Vaihingen (ub) – Gestern Abend gab es die bautechnische Beichte im Vaihinger Gemeinderat: Die Sanierung des unter Denkmalschutz stehenden Hauses in der Grabenstraße 24, das Hermann-Haus, wird wesentlich teurer und aufwändiger als angenommen. Statt der veranschlagten 120000 Euro wird nun mit 250000 Euro gerechnet.
Auch ziehen sich die Arbeiten der Firma Bennert, eine Spezialfirma für Sanierungsarbeiten zwischen Weimar und Erfurt, die auch schon im Schloss Neuschwanstein und am Brandenburger Tor gearbeitet hat, hin. Ursprünglich sollte die Dachsanierung, die im August startete, Anfang November abgeschlossen sein. Jetzt wird der Januar angepeilt – „bis dahin müssten wir zimmermannsmäßig fertig sein“, schätzt Waldemar Mann, Abteilungsleiter Hochbau bei der Stadtverwaltung Vaihingen.
Herabstürzende Dachziegel in den Hof zur Keltergasse haben die Fachleute alarmiert. Bei Voruntersuchungen Anfang des Jahres – mit der Vorgabe, die Bausubstanz der zwei Häuser Grabenstraße 22 und 24 zu schützen – wurden Kosten von 180000 Euro ermittelt. 120000 für das Hermann’sche Haus, 60000 Euro für die Hermann’sche Scheune, deren Dachstuhl deutlich neueren Datums ist und sich in einem besseren Zustand befindet. Die Stadt Vaihingen nutzt das Haus Grabenstraße 24 als Abstellkammer: So sind dort neben Lagerräumen des Archivs auch Maientagskostüme untergebracht.
Seit Beginn der Sanierung des ehemaligen Hauses von Paul Hermann, der von 1898 bis 1990 lebte und von 1937 bis 1945 Mitglied des Gemeinderats war, kamen nach und nach die schwerwiegenden Mängel der geschichtsträchtigen Immobilie ans Tageslicht. Die Schwellen im Traufbreich an der Westseite waren verfault. Pilze und Insekten haben mehr Staub als Holzsubstanz übrig gelassen. Durch die eindringende Feuchtigkeit wurden massive Eingriffe in die Holzkonstruktion des Gebäudes mit einem früheren Getreidespeicher im Obergeschoss nötig. Mann: „Der frühere Getreidespeicher wäre heute überfordert gewesen und unter den Lasten glatt durchgebrochen.“ In die Statik mussten die Zimmerleute aufwändig eingreifen, Verformungen müssen abgestützt werden.
Die erste Bilanz von Waldemar Mann: „Wir haben mehr laufende Meter Holz und Holzverbindungen austauschen müssen, als geplant war. Das hat sich in der Masse gravierend bemerkbar gemacht.“ Mit dem Denkmalamt muss jetzt noch geklärt werden, was mit der Wand in Richtung Hermann’sche Scheuer passiert.
Durch die Dachsanierung – die alten Ziegel konnten nicht wieder verwendet werden – kann keine Feuchtigkeit mehr eindringen. Die Statik wurde verstärkt, selbst im Keller wurde mit schweren Balken abgestützt. Mann: „Mit dieser Sanierung haben wir konservative Maßnahmen ergriffen, damit das Gebäude nicht weiter beschädigt wird.“
Für die beiden Häuser in der Vaihinger Grabenstraße ist bereits ein Museumskonzept entwickelt worden. Falls die nötigen Geldmittel vorhanden wären und der Gemeinderat zustimmt, könnte hier ein Heimatmuseum eingerichtet werden. Für das Gebäude Grabenstraße 22 entwickelte Oberbürgermeister Gerd Maisch bei der Haushaltseinbringung ganz eigene Visionen: „Hier könnten doch ein oder zwei Kinosäle geschaffen werden.“
