Montag, 21. Mai 2012

Exotischer Obstsalat erleichtert Schulalltag


Exotischer Obstsalat erleichtert Schulalltag
Begeisterung der Kinder für praktische Anwendungen – Kultusminister informiert sich in Oberriexingen

Oberriexingen (rkü) – Kultusminister Helmut Rau war gestern beinahe vier Stunden lang in der Oberriexinger Grundschule zu Besuch. Im Mittelpunkt stand das besondere pädagogische Konzept der Schule, das von einem ganzjährigen Theater- und Kunstprojekt geprägt wird.

Rektorin Ingrid Jäger-Gutjahr empfing den Minister mit den Worten: „Das Schulteam empfindet Ihren Besuch als große Ehre und Wertschätzung.“ Darauf konterte Rau: „Vielen Dank, ich war ganz einfach neugierig. Es tut mir auch gut, mal eine Schule zu besuchen, in der sich alle wohl fühlen.“ Diese Erwartung bestätigte sich, als er einige Projekte bei einem Rundgang kennenlernte. Der Kultusminister erkundigte sich ausgiebig, wie es der Schule gelungen sei, ihr Netzwerk mit Künstlern, Eltern und anderen Beteiligten aufzubauen. Er erwäge, das Konzept auch auf andere Schulen zu übertragen. Doch schränkte Rau ein: „Was hier an der Schule in Oberriexingen geschieht, weicht weit von den Standards ab. Es ist ganz toll, wie viele Leute man begeistern kann. Aber nicht nur dieser Weg ist richtig – es gibt viele Möglichkeiten.“

Ingrid Jäger-Gutjahr hob immer wieder den Punkt hervor, der ihr am wichtigsten erschien: „Zuversicht ist für jeden von großer Bedeutung. Wenn Sie mal erlebt haben, wie ein Kind groß wird, wenn man ihm klarmacht, dass es großartig ist – da geschieht etwas Magisches.“ Gerade im ästhetischen Bildungsbereich gebe es viele Möglichkeiten, Kindern ihre jeweiligen Stärken aufzuzeigen. Dabei werde auch deutlich, wo die individuellen Schwächen liegen, an denen dann gearbeitet werden müsse. Wer wisse, dass er in manchen Bereichen stark sei, könne auch mit seinen Schwächen umgehen, unterstrich die Schulleiterin.

Wie konzentriert Erstklässler an eine Aufgabe herangehen können, erlebten die Besucher eindrucksvoll bei der Betrachtung eines Kunstwerks von Miro. Während der etwas mehr als zehn Minuten dauernden Visite richteten die Kinder ihre ganze Aufmerksamkeit auf das Bild und auf die Klänge, die sie einzelnen Details aus dem Bild zuordnen sollten.

Ein paar Zimmer weiter beschäftigten sich die Schüler mit dem Thema Tahiti. Eigentlich drehte sich in ihrem Projekt alles um den Maler Claude Monet, doch gestern ging es um seine Vorliebe für den Pazifik. „Die Schüler sind begeistert dabei, wenn sie das Projekt bearbeiten. Ganz anders als wenn es heißt: Liebe Kinder, morgen müsst ihr einen Aufsatz schreiben.“ Das Rezept für einen Obstsalat mit exotischen Früchten zusammenzutragen und die Namen der Inseln rund um Tahiti zuzuordnen, war Gemeinschaftsarbeit. „In Tahiti hätte jeder Besucher jetzt auch noch eine Blume bekommen“, erklärte Lehrerin Simone Hasenohr. „Aber wir verzichten darauf, weil Sie noch länger durch das Schulhaus laufen.“ Auch der Schulhof diente gestern als Präsentationsfläche. Trotz Schneetreibens waren Schüler eifrig mit dem Bau von „Monets Brücke“ beschäftigt. Wegen der Kälte konnte das Holz allerdings nur abgeschmirgelt und nicht gestrichen werden.

Bei aller Begeisterung der Schüler und ihrer Begleiter wurde gestern auch ein Problem offenbar. Die Präsentation des Projekts „Hundertwasser“ konnte nicht so stattfinden, wie es geplant war. Schüler beschäftigten sich intensiv mit dem Werk des Künstlers und statt wie Hundertwasser Häuser zu „verhübschen“, taten sie dies mit Kleidungsstücken. Gestern musste jedoch die für das Projekt verantwortliche Lehrerin Sabine Moalla eine Krankheitsvertretung übernehmen. Die Tatsache, dass sie erst am Tag vor der Präsentation abberufen wurde, sorgte für Misstöne bei der sonst so harmonischen Veranstaltung. Der scheidende Schuldezernent Karl Wißkirchen bedauerte, dass man bei dieser Anordnung keine Rücksicht auf den Ministerbesuch habe nehmen können.

Im Rahmen der gestrigen Präsentation wurde im Beisein von Landrat Dr. Rainer Haas auch ein Spendenscheck der Stiftung Kunst, Kultur und Bildung der Kreissparkasse Ludwigsburg überreicht. Der Betrag von 5000 Euro soll die ungewöhnliche und aufwendige Arbeit der Schule unterstützen. Die Oberriexinger Grundschule wurde im Lauf des vergangenen Jahres immer wieder von einem professionellen Filmteam besucht, das mit viel Aufwand eine umfangreiche Dokumentation erstellte. Derzeit laufen Gespräche mit einem Fernsehsender, der sich für den Streifen interessiert, hieß es gestern. Später soll die Dokumentation als DVD auf den Markt kommen.


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