Vaihingen (aa) – Man kann zum Vaihinger Weihnachtsmarkt am Samstag vor dem 1. Advent stehen wie man will, aber mit seinem sozialen Aspekt setzt er auf jeden Fall Maßstäbe, die bei kommerziellen Märkten nicht erreicht werden. In diesem Jahr wurde die Rekordsumme von 1900 Euro an die Diakonische Bezirksstelle und an den Fachbereich Sozialhilfe des Landratsamtes weitergegeben.
„Das hat uns doch alle sehr verblüfft!“ Thomas Schmolck, der neun Jahre lang als Koordinator für den Markt fungierte, freute sich bei seiner letzten Spendenübergabe von ganzem Herzen. Bei lediglich 25 teilnehmenden Gruppen (vorwiegend Vereine und Schulklassen) kam eine Spendensumme von 1900 Euro zusammen, die zu gleichen Teilen an Michael Marek von der Diakonischen Bezirksstelle in der Heilbronner Straße und an den Fachbereich Jugend und Soziales des Landkreises in der Vaihinger Außenstelle, vertreten durch Edith Kühner, weitergegeben wurde.
„Wir werden Familien unterstützen, denen es gerade in der Weihnachtszeit nicht möglich ist, zum Beispiel für die Kinder Geschenke zu kaufen“, sagt Marek. Gerade Mehr-Kinder-Familien hat man dabei im Auge. Es sind Familien, die bei der Diakonie bekannt sind. Marek muss hier streng nach dem „Mildtätigkeitsgesetz“ vorgehen, das exakt definiert ist. Seit Jahren gibt es bei der Diakonie einen Nothilfefonds (Konto-Nummer der Diakonie: 8814078 bei der Kreissparkasse Ludwigsburg, BLZ 604 500 50), in den Spenden wie die vom Weihnachtsmarkt kommen und dann zu 100 Prozent an Bedürftige weitergegeben werden. Dafür legt Michael Marek seine Hand ins Feuer. Manche Spenden von Privatpersonen sind auch zweckgebunden. Es gibt in der Tat Menschen, die dem notleidenden Nachbarn über die Diakonie anonym helfen. Die Gelder vom Weihnachtsmarkt wurden im Vorgriff zum Teil schon verbraucht. „Es gibt jeden Tag neue Fälle“, schildert Michael Marek, „die wirtschaftliche Lage schlägt voll durch. Wir sind deshalb unendlich dankbar, dass wir immer wieder auch von den Weihnachtsmarktspenden profitieren.“ Die Teilnehmer würden ein hohes soziales Einfühlungsvermögen unter Beweis stellen und insgesamt sehr solidarisch handeln.
Auch beim Landratsamt werden mit dem Geld vom Markt vorwiegend kinderreiche Familien unterstützt. „Es gibt in aller Regel Geschenke in einem niedrigen dreistelligen Betrag“, erklärt Edith Kühner, die in manchen Fällen „zur Sicherheit“ auch einen Familienhelfer mit zum Einkaufen schickt.
Die Spendenaktion zum Weihnachtsmarkt gibt es seit 1993. „In dieser Zeit sind zwischen 22000 und 23000 Euro zusammengekommen“, hat Thomas Schmolck über den Daumen gepeilt.
Der stellvertretende Schulleiter der Kleinglattbacher Bartenbergschule gibt die Koordination aus verschiedenen Gründen (privater und beruflicher Art) ab. Er hat jedoch in der Nachfolge vorgesorgt, denn der Weihnachtsmarkt am Samstag vor dem 1. Advent soll nicht sterben. Schmolck: „Das wäre ein riesiger Verlust. Wir hoffen, dass wir die Kooperation mit der Werbegemeinschaft weiter verbessern.“ Für Unmut hatte ja zuletzt der verkaufslange Freitag gesorgt, der von vielen Teilnehmern als Konkurrenz zum Markt am Samstag eingestuft wurde (deshalb unter anderem auch der Rückgang der Gruppen von 32 auf 25). Ab 2009 übernehmen Marianne Weikert, Petra Buchfink, Wolfgang Kapp und Rudi Kinscher die Marktbetreuung.
