Vaihingen/Mühlacker (elf) – „Krise am Automarkt“, „Absatz in Deutschland bricht ein“, „Gebrauchtwagenmarkt schrumpft“, „Zahl der Pkw-Neuzulassungen geht zurück“ – kein Tag vergeht ohne Schreckensmeldungen über die Automobilindustrie. Das hiesige Autogewerbe verbreitet hingegen Optimismus. Dies ist das Ergebnis einer VKZ-Umfrage unter regionalen Autohändlern.
„Wir haben Respekt vor der Situation, aber keine Angst“, sagt Marco Wolf, Geschäftsführer der Autogaleria Wolf in Vaihingen. Den Kopf in den Sand zu stecken, sei ohnehin falsch am Platz. Vielmehr sei es wichtig, sich noch mehr an den Kundenwünschen zu orientieren. „Wir wollen auch im kommenden Jahr im Verkauf stark bleiben und unsere Preise stabil halten“, so Wolf. Rabattaktionen erteilt er eine Absage: „Nur wenn ich im Verkauf einen Gewinn habe, kann ich auch einen vernünftigen Service bieten.“ Beim Fiat-Vertragshändler sei auch eine verstärkte Nachfrage nach Gas betriebenen Fahrzeugen vorhanden. Wolf: „In diesem Bereich sind wir Vorreiter.“
Heinz Seiz vom gleichnamigen Autohaus in Vaihingen geht davon aus, „dass wir auf der gleichen Basis wie 2008 weiterarbeiten können“. Drastische Einbrüche hatte der Ford-Händler in diesem Jahr nicht zu verzeichnen. Dazu hätten vor allem die neuen Modelle Kuga, Fiesta und Ka beigetragen. Für 2009 rechne er mit gleichen Zahlen wie im laufenden Jahr. Ob es zu Aktionspreisen komme, hänge von den Werksvorgaben ab – in Sachen Rabatte sei nichts mehr zusätzlich zu machen. Seiz: „Da sind wir ausgereizt.“ Bei der Kundschaft sei immer wieder Unsicherheit bei den Steuereinstufungen der Fahrzeuge gegeben. „Da wäre es besser, wenn der Gesetzgeber für klare Richtlinien sorgen würde“, so Seiz.
Florian Franke, der sich ab 1. Januar 2009 mit Miklos Burkhardt die Geschäftsführung von Auto-Franke (Mazda und Daihatsu) in Vaihingen teilt, blickt „der Zukunft optimistisch entgegen“. Vor allem in den Fahrzeugen, die weniger kosten, stecke viel Potenzial. Als Vertragspartner von Daihatsu könne das Autohaus Franke von einer Autokrise demnach sogar profitieren. „Da ist für wenig Geld ein gutes Fahrzeug zu bekommen.“ Wie sich das Geschäft im höherpreisigen Segment entwickelt, bleibe abzuwarten. Sonderaktionen werde es sicher auch im kommenden Jahr wieder geben. Die Nachfrage nach Alternativantrieben sei sehr gering.
„Die Lage ist schwierig“, sagt Peter Maas, Verkäufer bei Auto Staiger (Opel) in Vaihingen. „Wir hoffen, dass es nicht noch schlechter wird.“ Während 2007 ein „Katastrophenjahr“ gewesen sei, habe Auto Staiger in diesem Jahr seinen Verkauf erheblich gesteigert. Die Bankenkrise habe sogar dazu beigetragen, dass einige Kunden ein Auto gekauft haben. „Sie wollten ihr Geld lieber für ein Auto ausgeben, als es auf der Bank zu lassen“, vermutet Maas. In Sachen alternative Antriebe wäre es seiner Meinung nach schön, wenn das Werk bald einen Hybridmotor anbieten würde.
Dieter Maurer, Inhaber und Geschäftsführer von Auto-Bauer (VW und Audi) in Vaihingen zeigt Optimismus. „Man darf nicht erst schreien, wenn die Krise da ist, sondern muss den regionalen und überregionalen Markt beobachten“, betont Maurer. Wenn das Management funktioniert, die Kosten minimiert werden und gutes Personal vorhanden sei – er baue auf 30 Mitarbeiter – könne man auch weiterhin gute Geschäfte machen. Mit den Marken VW (Pkw und Nutzfahrzeuge) sowie Audi „sind wir gut aufgestellt“, weiß Maurer. Vom 1000-Euro-Gebrauchtwagen bis zum S-4-Audi sei bei Auto-Bauer jegliches Klientel gut bedient. Aktionspreise würde es bei ihm vor, während und nach der Krise geben. Für nächstes Jahr seien Investitionen in den Werkstattbereich geplant.
„Zwar weiß keiner, was das nächste Jahr bringt“, sagt Hans Herrmann, Geschäftsführer beim Autozentrum Dobler in Mühlacker. „Doch wir sehen für unser Haus keine Probleme und sind sehr zuversichtlich.“ Mit rund 2600 verkauften Fahrzeugen in 2008 und über 20000 Werkstattaufträgen „sind wir der Anlaufpunkt der Region“. Dies lasse ihn zuversichtlich in die Zukunft blicken. Selbst wenn es einen wirtschaftlichen Abschwung im Neuwagengeschäft gebe, könne er immer noch auf die anderen Standbeine bauen. „Das Gebrauchtwagengeschäft geht immer“, weiß Herrmann. Auch die Werkstatt und das Ersatzteilgeschäft seien wichtige Einnahmequellen. Außerdem: „Durch unsere Audi-Ausstellung genießen wir zwischen Stuttgart und Karlsruhe eine Alleinstellung.“ Negative Auswirkungen durch die Finanzkrise seien bei Dobler nicht spürbar.
