Montag, 21. Mai 2012

Baufirma Bramm verkauft




Bramm-Firmensitz in Horrheim. Foto: Arning
Bramm-Firmensitz in Horrheim. Foto: Arning

Horrheim (aa) – Da soll kein falscher Eindruck entstehen: Das Horrheimer Bauunternehmen Bramm wird nicht aus der Not heraus verkauft. Zum 1. Januar 2009 erfolgt eine Übertragung auf die Grund- und Sonderbau GmbH (GSB) mit Sitz in Berlin, einer Tochter des österreichischen Konzerns Alpine Bau. Horst und Klaus Bramm haben gegenüber der Vaihinger Kreiszeitung Stellung bezogen.
Natürlich wird geschwätzt. Es wäre nicht normal, wenn die Leute nicht über den „Fall Bramm" reden würden. Bei der Geschäftsleitung hat man sich jedoch nichts vorzuwerfen. „Wir sind ein durch und durch gesundes Unternehmen“, betont Klaus Bramm (62). Doch vor dem Hintergrund der Globalisierung und einer mittelstandsfeindlichen Politik, wie es Horst Bramm (70) bezeichnet, habe man nach Lösungen gesucht, um die Zukunft der Firma und die rund 80 Arbeitsplätze nachhaltig zu sichern.
Horst Bramm erklärt die Situation: „Als Spezialunternehmen treten wir in aller Regel vor allem für kommunale Aufträge in Bietergemeinschaften auf. Unser Gewerk hat dabei nur einen begrenzten Umfang. Wir stehen jedoch in der Verpflichtung für den gesamten Auftrag. Das kann von einem Mittelständler nicht geschultert werden.“ Natürlich sei auch an eine Weiterführung in Familienhand gedacht gewesen. „Wir haben die Risiken aber als unzumutbar eingestuft“, sagen Horst und Klaus Bramm. Und: „Wir sind drei Brüder und haben jeweils vier Kinder. Dazu die Partner. Darauf wollten wir uns nicht einlassen.“ Dazu kommt noch die in ihren Augen unsägliche Erbschaftssteuerregelung. Wer könne denn garantieren, dass er die Firma noch zehn Jahre weiter führe?
Bramm ist mit seinen Problemlösungen unter schwierigsten Bedingungen eine absolute Top-Adresse. Die Spezialisten „unterfahren“ Schienen und Straßen, Industrieanlagen und sogar Gewässer (wie jetzt den Stuttgarter Hafen oder den Main bei Würzburg). Ende der 90er-Jahre bohrten sie unter anderem einen Versorgungstunnel quer durch Tel Aviv.
Seit April laufen die Verhandlungen für die Übernahme des Betriebes (Jahresumsatz um die 20 Millionen Euro). Entschieden hat man sich für die Grund- und Sonderbau GmbH, die unter dem Dach des Alpine Konzerns – er hat 2002 als Generalunternehmer den Auftrag zum Bau der Münchner Allianz-Arena erhalten – angesiedelt ist. Der Alpine Konzern hatte 2007 eine Bauleistung von 2,6 Milliarden Euro und eine Bilanzsumme von 1,7 Milliarden. Die Zahl der Mitarbeiter lag bei 13600, davon 1500 in Deutschland. Die Tochter GSB gilt wie Bramm als Top-Adresse in Sachen Rohrvortrieb und Tunnelbau.
 In der vergangenen Woche wurden die Verträge unterschrieben. „Es dürfte jetzt eigentlich nichts mehr schief gehen“, sagt Horst Bramm. Wie hoch die Zahlungen an Bramm sind, will man nicht unbedingt in der Öffentlichkeit ausbreiten.
Das gesamte Personal
wird übernommen
Ende November sind die Mitarbeiter informiert worden. Der neue Eigentümer hat zugesagt, das gesamte Personal der Firma H. Bramm GmbH zu übernehmen. Die Übertragung erfolgt zum 1. Januar 2009 im Wege der Einzelrechtsnachfolge. Übernommen werden Betriebsmittel (Geräte, Maschinen, Fuhrpark). Grundstück und Gebäude bleiben in Bramm-Besitz und werden vermietet.
Die Arbeitsverhältnisse gehen mit allen Rechten und Pflichten auf die GSB über. Das Berliner Unternehmen wird alle unverändert fortbestehenden arbeitsrechtlichen Gegebenheiten übernehmen. Die Regelungen aus den Tarifverträgen für die Bauwirtschaft gelten weiter. Für eventuell anstehende offene Forderungen steht Bramm für ein Jahr weiter als Schuldner zur Verfügung. Ganz wichtig: Im Zusammenhang mit dem Betriebsübergang werden keine Kündigungen ausgesprochen, doch ist in einem Brief an die Mitarbeiter der Satz eingebaut worden, „dass damit betriebs- und verhaltensbedingte Kündigungen nicht grundsätzlich ausgeschlossen sind".
„Der Wechsel des Arbeitgebers konnte unseren Mitarbeitern, die uns zum Teil schon bis zu 40 Jahre die Treue halten, natürlich nicht aufgezwungen werden“, erklärt Klaus Bramm. Es habe die Möglichkeit bestanden, innerhalb eines Monats zu kündigen. „Doch davon hat niemand Gebrauch gemacht.“
„Wir hatten 2008 ein sehr gutes Jahr“, räumt Horst Bramm, der seit 56 Jahren im Betrieb ist, ein, „auch wenn das Auslandsgeschäft durch den starken Euro immer härter wird.“ Der 70-Jährige wird weiterhin beratend tätig sein (und auch weitere Familienmitglieder bleiben auf der Lohnliste), doch ansonsten werde in Horrheim sicher ein neuer Geschäftsführer aufziehen. Die Baustellen „laufen“ wie gewohnt weiter. „Wir sind zuversichtlich, dass sich bei der GSB eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickeln wird“, meinen die Geschäftsführer.




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