Sersheim (sf) – Nach jüngsten Erkenntnissen ist die Summe, die eine Mitarbeiterin des Sersheimer Rathauses veruntreut haben soll, noch deutlich höher, als zunächst gedacht. Gingen die Verantwortlichen des Rathauses vor gut einem Monat noch von 220000 Euro aus, stehen jetzt 490000 Euro im Raum.
„Es ist ein überaus schockierender Vorgang.“ Bürgermeister Jürgen Scholz stand das Entsetzen über den Vertrauensmissbrauch im eigenen Rathausteam noch ins Gesicht geschrieben. Doch nicht nur er, auch die Kollegen waren offenbar entsetzt, als sie von dem Untreueverdacht, der sich zwischenzeitlich noch verschlimmert hat, erfuhren. „Alle sind mehr oder weniger stark angeschlagen“, berichtete Scholz, der den Gemeinderat bereits im Vorfeld der Sitzung vom Donnerstagabend informiert hatte. „Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind teilweise über Gebühr beansprucht und zeigen Verschleißerscheinungen.“
In einer vorab formulierten Pressemitteilung – „mehr kann und darf ich dazu im Moment nicht sagen“, – die Scholz am Donnerstagabend verteilte, heißt es: „Nachdem die Prüfung durch die Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) abgeschlossen ist, hat sich der Verdacht der Untreue erhärtet. Geprüft wurde durch die GPA zurück bis zum Jahr 2003. Für die Jahre 1998 bis 2003 hat die Gemeinde selbst eine weitergehende Prüfung vorgenommen und weitere (zusätzliche) Ungereimtheiten festgestellt. Der derzeit bezifferbare Verlust für die Gemeinde beträgt rund 490000 Euro.“ Strafrechtlich relevant für die dem Untreueverdacht ausgesetzte Mitarbeiterin ist nur der Zeitraum zwischen 2003 und heute. Nichtöffentlich hat der Gemeinderat bereits beraten und beschlossen, die bisherige Barkasse ab 2009 komplett aufzulösen.
Weiter heißt es in der Pressemitteilung: „In den kommenden Jahren werden zusätzliche Kassenprüfungen durch externe Einrichtungen durchgeführt. Auf den Prüfstand kommen auch die Abläufe und Zuständigkeiten im Rathaus, mit denen bereits ein externes Fachbüro beauftragt ist.“ Die Kriminalpolizei ist aufgrund einer Anzeige durch die Gemeinde Sersheim eingeschaltet worden. Die Ermittlungen laufen noch. Ergebnisse liegen noch nicht vor. „Bis zum Abschluss des Ermittlungsverfahrens können daher keine weiteren Aussagen getroffen werden“, bat Bürgermeister Scholz um Verständnis. Erst wenn die konkreten Ermittlungsergebnisse vorliegen, „wird entschieden, wie weiter vorgegangen werden soll“, erklärte Scholz.