Eberdingen – Die evangelische Kirche in Eberdingen wird saniert. Rund 450 Jahren nach dem Bau des Gotteshauses war die Dachkonstruktion marode. Aber auch der Innenraum soll auf Vordermann gebracht werden. Insgesamt kostet die Sanierung die Kirchengemeinde knapp 550000 Euro.
Insekten, Pilzbefall und Feuchtigkeit haben der Eberdinger Kirche in den vergangenen 450 Jahren ordentlich zugesetzt. Immer wieder wurden deshalb zum Beispiel kleine Teile des Dachstuhls erneuert – mal mehr, mal weniger professionell. Seit Oktober wird die Konstruktion deshalb komplett saniert. „Mit kosmetischen Eingriffen war da nichts mehr zu machen“, versichert Michael Truckses vom gleichnamigen Eberdinger Holzbau- und Restaurationsbetrieb.
Mit seinem Team fand Truckses ein wüstes Bild vor: lose, fehlende und gebrochene Dachziegel, einige marode Hölzer in der Dachkonstruktion und Risse im Mauerwerk der evangelischen Kirche, die erkennbar immer größer wurden. Das ganze Ausmaß wurde aber erst deutlich, als der Fachmann das Dach öffnen ließ. „Schnell war klar, dass der Dachstuhl generalüberholt werden muss“, sagt Michael Truckses. Schuld daran sind neben Holzpilzen, die das Gebälk von Innen her verrotten lassen, auch Insekten, wie zum Beispiel die Holzbiene. Dieses Tier nagt Gänge in Holzbalken und legt ihre Eier darin ab.
„Das Dach war so angefressen, dass gehandelt werden musste, die Statik war in Gefahr“, sagt Baustatiker Wolfgang Grözinger aus Eberdingen. Die Bauarbeiten am Dach schlagen mit etwa 250000 Euro zu Buche. Dafür hat das Team von Truckses, das auch schon die Stephanuskirche in Riet und das Sachsenheimer Lichtenstern-Gymnasium saniert hat, etwa 500 Quadratmeter Dachfläche von Ziegeln befreit, kaputte Balken heraus genommen und neue eingesetzt. „Die Hölzer, die noch gut waren, haben wir aber nicht angerührt.“ Zum Teil wurden neue und alte Balken sogar aufwendig zusammengefügt. „Das haben wir mit einem speziellen Kleber und mit Eichennägeln gemacht“, erklärt Truckses, dem viel daran lag, den Dachstuhl so originalgetreu wie möglich zu sanieren. Natürlich sei es auch möglich gewesen, eine günstigere Stahlkonstruktion zu entwerfen, das hätte er jedoch den Erbauern der Kirche gegenüber als respektlos eingestuft.
Auf die neuen Balken wurden massive Holzbretter aufgebracht. „Auf diese Verschalung kommen jetzt Dachpappe und zum größten Teil neue Ziegel“, erläutert der Fachmann. Aber auch manche der alten Dachziegel werden wieder verwendet. Für etwa 50 Quadratmeter reiche das vorhandene Material aus, sagt der zuständige Architekt Wolfgang Paul vom Sachsenheimer Büro Paul und Paul. Dass das so ist, ist für die Kirchengemeinde ein kleiner Segen. Pfarrerin Dorothee Lächler: „Jeder Bürger konnte gegen eine Spende von 25 Euro seinen Namen auf einen der Dachziegel schreiben und sich so verewigen.“ Durch die Aktion kamen etwa 5000 Euro zusammen. Im Vergleich zu den 550000 Euro, die die Restaurierung der Martinskirche insgesamt verschlingt, zwar keine große Summe, aber ein guter Anfang.
Die Arbeiten am Kirchendach dauern noch bis zum März des kommenden Jahres – über die Weihnachtsfeiertage und zwischen den Jahren legen die Restauratoren eine Pause ein. Nach Ostern geht es dann im Innenraum der Kirche weiter. „Wir brauchen eine neue Elektrik, eine neue Heizung und einen frischen Anstrich für die Wände“, fasst Pfarrerin Dorothee Lächler zusammen. Die Heizungsanlage soll nach Möglichkeit mit erneuerbaren Energieträgern betrieben werden. „Aber darüber müssen wir noch mit den Ämtern diskutieren“, sagt Lächler.
Bei der Renovierung des Innenraums hat die evangelische Pfarrerin einen besonderen Wunsch. Die Eberdinger Martinskirche soll moderner werden. Geplant ist deshalb eine fest angebrachte Leinwand, eine Verdunklungsanlage und zugehörige Elektronik. „Dann können wir ganz andere Gottesdienste feiern.“ Heute um 16.30 Uhr zur Messe am Heiligen Abend kommt die Pfarrerin aber noch ohne moderne Technik aus
Philipp-Marc Schmid
