Aurich (ub) – Im Sommer wurde die Mehrzweckhalle in Aurich renoviert. Für 250000 Euro gab es eine neue Decke, die Beleuchtung wurde ausgetauscht, eine Lautsprecheranlage installiert, die Oberlichtverglasung ausgetauscht. Doch die Freude währte nur kurz: Für Sportler herrscht seither erhöhte Rutschgefahr. Immer wieder rieselt feiner Staub auf den Boden, der eine gefährliche Schmierschicht bildet.
Alexandra Wäbisch und Steffi Heidt haben beim Kinderturnen die Bank nach oben gezogen. Von hier springen die Buben und Mädchen auf ein kleines Trampolin und von dort auf die dicke Matte. Das Angebot des TSV Aurich läuft aber seit Wochen nur mit Einschränkung: „Rennspiele gehen gar nicht mehr. Das ist viel zu gefährlich“, sagen die beiden Übungsleiterinnen. Den „Schwarzen Mann“ gibt es nicht mehr, Eishockey ist vom Sportplan gestrichen. „Selbst die Matten halten auf dem rutschigen Boden nicht“, klagt Steffi Heidt.
Theo Theis hat für seine AH-Gruppe am Abend eine spezielle Technik entwickelt, damit eine Stunde Volleyball gespielt werden kann. „Wenn wir mit Papiertüchern die Sohlen unserer Schuhe abstreifen, geht es eine Zeit lang wieder.“ Aber auch Theis muss einräumen: „Einige von uns spielen nicht mehr, es ist ihnen einfach zu glatt.“ Die „Alten Herren“ des TSV erinnern sich noch gut an den stumpfen Boden von früher. Theis: „Durch die gute Reinigung ist er jetzt richtig glänzend.“
Der von der Decke rieselnde weiße Staub macht die Turn- und Festhalle mittlerweile zum Sicherheitsrisiko. Der Jugendfußball hat bereits seinen Betrieb eingestellt, der Sportunterricht der Schule ist so gestaltet, dass die Kinder nicht gefährdet werden. Die Indiaca- und Tischtennis-AG sind ganz gestrichen.
„Für bestimmte Sportarten ist es sehr schwierig und kritisch“, bestätigen in einem VKZ-Gespräch auch Detlef Fischer, Leiter des städtischen Liegenschafts- und Gebäudewirtschaftsamtes, sowie Waldemar Mann, Abteilungsleiter Hochbau. „Aber wir sind nicht untätig und betreiben vehement Ursachenforschung.“
Ende September kommen die ersten Klagen über den feinen Staubfilm. Daraufhin wurde die Halle noch einmal grundlegend gereinigt, weil die Vermutung nahe lag, dass noch Baustaub in der Luft liege. „Das hat sich aber nicht bestätigt und der Feinstaub legte sich wieder wie ein Film auf den Hallenboden“, so Mann.
Als nächstes waren die Fachkräfte der Reinigungsfirma und vom Hersteller des Reinigungsmittels gefragt. Doch die rutschhemmende Wischpflege hat in Aurich keine Wirkung gezeigt: Der Staub sorgte weiterhin für eine gefährliche Gleitschicht zwischen Schuhen und Belag.
In den Herbstferien hat die Stadt die Decke komplett absaugen lassen, auch der Deckenhersteller aus dem österreichischen Graz war vor Ort. Der zuständige Laborleiter hat Staubproben mitgenommen und untersuchen lassen.
„Wir wollen uns aber nicht nur auf den Hersteller verlassen und haben eine neutrale Stelle eingeschaltet und erneut Proben nehmen lassen“, sagt Gebäudemanager Detlef Fischer. Die Proben von der Decke werden bei der Materialprüfungsanstalt in Stuttgart untersucht, die Staubpartikel bei einem chemischen Labor. Noch in diesem Jahr sollen erste Ergebnisse vorliegen. Waldemar Mann: „Wir sind in dem Dilemma, dass wir nachweisen müssen, woher die Ursache für den Staub kommt und was falsch gelaufen ist.“
In der Zwischenzeit setzen die Verantwortlichen bei der Stadtverwaltung Vaihingen aufs Putzen. Jeden zweiten Tag wird nass gewischt. Dabei nutzt die Reinigungsfirma einen speziellen Wischmopp, zusätzlich wird ein Grundreiniger dazu gegeben. Mann: „Es hat sich bestätigt, dass es nach dem Nassreinigen besser ist.“ Auch Theo Theis hat dies festgestellt: „Am Dienstagabend hatte ich den Eindruck, dass es nicht mehr ganz so rutschig ist.“
Allerdings könne das intensive Reinigen kein Dauerzustand bleiben. Ursächlich für den Eiertanz in der Halle dürfte der feine Staub sein, der von der neuen Decke rieselt. Mann: „Darauf richten wir auch unser Augenmerk. An der Reinigung kann es nach unseren Erkenntnissen nicht liegen.“
Das will aber der zuständige Architekt Michael Kirchner nicht ausschließen. „Während der Bauzeit wurde die Reinigungsfirma gewechselt. Und nach der Baumaßnahme wurde der Boden grundgereinigt und versiegelt. Ich weiß nicht, ob das die optimale Maßnahme war.“ Kirchner, der auch für die Oberriexinger Sporthalle zuständig ist, berichtet von anderen Reinigungsmitteln, die hier verwendet würden. „Da gibt es aber die Probleme nicht wie in Aurich.“
Bis die Ursache endgültig gefunden und beseitigt ist, müssen die Nutzer mit einem eingeschränkten Sportbetrieb leben. Fischer: „Wir haben das Notwendige veranlasst, damit wir für den Sportbetrieb Gewähr leisten können. Die andere Konsequenz wäre, die Halle zu schließen.“
