Oberriexingen (vg) – Eine schöne Tradition ist das alljährliche Jahreskonzert des Musikvereins am Vorabend des 4. Advents. Wenn die meisten Festvorbereitungen getroffen sind und der Stress der Vorfreude auf die Feiertage weicht, geben die Mitglieder der Stadtkapelle nochmals alles, um die Oberriexinger musikalisch auf den Jahresausklang einzustimmen.
Besonders gespannt durfte man diesmal auf die Vorstellung der beiden neuen Dirigenten des Großen Orchesters und der Jugendkapelle, Berthold Huss und Jochen Rendle, sein. Ersterer hatte vor genau einem Jahr den Dirigentenstab von Peter Kaltenbrunn übernommen, während letzterem erst im September die Leitung des Nachwuchsorchesters übertragen wurde. Beide hatten ein sehr vielfältiges Programm vorbereitet.
Dabei präsentierten die jüngsten Aktiven des Vereins interessante Titel wie den fröhlich-fetzigen „Limbo Rock“, „Die Schöne und das Biest“ oder „Eye of the Tiger“. Dieses Stück aus dem bekannten „Rocky“-Film wurde zunächst nur mit einem Instrument, den sogenannten Moon-Whackers gespielt, wobei die verschieden langen und dicken Röhren jeweils einen bestimmten Ton produzieren. Anschließend gaben die 30 Jugendlichen ab zehn Jahren dann die Vollversion zum Besten. Die größte Herausforderung bot laut Jochen Rendle aber sicherlich die Komposition „Viking Legend“ von Elliot DelBorgo, in dem die Geschichte eines Wikinger-Dorfs erzählt wird und das durch sehr ungewohnte Akkorde und Rhythmen keine leichte Übungs- und Hörkost darstellte. Die zahlreichen Gäste honorierte diesen Mut und die gesamte Leistung mit großem Applaus.
Nach kurzem Stuhlwechsel und der offiziellen Begrüßung durch den Vorsitzenden Holger Veit begann das Große Orchester mit Berthold Huss sehr feierlich und traditionell mit „Des Großen Kurfürsten Reitermarsch“, einem eindrucksvollen Armeemarsch von 1892, der nach Aussage des Dirigenten heute oft zum Großen Zapfenstreich gespielt wird. Der Schwieberdinger hatte zwar 2008 bereits einige Auftritte mit der Stadtkapelle Oberriexingen, das Jahreskonzert stellte aber sicherlich die erste große Bewährungsprobe für ihn dar – zumal vor den Ohren seines Vorgängers, der später als stellvertretender Kreisverbandsvorsitzender die Ehrungen vornahm. Bestens vorbereitet und zusammen mit den rund 45 Musikern meisterte er diese jedoch bravourös mit eigenem Stil.
Ein ganz besonderes Werk, das man laut Holger Veit als Reminiszenz an die schöne Konzertreise im Sommer nach Außervillgraten gewählt hatte, entführte das Publikum dann zurück ins „Tirol 1809“. Bei dieser dreiteiligen Suite von Sepp Tanzer über den Aufstand, Freiheitskampf und Sieg der Österreicher gegen Napoléons Truppen konnte das Orchester all sein Können zeigen. Die dramatischen Klänge erschienen wie eine Filmmusik, die Bilder der historischen Ereignisse vor den Augen der Zuhörer erzeugte, so dass Berthold Huss mit seinem angekündigten „Tongemälde“ nicht zu viel versprochen hatte.
Mit „Highland Cathedral“ des deutschen Komponisten Michael Korb, einer der mittlerweile weltweit bekanntesten Dudelsackmelodien, leitete man anschließend in die Ehrungen über – und derer gab es einige. Insgesamt wurden 30 fördernde und aktive Mitglieder für ihre langjährigen Vereinsverdienste ausgezeichnet. Darunter waren Werner Weis für 50 Jahre sowie Alfred Arnold, Herbert Bing, Willi Brett, Paul Essich, Karl Faigle und Rudolf Schank für 60 Jahre Mitgliedschaft. Besonders zu erwähnen sind außerdem zwei Aktive des Musikvereins, die nicht nur seit 50 Jahren mit Trompete und Tenorhorn in der Stadtkapelle musizieren, sondern darüber hinaus stets zur Stelle sind, wenn Hilfe benötigt wird und damit das „wichtigste Gut eines Vereins“ darstellen, wie Peter Kaltenbrunn bei der Ehrung erklärte: Hansmartin Essich und Heinz Veit. Sie wurden zudem zusammen mit Eckhardt F.W. Eulenberger unter großem Beifall zu neuen Ehrenmitgliedern ernannt.
Aus der Pause tanzte das Große Orchester mit dem temporeichen Stück „Lord of the Dance“ der gleichnamigen irischen Show und begab sich dann mit dem gleichen Thema nach Amerika. „Der mit dem Wolf tanzt“, das Oscar-gekrönte Kinoabenteuer mit Kevin Costner, bot dabei ein Akustikspektakel besonderer Güte. Viel weihnachtlichen „Rhythme and Groove“ verbreitete dagegen der „Ochs und Esel Blues“, bei dem Manuel Kronenberg mit seinem Saxofon-Solo glänzte. Als fulminantes Konzertfinale präsentierte das Große Orchester schließlich „An der schönen blauen Donau“, den berühmten Walzer von Johann Strauß, der laut Dirigentenansage als heimliche österreichische Nationalhymne stets den Jahreswechsel bei unseren Nachbarn einleitet. Die vom begeisterten Publikum eingeforderten Zugaben „Best of the Beatles“ und das Medley „Die Winterrose“ mit bekannten deutschen Weihnachtsliedern entließen die Gäste in passender Festtagsstimmung.
