Vaihingen (rkü) – Eine Neujahrsnacht ohne Feuerwerk, das mit krachenden Böllern und vielfältigen Lichteffekten aufwartet, ist hierzulande kaum vorstellbar. Seit gestern herrscht wieder Hochbetrieb in den Geschäften, die Feuerwerkskörper anbieten. Zugleich warnen Polizei und Feuerwehr vor den Gefahren, die das Böllern mit sich bringt.
Ein Trend lässt sich schon seit vielen Jahren erkennen: In Deutschland werden immer weniger Böller verkauft, die ausschließlich einen Knalleffekt haben. Dafür nimmt die Beliebtheit von Feuerwerk in Form von Raketen oder Vulkanen ständig zu.
Insbesondere die Feuerwerksbatterien mit einer großen Zahl von Leuchtkugeln oder anderen Effekten finden großen Absatz. Auch Sortimente aus unterschiedlichen Raketen sind gefragt. Beim Vaihinger Baumarkt Bergle hieß es gestern Mittag allerdings noch: „Der große Ansturm kommt immer erst kurz vorm Schluss, der erste Tag beginnt bei uns immer etwas verhalten.“
Ein Problem bringt jede Form von Feuerwerk mit sich: Die hohe Verletzungs- und Brandgefahr. Darum gibt es strenge Vorschriften, was die Abgabe und das Abbrennen der pyrotechnischen Produkte angeht, die streng genommen kleine Sprengkörper sind. Immerhin ist ihr Hauptbestandteil Schwarzpulver. Um die Farbeffekte zu steuern, werden weitere Stoffe beigemengt. Oft sind dies Salze verschiedener Metalle wie Natrium (gelb), Barium (grün), Strontium (rot), Kalium (violett) oder Kupfer (blau). Egal wie bunt die Hülse einer Rakete bedruckt ist – beim Zünden bleibt jedes Mal der Nervenkitzel: Wie wird sie wohl leuchten, wenn sie am Himmel zerplatzt?
Spannung herrscht aber nicht nur bei all denen, die Böller und Raketen zünden, sondern auch bei den Helfern der Rettungsdienste. Die Neujahrsnacht bringt ihnen besonders viele Einsätze. Darum haben sie zahlreiche Tipps zusammengestellt, wie man sich vor Gefahren schützen kann. So sollten beispielsweise Balkontüren und Fenster, insbesondere Dachfenster, in der Neujahrsnacht geschlossen bleiben. Auch sollte Gerümpel von Balkonen und Terrassen entfernt werden. Fehlgeleitete oder vorzeitig abgestürzte Raketen, aber auch achtlos dorthin geworfene Knallkörper könnten sonst durchaus für einen Brand sorgen.
Die Feuerwehr warnt davor, Blindgänger noch einmal anzuzünden, wenn die Zündschnur nicht mehr original erhalten ist. Feuerwerk in geschlossenen Räumen abzubrennen, ist ohnehin nicht angesagt. Eine Ausnahme bildet Tischfeuerwerk. Allerdings sollte dann beachtet werden, dass die Dekoration bei privaten Silvesterpartys oft sehr gut brennbar ist.
Das Abbrennen von Feuerwerk ist nur an Silvester und Neujahr gestattet, jeweils ganztägig. In Deutschland sind ausschließlich Feuerwerkskörper mit einer Zulassung des Bundesamts für Materialforschung (BAM) erlaubt. Aus dem Ausland selbst importierte Böller sind ebenso verboten wie Eigenbauten, weil diese ein unkalkulierbares Risiko darstellen.
Aus Sicht von Umweltschützern verursacht das Abbrennen eines pompösen Silvesterfeuerwerks noch ganz andere Probleme. Raketen, die irgendwo im Grünen landen und nicht wieder eingesammelt werden, geben ihre giftigen Inhaltsstoffe im Lauf der Zeit an die Umgebung ab. Und die Feinstaubbelastung in der Neujahrsnacht ist gewaltig.
Doch deshalb an der Tradition des Feuerwerks zu rütteln, kommt für viele Menschen nicht in Frage. Hunde wären da wohl anderer Meinung – viele Vierbeiner verkriechen sich Jahr für Jahr ins hinterste Eck der Wohnung und sehnen das Ende der Knallerei herbei.
