Stuttgart/Vaihingen (aa) – Großer Bahnhof für die Ehrenamtlichen im Neuen Schloss von Stuttgart. Ministerpräsident Günther Oettinger hat am 5. Dezember (Tag des Ehrenamtes) 25 Bürger aus dem ganzen Land das ihnen vom Bundespräsidenten verliehene Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht. Mit dabei: Anneliese Dohse aus Vaihingen und Hartmut Beller aus Markgröningen.
Die Feier läuft generalstabsmäßig ab. Nur mit minimaler Verspätung von drei Minuten schreitet der Ministerpräsident in den Festsaal. Ein Händedruck für den Vaihinger Oberbürgermeister und den Bürgermeister aus Markgröningen. Bläserklänge eines Quartetts des Polizeimusikkorps. Auch Innenminister Heribert Rech gesellt sich noch zur Festversammlung im Speisesaal. Kurze Ansprache. Ordensverleihung. Empfang im Marmorsaal. Für jeden der 25 Frauen und Männer sind knapp 20 Textzeilen vorbereitet. Es geht dem Alphabet nach: von Bachmann bis Wenhardt, 12 Männer und 13 Frauen stehen auf der Liste, darunter sind mit Hartmut Beller und Anneliese Dohse zwei Persönlichkeiten aus Günther Oettingers Wahlkreis.
Baden-Württemberg sei ein Land der Ehrenamtlichen, lobt der MP. Hier herrsche eine gute bürgerschaftliche Kultur. „4,5 Millionen Menschen, das sind 40 Prozent der Bevölkerung, engagieren sich im sozialen, kulturellen, kirchlichen, sportlichen oder im politischen Bereich. Diese Dichte hat eine hohe Qualität und ist beispielhaft“, stellt Oettinger heraus, „ohne ihren Einsatz würde es dem Leben in unserem Land an Wärme und Herzlichkeit, an Schwung und Gestaltungskraft fehlen. Sie machen Baden-Württemberg lebens- und liebenswert.“ Deshalb werde heute Dank ausgesprochen. Es sei wichtig, dass der ehrenamtliche Einsatz, der Staat und Stadt bereichere, auch öffentliche Anerkennung erfahre.
Anneliese Dohse ist seit ihrer Jugend im kirchlichen Ehrenamt tätig. Von 1961 bis 1994 wirkte sie als Bezirksvertreterin der Frauenhilfe in den Kirchenbezirken Ludwigsburg, Neuenbürg und Vaihingen. Oettinger: „Sie war Impulsgeberin für die Bezirksfrauentage, leitete Frauenkreise und initiierte 1984 die ökumenischen Frauennachmittage in Vaihingen. Von 1972 bis 1983 gehörte sie dem Landesarbeitskreis der Evangelischen Frauenhilfe an und war dabei treibende Kraft der Ökumene. 18 Jahre war Frau Dohse Mitglied des Vaihinger Kirchengemeinderats und unterstützte insbesondere die Erwachsenenarbeit mit der Gründung des Bildungskreises, den sie von 1983 bis 1991 leitete. Mit besonderer Hingabe leitete sie verschiedene Chöre. Sie gründete 1976 den Kinderchor, den sie acht Jahre lang bis 1984 leitete und lenkte die Geschickte des Kirchenchors in Vaihingen.“ 1977 gründete Anneliese Dohse den „Vaihinger Diakoniechor“, der seither im Vaihinger Altenheim und im Krankenhaus auftritt. Darüber hinaus betreut sie seit vielen Jahren Seniorenfreizeiten. Sie war ehrenamtliche in der Württembergischen Landessynode (1983 bis 1995) tätig. Anneliese Dohse wurde 1928 in Hilchenbach (Kreis siegen-Wittgenstein) als Tochter eines Schuhmachers geboren. 1950 heiratete sie den Theologen Reinhard Dohse, der für das Christliche Jugenddorf tätig war. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Das Ehepaar lebte unter anderem in Heutingsheim und Neuenbürg. Nach der Erziehungphase absolvierte Anneliese Dohse ein religionspädagogisches Fernstudium, das ihr anschließend die Tätigkeit als Religionslehrerin ermöglichte. Als ihr Mann 1975 in Ruhestand trat, zog die Familie nach Vaihingen. 1981/82 war sie mit ihrem Mann in Teheran, wo Reinhard Dohse eine Vakanzvertretung für eine Pfarrstelle der evangelischen Gemeinde deutscher Sprache übernommen hatte
Hartmut Beller (73) ist seit über 50 Jahren dem Sport verpflichtet. Fast zwei Jahrzehnte leitete er den Sportkreis Ludwigsburg, dem fast 500 Vereine, 183000 Mitglieder, davon 69000 Jugendliche unter 18 Jahren, angehören. Er war Mitglied in der Kommission Sport und Gesellschaft beim Württembergischen Landessportbund und in der Kommission Lehrwesen. Ebenso brachte er sich in der Vollversammlung der Sportkreise und Mitgliedsvereine und als Mitglied im Hauptausschuss des WLSB ein. Günther Oettinger: „Beller hat stets ein offenes Ohr für die Vereine und organisiert seit Jahren das Politikergespräch des Sportkreises.“ Er ist seit 1995 Prüfungsvorsitzender der Sportschule Ruit und Prüfer beim Württembergischen Tennis-Bund. Beller war von 1984 bis 1994 Mitglied des Gemeinderats der Stadt Markgröningen und mehr als sieben Jahre im Kirchengemeinderat aktiv.
