdielenbesitzer Angelo Bianchi an. Sieben Monate wohnen Rosalia und Pietro Bono mit ihren Söhnen Giuseppe und Maurizio dort – erst am 31. Juli können sie wieder in ihr renoviertes Haus einziehen. Inzwischen hat die Familie den Schock verdaut. Doch so kurz vor dem Jahreswechsel macht sich vor allem Rosalia Bono Gedanken: „Ich hoffe, dass in der Innenstadt keine Feuerwerkskörper abgeschossen werden.“
Die Hoffnung der Familie Bono könnte sich durchaus erfüllen, denn nach einem neuen Bundesgesetz ist es künftig wegen der erhöhten Brandgefahr verboten, in unmittelbarer Nähe zu Fachwerkhäusern Feuerwerkskörper anzuzünden. Wie dieses Gesetz allerdings in der Praxis umgesetzt wird, weiß noch keiner so genau. „Laut Information des Städtetags wird es noch vor Silvester einen entsprechenden Erlass seitens des Innenministeriums geben“, sagte Martina Fischer, Pressesprecherin der Stadt Vaihingen, auf Anfrage. Bei der Landesregierung ist aber mittlerweile das Umweltministerium zuständig. Dort wies Pressesprecher Karl Franz darauf hin, dass in dem Erlass lediglich auf das neue Gesetz hingewiesen wird. In den Entscheidungen darüber, wo das Abbrennen von Feuerwerkskörpern künftig verboten sein wird, seien die Städte auch künftig sehr frei. „Es wird weiterhin einen großen Ermessungsspielraum geben“, sagte Franz. Die Städte hätten das Verbot in den gefährdeten Gebieten umzusetzen und die entsprechenden Grenzen festzulegen. Damit unterscheidet sich die neue Regelung nicht wesentlich von der alten. Auch seither konnten die Städte im Rahmen des Polizeirechts festlegen, wo Raketen gezündet werden dürfen.
Bei der Stadt Vaihingen ging man bislang sehr großzügig damit um. „Es gibt keine formellen Regelungen über das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände“, sagte Martina Fischer. Lediglich bei vereinzelten Anfragen zum Abbrennen von Feuerwerk anlässlich von runden Geburtstagen wurden vom Ordnungsamt der Marktplatz und eng bebaute Bereiche ausgegrenzt. Gut möglich also, dass mit dem neuen Bundesgesetz diese Regelung auch an Silvester gilt. „Schließlich ist die unmittelbare Nähe zu Fachwerkhäusern im gesamten Innenstadtbereich gegeben“, so Fischer. Dazu zähle sie mindestens den Marktplatz, die Fußgängerzone sowie die umliegenden Gassen. Wenn der Erlass der Landesregierung zum Bundesgesetz bei der Stadtverwaltung eintrifft, werde die weitere Vorgehensweise entschieden und im Amtsblatt über die geltenden Regelungen informiert.
Stellt sich die Frage nach der Überwachung des Verbots. „Wir haben unseren privaten Wachdienst bereits auf das Thema angesprochen“, sagte die Pressesprecherin der Stadt und verwies darüber hinaus auf die Polizei. Dort sagte Pressesprecher Peter Widenhorn, dass die Beamten im Rahmen ihres Streifendienstes darauf achten würden, ob Raketen und Böller verbotenerweise gezündet werden. Aber: „Eine lückenlose Überwachung ist nicht möglich“, so Widenhorn. Rosalia und Pietro Bono werden an Silvester also ganz genau aufpassen, ob sich wieder ein Feuerwerkskörper ins Haus bohrt.

