Montag, 21. Mai 2012

Demonstration zum Erhalt der Hauptschule


Demonstrationszug durch Vaihingen. Foto: Arning
Demonstrationszug durch Vaihingen. Foto: Arning

Vaihingen (aa) – Samstagmorgen, Vaihinger Innenstadt. „Wir lieben unsere Schule!“, schreit der Junge an der Spitze des Protestzuges in sein Megafon. Die Schüler hinter ihm antworten: „Wir wollen hier nicht weg!“ Unterm Kaltenstein ist bereits die zweite Demonstration innerhalb von wenigen Monaten angesagt. Im Sommer gingen die Rieter Bürger gegen die Hochwasserschutzpläne auf die Straße, jetzt sind es Vaihinger Schüler und Eltern.
„Welche Schule soll denn wegkommen?“ Die Dame, die auf dem Wochenmarkt ihre Einkäufe erledigt, ist nicht so recht im Bilde. Doch sie bekommt es schnell mit, dass es sich um die Vaihinger Hauptschule, die künftig Schlossbergschule heißen wird, handelt. Seit die Überlegungen aus dem Rathaus publik geworden sind, rumort es. „Es ist unvorstellbar, dass die Kernstadt Vaihingen keine Hauptschule mehr haben soll!“ Mit dieser Aussage müssen die Elternvertreter, die zur Demonstration aufgerufen haben, bei den Passanten nicht groß um Unterschriften betteln. Mehr als 1000 Namen stehen inzwischen auf den Seiten der wie Schulhefte aufgemachten Protestkladden.
Laut sein und dabei
fair bleiben“
 Schüler und Eltern haben sich am Morgen bei der Schule versammelt. Unzählige Plakate sind gemalt worden. Die Demo ist angemeldet und genehmigt. 200 bis 300 Teilnehmer werden erwartet. Es sind dann aber über 400. Die begleitenden Polizisten haben mal grob durchgezählt und freuen sich, dass alles friedlich abläuft. „Ohne Eierwürfe, ohne Ausschreitungen“, lacht Polizeihauptkommissar Gerd Fink. Das ist auch dem Elternbeiratsvorsitzenden Thomas Cichy ganz wichtig. „Wir wollen laut sein, aber fair bleiben“, sagt er und bedankt sich bei seinen Mitstreitern. Man könne sich nicht alles gefallen lassen, findet Cichy und greift eine Leserbriefaussage aus der VKZ vom Samstag auf: „Man muss wohl studiert haben, um das zu verstehen.“ Er habe studiert, verstehe es aber nicht, dass man eine zweizügig geführte Hauptschule auflösen wolle.
 Das Land mache es sich mit seiner Schulpolitik zu einfach, jetzt habe die Stadt Vaihingen den Schwarzen Peter. Notwendig sei eine Qualitätsdiskussion. Cichy zeigt sich vor allem irritiert über die „Hektik“ in der Vaihinger Stadtverwaltung und verspricht, „dass wir an der Sache dranbleiben, denn wenn eine Grundsatzentscheidung gefallen ist, haben wir keine Chance mehr“. Nach seinen Informationen wird der Vaihinger Gemeinderat das Thema am 28. Januar behandeln: „Ich hoffe, dass dann alle, die jetzt hier sind, auch dabei sind.“
Über das Thema hat die VKZ in den letzten Tagen wiederholt berichtet. Die Vaihinger Schüler sollen in die Stadtteile Enzweihingen und Kleinglattbach wechseln. Die Informationen über diese wohl schon im Sommer ausgebrütete Planung ging am 31. Oktober (Herbstferien) an die Kernstadtschule.
 Eine Stellungnahme durch die Schulleitung war nach Informationen der VKZ schon zum 3. November erbeten, um den Ältestenrat des Gemeinderates instruieren zu können. Rektorin Kathrin Lang hat damals eine Vorlage abgeliefert, die sie zum 14. November überarbeitet hat (über den Elternbeirat liegt das Schreiben der VKZ vor). Ihr Fazit: „Die Vaihinger Hauptschule ist eine wichtige Schule für die Stadt. Sie muss in Vaihingen bleiben!“ Sie nimmt ausführlich Stellung zur Qualität der Schule. Die Bildungsoffensive des Landes werde durch neue pädagogische Ideen mit einer Qualitätsoffensive umgesetzt. Die räumliche Nähe von Schule und Zuhause ermögliche eine enge und gewünschte Verzahnung von Elternhäusern und Schule. Bei „Fahrschülern“ sei das so nicht möglich. Es mache daher wenig Sinn, dass die schülerstärkste Hauptschule der Stadt ihren Standort aufgebe. Bei der Berufswegeplanung gebe es bereits ein Netzwerk zu den Betrieben. Die enge Verbindung zu wichtigen Institutionen seien von großem Vorteil. Auch die Grundschule brauche die Hauptschule.
Durch eine Auslagerung der Hauptschüler befürchtet die Rektorin eine Stigmatisierung, „die politisch sicher nicht gewünscht sein kann“. Da die Hauptschule seit 2001 Brennpunktschule sei, gestehe das Land jedes Schuljahr zusätzlich 50 Lehrerstunden zu. Diese würden teilweise verpflichtend für alle Hauptschüler als zusätzlicher Unterricht angeboten (in der Regel an Nachmittagen). Nach Ansicht von Kathrin Lang können diese Stunden nicht ohne weiteres auf andere Schulen übertragen werden. Und Räume für die Ganztagesschule habe man nur in Enzweihingen. In Kleinglattbach müsste es Wanderklassen mit all ihrer Problematik geben.
Die Vaihinger Schule sei erst bis 2004 für vier Millionen Euro um- und ausgebaut worden, wird vorgerechnet. Nur ein Klassenraum werde derzeit nicht belegt. Selbst die Unterbringung der Werkrealschulklasse 10 sei jederzeit möglich. Die Schlossbergschule sei die einzige Hauptschule in der Stadt, in der von 8 bis 16 Uhr unterrichtet und betreut werden könne (und wird).
Mit gemischten Gefühlen wird die angedachte Nutzung des Hauptschulgebäudes betrachtet (Betreuungszentrum mit Kinderkrippe, Ganztagesbetreuung aller Grundschulkinder, Leseklasse...). Der Platzmangel sei programmiert - und das Verkehrschaos.
Jetzt ist vor allem weiter der Protest programmiert. Auch am kommenden Wochenende werden am Bürgerbrunnen wieder Unterschriften gegen die Schließung der Schule gesammelt. Aber dann ohne Demonstrationsumzug.


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